10.02.2008

Tim Borowski im Interview

„Besser werden als Ballack“

Für Tim Borowski steht das Topspiel zwischen Werder und Bayern unter einem besonderen Stern: Im Sommer wechselt er von der Weser an die Isar. Wir sprachen mit ihm über seinen Wechsel, Träume im Fußball – und Geometrie.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Glauben Sie, dass Ihnen auch der Vergleich mit Ballack das Interesse der Bayern eingebracht hat?

Nicht der Vergleich, sondern der Grund dafür – meine Qualität. Das Interesse der Bayern ist ja viel älter. Schon vor drei Jahren gab es ein Angebot, aber damals fühlte ich mich nicht so weit. Diese Einschätzung hat sich bestätigt. Gerade in den letzten Jahren konnte ich noch mal einen Sprung machen.

Trotzdem konnten Sie Ballacks Verletzung nicht nutzen, um in der Nationalmannschaft Ihren Wert nachzuweisen – weil Sie selbst verletzt waren …

Aber es gab auch Spiele, in denen Michael und ich zusammen gespielt haben. Wir stehen uns mit unseren Qualitäten nicht im Wege. Es geht nebeneinander.

Mit Ihrem Wechsel zu den Bayern wandeln Sie weiter auf Ballacks Spuren.


Ich finde seine Karriere beeindruckend. Dass er zum FC Chelsea gewechselt ist, ist eine Riesennummer. Aber ich will seinen Weg nicht imitieren.

Warum haben Sie einen Wechsel ins Ausland gescheut?


Ich hätte den Schritt schon gewagt, aber dazu hätte ein wirklich großer Verein kommen müssen. Ich will an der Spitze spielen, das können einem nur wenige Klubs garantieren. Die Bayern können das. Ich bin sehr froh, dass ich den Schritt wage. Der Entschluss ist gut durchdacht.

Welcher Schritt ist gewagter: mit 16 von Neubrandenburg nach Bremen zu gehen oder mit 28 von Bremen nach München?

Das kann man nicht vergleichen. Ich bin in Neubrandenburg gut behütet aufgewachsen, kannte da alles, hatte meinen Freundeskreis. Dann ist der Schritt schon enorm, plötzlich alles abzubrechen und in eine Großstadt zu ziehen. Das erste halbe Jahr in Bremen ist mir sehr schwer gefallen. Sportlich hatte ich keine Probleme, aber menschlich. Da habe ich sogar überlegt, ob ich nicht wieder zurückgehe.

Was ist für einen Neubrandenburger der Kindheitstraum? Mal beim FC Bayern zu spielen?

Nee, beim FC Hansa Rostock. Ich bin zu DDR-Zeiten aufgewachsen. Die KJS, die Kinder- und Jugendsportschule, war damals in Rostock, und jeder, der mit Ambitionen Fußball spielte, wollte da hin. Noch heute drücke ich den Rostockern die Daumen, dass sie in der Liga bleiben.

Empfinden Sie nach all den Jahren in Bremen so etwas wie Dankbarkeit für Werder?


Ich glaube, es gibt eine gegenseitige Dankbarkeit. Im Sommer geht ein langer Weg für mich zu Ende, speziell mit Thomas Schaaf. Er hat mich damals quasi verpflichtet. Schaaf hat mich als Amateur- Cheftrainer aus Neubrandenburg zum Probetraining geholt und mir die Frage gestellt: Hast du Lust und Interesse, für Werder Bremen zu spielen? Seitdem kennen wir uns, da war ich 14 oder 15. Aber ich habe dem Verein auch viel gegeben. Ich bin aus der eigenen Jugend gekommen, habe mich hochgearbeitet, Schritt für Schritt, so wie es die Philosophie des Vereins ist. Wir haben das Double geholt und spielen jetzt das vierte Jahr hintereinander in der Champions League.

Woran haben Sie gemerkt, dass der FC Bayern wirklich an Ihnen interessiert war und nicht nur Werder ärgern wollte?


Die Gespräche waren einfach gut. Ich hatte das Gefühl, dass es um mich geht, um meine Persönlichkeit, meinen Charakter und mein fußballerisches Vermögen.

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