Timo Hildebrand im Interview

»Zwei Jahre sind lang«

Nach der Europameisterschaft ist vor der Saison: Wir sprachen mit dem Exilanten Timo Hildebrand über seine Zukunft in der deutschen Nationalelf, seine Hoffnung  auf ein Gespräch mit Löw und den Kokurrenzkampf beim FC Valencia. Timo Hildebrand im InterviewImago

Herr Hildebrand, haben Sie denn, im Gegensatz zu Bernd Schuster, eine Erklärung für die 2:3-Niederlage im Supercup gegen Real Madrid, das am Ende nur noch neun Spieler auf dem Platz hatte?

Es war ein verrücktes Spiel. Normalerweise musst du ein Spiel gegen Neun kontrollieren. Aber wir haben in der zweiten Halbzeit aufgehört, Fußball zu spielen.

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Schuster sagte, es gebe Teams, die könnten in Überzahl nicht so gut agieren. Valencia zählt offenbar dazu. Zumindest vermutet er wohl richtig, dass Ihrer Elf Reals rote Karten nicht gut getan haben.

Das stimmt. Aber das darf nicht passieren. Gegen neun musst du einfach spielen, den Gegner ausspielen. Wir haben den Rhythmus heruntergefahren und dabei vergessen, weiter auf das gegnerische Tor zu spielen.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich so etwas wie ein Privatduell zwischen Ihnen und Reals Außenstürmer Arjen Robben, Sie hatten drei, vier hervorragende Szenen. Dann kam das eher unglückliche dritte Gegentor.

Ein Konter. Wir verlieren den Ball im Mittelfeld ziemlich blöd, ich bin zurückgelaufen, er schießt ziemlich schnell und gut.

Der vierte Treffer, als Higuain einen Rückpass abfing, war ein Missverständnis zwischen Ihnen und Alexis?


Es war zu laut im Stadion, da konnte man nichts hören. Ich bin extra zur Seite gelaufen, um ihm zu helfen; er dachte, ich bin alleine, und hat den anderen Spieler nicht gesehen.

Sie haben jetzt noch mal Konkurrenz bekommen beim FC Valencia. Der Klub hat für eine Ablösesumme von vier Millionen Euro den brasilianischen Olympiatorwart Renan verpflichtet.

Er ist ja noch nicht da... Im Ernst: Er kommt diese Woche. Wir werden sehen. Ich gehe davon aus, dass ich Nummer eins bin.

Was macht Sie da so sicher? Haben Sie mit Ihrem Trainer Unai Emery über Ihre Position geredet?

Nein. Ich habe ihn schon gefragt, ob wir miteinander reden können. Aber das Gespräch hat noch nicht stattgefunden. Ich hoffe, wir können das in den nächsten Tagen nachholen.

Wie geht es in der Nationalmannschaft weiter? Auch da steht ja noch ein Gespräch mit Bundestrainer Löw aus. Torwarttrainer Köpke hat sich derweil schon mal über Ihre Reaktion nach der EM-Ausbootung beklagt.

Wie hätte ich denn reagieren sollen? Ich glaube, das wurde erst ein Argument, als es (vor dem Spiel gegen Belgien, Anm. d. Red.) zur Nachnominierung von Tim Wiese kam. Vorher hatte ich das noch nie gehört. Ich hoffe, dass es bald zu einem Gespräch kommt.

Haben Sie das Gefühl, dass die Nationalmannschaftstür für Sie wieder etwas weiter zugefallen ist?


Nach allem, was ich letztes Jahr, in diesem Sommer und auch heute hier in Madrid erlebt habe, weiß ich um so genauer, dass im Fußball alles mögliche passieren kann. Zwei Jahre (bis zur WM 2010, Anm. d. Red.) sind eine lange Zeit. Man kann Argumente für jemanden finden, man kann Argumente gegen jemanden finden. Ich bin gespannt, was weiterhin passieren wird.

Bereuen Sie es, nach Valencia gegangen zu sein?


Ich werde das immer wieder gefragt. Ich weiß wirklich nicht, warum ich es bereuen sollte.

Der Supercup in Spanien ist ein offizielles Turnier, andererseits Teil der Saisonvorbereitung. Wie schwer wiegt eine solche Niederlage?


Wir haben eine Supervorbereitung gehabt, jetzt zweimal gegen Real Madrid gespielt, die stärkste Mannschaft. Haben im ersten Spiel dominiert, hätten im zweiten Spiel mehr draus machen müssen. Wir hätten das Turnier gewinnen müssen, das müssen wir uns vorwerfen. Aber man hat gesehen, dass wir anders auftreten als letztes Jahr.

Welche Ziele haben Sie jetzt?

Ich glaube, man kann kein Ziel aussprechen, dafür ist die vergangene Saison zu kurios verlaufen. Wir sind im Uefa-Cup, da möchten wir ziemlich weit kommen. Und in der Liga oben angreifen. Wir sind eine gute Einheit mit einem guten Trainer.

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