Thorsten Legat über Schwalben

»Schande für den Fußball«

Thorsten Legat war in seiner aktiven Zeit ein gefürchteter Zweikämpfer und Fußballarbeiter. Wir sprachen mit ihm über Schwalbenkönige, Frauenfußball und sein spezielles Verhältnis zu Andreas Möller.

Thorsten Legat über Schwalbenimago

Thorsten Legat, Sie galten in Ihrer aktiven Zeit als ein Spieler, der keinem Zweikampf aus dem Weg gegangen ist. Für Sie muss doch jede Schwalbe ein kleiner Stich ins Herz sein?

Wenn man sieht, wie sich manche Spieler heute aufführen, muss man sich fragen, was das noch mit Fußball zu tun hat. Wie die sich da herumwälzen, mit fünf, sechs Rollen, und dann aufstehen und sich ins Fäustchen lachen, weil der Gegner eine gelbe oder rote Karte kriegt, das ist doch ein Witz. Da sind ja mittlerweile die Frauen härter im Nehmen, als die Spieler in der Bundesliga. Es gibt immer welche, die sagen, so etwas gehöre heute dazu. Aber für mich ist das einfach nur unnötig und fahrlässig.

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Macht es Sie sauer, wenn ein Spieler zum ständigen Fallen neigt?


Ich bin einer von der Straße und war immer einer, der mit gesundem Menschenverstand in die Zweikämpfe gegangen ist. Ich habe nie jemanden ernsthaft verletzt, weil ich immer nur den Ball haben wollte. Wenn ich mir einige Spieler heute ansehe, werde ich wütend. Die stehen ja mehr vorm Spiegel und wälzen sich auf dem Boden als sonst was. Wenn man sich dagegen mal Frauenfußball anguckt, kann ich nur meinen Respekt aussprechen. Die stehen nach einem Foul auf und sagen: »Ich will weiter Fußball spielen.« Die putzen sich einfach den Mund ab, weil so etwas eben zum Fußball dazu gehört. Deswegen ein Kompliment an die Frauen, die Männer sind heutzutage eine Schande für den Fußball.

Konnten Sie als Aktiver auf dem Spielfeld Ihre Meinung gegenüber diesen Spielern zurückhalten oder fielen auch schon Mal ein paar deutliche Worte?


Ich war nie einer, der lange über so etwas diskutiert hat. Ich habe immer gesagt: »Halt die Klappe und hol Dir den Ball.« Gegen einen gesunden Zweikampf ist doch nichts einzuwenden. Besser als jemanden richtig umzutreten, und die Rote Karte zu kassieren. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, weil ich in 18 Jahren Bundesliga meine Zweikämpfe immer auf ehrliche Art gewonnen habe.

Gab es Gegenspieler von denen Sie vorher wussten, dass Sie gerne fallen?

Natürlich, die gab es auch damals schon massenhaft. Möller und wie sie alle hießen. Aber die habe ich selten auf meiner Seite gesehen, weil die immer freiwillig rüber gewechselt sind.(lacht) Das waren alles Feiglinge für mich. Die wollten nur Zeit rausholen und das Spiel verzögern. Das hatte nichts mit Fußball zu tun.

Was könnte man Ihrer Meinung nach gegen die zunehmende Fallsucht im Fußball tun tun?

Ich plädiere dafür, dass ein neutraler Unparteiischer an der Außenlinie sitzt und seinen Hauptschiedsrichter über diese Vorkommnisse informiert. Dann würde vieles anders laufen. So etwas muss sofort unterbunden werden. Diese Schwalbenspieler müssen mit Gelb oder Rot bestraft werden. Das gehört einfach nicht in den Fußball. Da muss der DFB reagieren, denn diese Spieler gefährden den deutschen Fußball. Ich finde das grauenhaft.

Müssen vielleicht auch die Mitspieler selbst aktiv etwas gegen Schwalbenkönige in ihrer Mannschaft tun?

Wenn ein Spieler durch eine Schwalbe der Mannschaft und dem Verein drei Punkte sichert, dann wird ihn keiner kritisieren. Ganz im Gegenteil dann sagt der Trainer noch: »Das hast du gut gemacht.« Ich würde mir das nicht gefallen lassen. Der DFB muss gegen diese Menschen, die das dauerhaft machen, ermitteln. Wenn ich höre, dass der Verband keine Möglichkeit hat diese Spieler ausreichend zu bestrafen, dann tut es mir leid um den deutschen Fußball.

Sind Schwalben auch Betrug am Zuschauer?

Jeder würde es doch lieber sehen, wenn diese Spieler gar nicht mehr dabei sind. Die haben doch alle eine Profilneurose. Wenn man nichts anderes versucht, als den Gegner bewusst zu schädigen, dann ist es doch verlorene Zeit, mit diesen Spielern zu arbeiten. Die Spieler mögen auch andere Qualitäten haben, aber ich würde die am liebsten nicht mehr sehen. Wir alle wollen doch kreativen und flüssigen Fußball. Wenn mir einer erzählt, dass Schwalben heutzutage zum Fußball gehören, dann verstehe ich den Fußball nicht mehr.

Glauben Sie, dass manche Spieler Schwalben bewusst trainieren?

Da habe ich zu meiner Zeit doch auch mitbekommen. Es gibt leichtfüßige Spieler, die wollen gar nicht in den Zweikampf gehen. Die wollen einfach nur provozieren. Die Spieler kriegen so viel Geld in den Hintern geblasen und obendrauf noch ein Verdienstkreuz vom deutschen Fußball. Aber diese Spieler sind keine richtigen Arbeiter. Die versuchen es immer auf die linke Tour. Das ist eine Schande für den Fußball.

Erinnern Sie sich an eine Schwalbe, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Die Schwalbe von Andreas Möller gegen Karlsruhe werde ich nie vergessen. Der hat dafür sogar noch einen Elfmeter gekriegt. Ich war bei dem Spiel zwar nicht auf dem Platz, aber ich habe das später im Fernsehen verfolgt. Unfairer geht es nicht.

Haben Sie Andreas Möller einmal darauf angesprochen?

Ich habe später selbst mit Andreas Möller zusammengespielt. Er ist ein hervorragender Mensch und hatte in Dortmund dann auch eine schwierige Zeit. Doch da bin ich ehrlich, wenn ich damals sein Gegenspieler gewesen wäre, dann hätte ich dem ins Gesicht gespuckt. Als Strafe hätte ich dann wohl acht Jahre kein Fußball mehr gespielt. Aber das hätte ich in Kauf genommen. So bin ich eben.

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