Thorsten Legat über Schalke-Stuttgart

»Keller ist ein Gladiator«

Fünf Jahre spielte Thorsten Legat beim VfB Stuttgart, ehe er seine Karriere beim FC Schalke 04 als Sportinvalide beenden musste. Vor dem Spiel der Kellerkinder spricht Legat über die VfB-Bosse, Schalkes Alte Herren und eine Ikone. Thorsten Legat über Schalke-Stuttgart

Thorsten Legat, am Samstag spielen Ihre ehemaligen Klubs Schalke 04 und der VfB Stuttgart gegeneinander. An welchem Verein hängt Ihr Herz?

Mein Herz schlägt für den VfL Bochum. Aber Bochum, Schalke – das ist Ruhrgebiet und damit meine Heimat. Deshalb werde ich am Samstag auch für königsblau brüllen.

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Beide Klubs sind in der Krise, der VfB Stuttgart hat gar Trainer Christian Gross entlassen. Ein ungünstiger Zeitpunkt?

Absolut. Ich weiß nicht, was sich die Herren in Stuttgarts Chefetage dabei gedacht haben, den Trainer so kurz vor einem so wichtigen Spiel zu entlassen. Vielleicht hoffen sie auf den Hallo-Wach-Effekt, auf eine Trotzreaktion der Spieler. Aber ich bleibe dabei: Der Zeitpunkt war sehr ungünstig.

Christian Gross soll zu seinen Spielern und auch zum Vorstand kein wirklich gutes Verhältnis mehr gehabt haben. Trotzdem kam die Entlassung doch etwas überraschend. Ist das Geschäft unberechenbar geworden?

Nicht unberechenbar, aber schneller. Wir haben 2010 und befinden uns nicht mehr in den achtziger Jahren, wo sich die Fußball-Welt noch langsamer drehte. Heute entscheiden Handlungsschnelligkeit und Reaktionsvermögen. Auf dem Platz, genauso wie abseits des Rasens.

Christian Gross war gestern noch der strahlende Held beim VfB, heute ist er schon Vergangenheit. Wie kommt man als Spieler mit einer solchen Situation zurecht?

Ich spreche da aus Erfahrung: In meiner Zeit als Fußballprofi hatte ich 21 verschiedene Trainer, 21 neue Chefs, mit denen ich zusammen arbeiten musste, um Erfolg zu haben. Als Fußballer musst du dir darüber im Klaren sein: Trainer kommen und gehen. Aber egal was passiert: Du musst deine Leistung bringen. Sonst bist auch du bald nur noch Vergangenheit. Das ist die Aufgabe, der sich die Stuttgarter Profis aktuell stellen müssen.

Stuttgarts neuer Mann an der Linie heißt Jens Keller. Sie haben beim VfB noch ein Jahr mit ihm zusammen gespielt. Was ist der für ein Typ?

Als Trainer kann ich ihn nicht beurteilen, aber als Spieler war er ein Gladiator. Der wollte jeden Zweikampf gewinnen und hat es meistens auch getan. Der wollte einfach nur siegen. Die Eigenschaft wäre ja auch als Trainer nicht verkehrt.

Kann er den VfB aus der Krise führen?

Ich kann nicht hellsehen, aber sicher ist: Wenn Stuttgart auch gegen Schalke verliert, dann ist die Kacke richtig am Dampfen. Schießt sich der VfB aus der Krise, dürfen sich die Herren aus der Chefetage natürlich auf die Schultern klopfen und zur richtigen Entscheidung gratulieren.

Scheint so, als seien Sie nicht ganz einverstanden mit den Entscheidungen von Sportdirektor Fredi Bobic und Präsident Erwin Staudt.

Ach, wissen Sie: Irgendwann muss der Vorstand ja immer reagieren. Das hat er jetzt getan. Ob das richtige Entscheidung war, wird man in den kommenden Spielen sehen. Denn natürlich gehört dieser VfB mit all seinem Potential und seiner Qualität unter die fünf besten Mannschaften der Bundesliga.

Dahin gehört nach eigener Aussage auch Schalke 04. Aktuell ist die Mannschaft Tabellenvorletzter, aber Felix Magath sitzt fest im Sattel. Weil der Manager Magath und das Vorstandsmitglied Magath den Trainer Magath nicht rausschmeißen werden?

Nichts gegen Magath, der hat in den vergangenen Jahren tolle Erfolge feiern können und ist sicherlich ein Spitzentrainer. Aber was ich nicht verstehen kann: Wie kann eine einzelne Person in einem Verein so eine Machtfülle besitzen? Das ist doch absoluter Humbug! Magath kann sich nur selber entlassen? Was für eine absurde Situation. Mal ganz davon abgesehen, dass die Belastung für Magath in seiner Dreifach-Funktion enorm hoch sein muss – ein Trainer sollte meiner Meinung nach ein Trainer sein und nichts anderes.

Schalke leidet ganz offenbar auch unter den namhaften Abgängen, die nicht adäquat ersetzt werden konnten...

Ich kenne Rafinha, ich kenne Bordon, mit einem gewissen Kevin Kuranyi verbindet mich eine Freundschaft – ich kann bis heute nicht verstehen, warum man diese Topspieler hat gehen lassen, bloß weil sie unzufrieden waren. Dafür hat man Spieler wie Kyriakos Papadopoulos geholt, einen Fußballer, dessen Namen ich zuvor noch nie gehört habe und der die Bundesliga nicht kennt. So ein Mann ist kein Ersatz für Bordon, Rafinha oder Kuranyi.

Aber Schalke hat Raul geholt, Huntelaar auch – reicht deren Qualität nicht aus?

Huntelaar hat sich inzwischen als sehr wertvoll erwiesen, der wird seine Buden machen. Aber Raul? Wo soll der Mann in Zukunft spielen? In Schalkes Alter Herren? Meiner Meinung nach ist Raul ausgebrannt, der Akku ist leer, der Spieler verbraucht. Solche Spieler holt man für sehr viel Geld – da frage ich mich doch, warum man dieses Geld nicht darin investiert hat, Bordon und Co. zu halten?

Morgen empfängt Schalke die Stuttgarter. Welche Bedeutung hat diese Partie für beide Klubs?

Das können Sie sich doch denken: Ein Unentschieden ist beiden Verein zu wenig. Wer die Partie verliert, wird eine extrem unangenehme nächste Woche vor sich haben. Ich denke, dass Schalke gewinnt. Mit diesen Fans im Rücken ist 04 noch immer eine Macht.

Auch bei Werder Bremen, ebenfalls einer ihrer ehemaligen Vereine, ist die Situation schlecht. Trainer Thomas Schaaf steht aber nicht einmal zur Debatte.

Warum sollte er auch? Hören Sie, ich habe drei Jahre lang in Bremen gespielt und werde mein Leben lang kein schlechtes Wort über diesen Klub verlieren. Werder ist eine Familie, eine Gemeinschaft, die dir nur das Beste will. So etwas findet man nicht überall. Und zum Trainer – was soll ich da sagen? Thomas Schaaf ist eine Ikone.

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