16.09.2011

Timo Gebhart über das Derby gegen Freiburg und Tattoos

»Wie Oberlippenbärte in den Achtzigern«

Fünf Monate laborierte Stuttgarts Timo Gebhart an einer schweren Sprunggelenksverletzung. Vergangenes Wochenende feierte er sein Comeback. Vor dem Südderby gegen Freiburg sprachen wir mit ihm über Ziele, Religion und Tattoos.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago
Timo Gebhart, diese Woche startete die Champions League in die neue Saison. Hat Sie das wehmütig gemacht?

Timo Gebhart: Ein bisschen. Noch vor zwei Jahren spielten wir ja selbst gegen die Glasgow Rangers oder den FC Barcelona. Doch die letzte Saison lief eben nicht so gut, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir sind zu Recht nicht dabei, wenngleich wir natürlich gerne jedes Jahr international spielen würden.



Haben Sie denn Ihren Ex-Kollegen aus den Jugendnationalmannschaften die Daumen gedrückt?

Timo Gebhart: Am Dienstag spielten meine beiden Kumpels aus 1860-Tagen: Lars und Sven Bender. Zu denen habe ich immer noch guten Kontakt, wir telefonieren oder mailen häufig – und klar, den Jungs habe ich die Daumen gedrückt. Zumindest der BVB hätte einen Sieg verdient gehabt.

Sie verletzten sich im Herbst 2010 am Sprunggelenk so stark, dass Sie über die gesamte Saison nicht mehr richtig in Tritt kamen. Schließlich wurden Sie operiert. Haben Sie eigentlich die Sorge, dass die Karriere im schlimmsten Fall vorbei sein könnte? Macht man sich über so etwas Gedanken?

Timo Gebhart: Überhaupt nicht. Das blende ich aus.

Dabei hat man als Rekonvaleszent doch viel Zeit zum Nachdenken.

Timo Gebhart: Gerade die Anfangszeit war bitter, die ersten zwei Monate. Da schuftete ich täglich alleine mit unserem Konditionstrainer Christos Papadopoulos. Schlimm sind auch Momente, wenn die Mannschaft zu einem Auswärtsspiel fährt, und du wieder in den Kraftraum oder auf den Ergometer musst. Doch letztendlich wusste ich, dass ich zurückkomme. Es handelte sich schließlich um eine Sprunggelenksverletzung und nicht um einen irreparablen Knorpelschaden. 

Sie sagten mal: »Jeder weiß, wie sehr ich leide, wenn ich nicht spiele.« Wie drückte sich das im letzten Jahr aus?

Timo Gebhart: Es war besonders krass, weil wir hinten drin standen und ich nur zusehen konnte. So viel stand damals auf dem Spiel und viele Leute hätten bei einem Abstieg vielleicht ihren Job verlieren können. Damals war ich nur bei den Heimspielen im Stadion. Häufig hätte ich mir dann am liebsten sofort ein Trikot übergestreift und wäre aufs Spielfeld gerannt. Zum Glück haben wir einen Trainer und eine medizinische Abteilung, die die Gesundheit der Spieler im Blick haben. Sonst würde ich eines Tages noch mit einem gebrochenen Fuß spielen. (lacht)

Sagt Ihnen der Name Terry Butcher etwas?

Timo Gebhart: Nein.

Ein englischer Nationalspieler, der einmal mit klaffender Wunde im Kopf weitergespielt hat.

Timo Gebhart: Sie spielen auf meine Fleischwunde im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg an (September 2010, d. Red.). Die war auch voller Blut, und ich bin erst 40 Minuten nach dem Vorfall runter. Doch ich bin der Meinung, dass man nicht immer gleich aufschreien sollte. Ich beisse jedenfalls lieber auf die Zähne.  


Woher rührt diese Einstellung?

Timo Gebhart: Vielleicht von Stefan Effenberg.

Ihr großes Idol?

Timo Gebhart: Ach, im Kindesalter wechselt man ja seine Vorbilder und Helden wie Unterhosen. Effenberg hat sich allerdings erstaunlich lange gehalten. Danach fand ich lange Zeit Mehmet Scholl ziemlich gut. Ein wendiger, trickreicher Spielgestalter – so wollte ich auch sein.

Wie würden Sie Ihre Position heute denn bezeichnen? Spielgestalter, Regisseur, Offensiv-Allrounder?

Timo Gebhart: Ich kann offensiv alle Positionen spielen. Doch natürlich habe ich wie jeder Spieler eine Lieblingsposition.

Welche?

Timo Gebhart: Meine ist die Zehn, hinter den Spitzen.

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