14.10.2007

Timo Hildebrand im Interview

„Ein bisschen Angst ist ganz gut“

Kurz sah es so aus, als hätte sich Timo Hildebrand mit seinem Wechsel von Stuttgart nach Valencia verspekuliert. Doch nun hat er seinen Konkurrenten Santiago Cañizares verdrängt und ist stärker denn je. Wir sprachen mit ihm über den nächsten Schritt

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago
Als Sie in Valencia auf der Bank saßen, haben Sie einen sehr gelassenen Eindruck gemacht. Wie viel Schauspielerei war dabei?

Gar keine. Das war einfach Ausdruck dessen, wie es mir in Valencia geht. Mir gefällt es da, mir geht es gut. Ich tue nicht gelassen, ich bin es. Und ich war es auch, als ich nicht gespielt habe. Weil ich gewusst habe, wie die Situation im Verein ist, auch meine persönliche. Ich weiß einfach, dass ich Qualität habe und irgendwann spiele.

Aber zunächst sah es so aus, als hätten Sie sich mit Ihrem Wechsel verspekuliert.


Stellen Sie sich vor, ich wäre beim VfB geblieben, mit in die Krise gerutscht und hätte viele Tore kassiert. Dann hätten alle gesagt: Was will der Hildebrand denn in der Nationalmannschaft? Ich bin nach Valencia gegangen, um dort zu spielen. Das habe ich geschafft. Jetzt warte ich darauf, dass Jens Lehmann in der Nationalmannschaft aufhört. Dann will ich den nächsten Schritt gehen, den letzten.

Da sind Sie ganz gelassen.


Auf jeden Fall. Ich weiß, dass die Bundestrainer mir vertrauen. Sie wissen, dass ich ein guter Torhüter bin. Warum soll ich mir da große Sorgen machen?

Und es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass Sie auf jeden Fall bei der EM dabei sind.


Was heißt auf jeden Fall dabei? Ich habe mir ja selbst Gedanken gemacht: Was ist, wenn ich ein halbes Jahr in Valencia auf der Bank sitze? Oder ein ganzes? Aber im Moment muss ich mir darüber keine Gedanken mehr machen.

War Spanien für Sie die einzige Option?

Spanien war mein Favorit. Die Primera División ist eine Top-Liga, von ihrer Qualität her viel höher einzuschätzen als die Bundesliga. Es gibt kaum eine Mannschaft, die wirklich abfällt. Selbst Huelva hat richtig gute Kicker in der Mannschaft.

Wäre es für einen Torhüter nicht reizvoller, in England zu spielen?

In England ist der Fußball vielleicht noch schneller, noch aggressiver. Aber in Spanien lassen die Schiedsrichter auch viel mehr laufen als in der Bundesliga. Die Leute im Stadion wollen Spaß haben, gute Aktionen sehen, Tore. Dadurch passiert viel mehr. So mag ich das.


Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden