10.02.2008

Tim Borowski im Interview

„Besser werden als Ballack“

Für Tim Borowski steht das Topspiel zwischen Werder und Bayern unter einem besonderen Stern: Im Sommer wechselt er von der Weser an die Isar. Wir sprachen mit ihm über seinen Wechsel, Träume im Fußball – und Geometrie.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Herr Borowski, waren Sie in der Schule eigentlich gut in Geometrie?

Geometrie? Ich glaube, das lag mir ganz gut. Ja, doch. Überdurchschnittlich auf jeden Fall.

Dann erklären Sie uns doch mal, was ein geometrischer Spieler ist.

Ah, darauf wollen Sie hinaus. Oliver Bierhoff hat während der Weltmeisterschaft diese Bezeichnung für mich gewählt. Einen geometrischen Mittelfeldspieler zeichnet aus, dass er das Spiel lesen kann und dann so intelligente Pässe in die richtigen Räume spielt, dass die Defensive des Gegners auseinander gerissen wird. Oft sind das vertikale Pässe.



Dass Sie das können, sieht man im Nutella-Werbespot. Da treffen Sie genau ein Loch in der Fensterscheibe. Wie oft haben Sie das probiert?

Beim vierten Mal hätte es geklappt. Aber da lief die Kamera nicht. Zum Glück hatten wir eine Ballmaschine. Die kann man über Luftdruck so einstellen, dass man genau ins Ziel trifft.

Geometrisch hört sich ein bisschen nach Reißbrettfußball an. Haben Sie keinen Schreck bekommen?

Nein, für meinen Geschmack klang das nicht schlecht. Ich glaube, dass das eine Auszeichnung sein sollte. Aber ehrlich gesagt kannte ich den Begriff auch nicht. Ich habe das erstmal nachlesen müssen. Zum Glück gibt es Internet.

Hat diese Kategorisierung Einfluss auf Ihr Spiel gehabt?

Um Gottes Willen, nein. Ich versuche nicht, einer Bezeichnung zu genügen. Ich habe immer versucht, die Dinge, die mir gegeben sind, auszuspielen. Sonst geht die Authentizität verloren. Es ist auch für den Fan schöner, wenn er einen Spieler einschätzen kann, wenn er weiß: Okay, der Borowski kann ordentlich Fußball spielen, der ist auch aggressiv am gegnerischen Mann, der zeigt sich, kann aber auch ein liebenswerter Mensch sein.

Diese Art hat Ihnen den Ruf eingebracht, ein zweiter Michael Ballack zu sein, ein Mini-Ballack oder ein Ballack in Blond.

Michael Ballack war und ist zweifelsfrei ein außerordentlicher Mittelfeldspieler, aber speziell vor und während der WM wurde der Vergleich stark in mein Leben gedrängt. Bestimmte Ähnlichkeiten lassen sich nicht leugnen, trotzdem sind wir unterschiedliche Typen. Ich bin wohl etwas ruhiger und zurückhaltender.

Schmeichelt Ihnen der Vergleich nicht?

Als ich vor vier Jahren zum ersten Mal mit Michael Ballack verglichen wurde, hatte ich gerade den Durchbruch bei Werder geschafft. Damals hat mir das Power gegeben. Ein junger Spieler darf sich davon geschmeichelt fühlen, aber er sollte sich nicht in dieser Umschmeichelung einrichten. Mein Ziel ist es, besser zu werden als Michael Ballack.

Wann wird das der Fall sein?


Da müssten wir erst definieren, woran man das Bessersein festmachen will. Für mich ist wichtig, dass ich jetzt mit dem Wechsel zum FC Bayern den nächsten Schritt mache. Ich will den Schwung aufnehmen, damit es mich nach oben puscht. Ich versuche so an mir zu arbeiten, bis mein Potenzial ausgeschöpft ist. Wann das ist, kann ich Ihnen leider nicht sagen.

Bisher war das Alter ein Vorteil Ballacks. Er ist fast vier Jahre älter und Ihnen damit voraus. Jetzt aber kommen Sie ins beste Fußballeralter.

Das haben Sie schön gesagt. Aber das Alter steht bei qualitativ hochwertigen Spielern nicht so im Vordergrund.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden