Thorsten Legat im Interview

»Ich würde Advocaat holen«

Ausnahmezustand auf Schalke: Slomka ist nicht mehr im Amt, die Eurofighter sind zurück. Wozu das alles? Wir sprachen mit S04-Kenner Thorsten Legat über Sinn und Unsinn des Trainerwechsels, Schnusenberg und den neuen starken Mann. Thorsten Legat im InterviewImago

Herr Legat, war es ein Fehler, Mirko Slomka zu entlassen?

Die Verantwortlichen haben natürlich bestimmte Ziele vor Augen, das ist ganz klar. Aber Mirko Slomka hat sicherlich gute Arbeit geleistet. So wie es dann zu der Entlassung gekommen ist, muss irgendetwas vorgefallen sein. Ich hätte diesen Schritt jedenfalls nicht gemacht.

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Sie glauben also, dass es einen auslösenden Moment gab?

Ich glaube nicht, dass das Ausscheiden in Barcelona oder das 1:5 in Bremen letztlich der Auslöser war. Aber vielleicht hat man das zum Anlass genommen, um zu sagen, jetzt gehen wir getrennte Wege.

Hat die öffentliche Demontage des Trainers der Mannschaft geschadet?

Ich verfolge das jetzt schon seit einiger Zeit, seit es die Kritik an Mirko Slomka aufgekommen. Und man konnte schon an der Reaktion der Spieler in Interviews sehen, dass sie mit ihrem Trainer gelitten haben. Ich glaube, dass die Spieler Mirko Slomka als Trainer gerne behalten hätten. Aber man kennt natürlich auch das Geschäft. Und ein Verein trennt sich lieber von einem Trainer als von acht, neun Spielern.

Wäre das unter dem Manager Rudi Assauer auch passiert?

Ich weiß es nicht. Andreas Müller hat jetzt die Verantwortung auf dieser Position, und er hat seine Sache bisher sehr gut gemacht.

Was halten Sie von Josef Schnusenberg?

Ich habe ihn als sehr positiven Menschen kennen gelernt. Ich hatte nie Probleme mit ihm, er hat immer einen sehr sympathischen Eindruck auf mich gemacht. Außerdem ist er Schalker durch und durch. Ich kann nichts Negatives über ihn sagen.

Die öffentliche Kritik an Slomka war also richtig?

Leute wie er, die eine gewisse Funktion haben, müssen natürlich auch eine Meinung vertreten. Ob er diese Meinung über die Medien transportieren will, muss er selber wissen. Fakt ist, dass sich ein Spieler eine solche öffentliche Kritik nicht hätte erlauben können.

Was halten Sie von dem Duo Büskens/Mulder?


Dass den beiden das Vertrauen ausgesprochen wurde, hat mich nicht gewundert. Beide sind Schalker Ikonen, die auf dem Spielfeld immer vorbildlichen Einsatz gezeigt haben. Wenn man solchen Leuten, die das Umfeld und die Leute kennen, die Chance gibt, sich zu beweisen, ist das die richtige Entscheidung. Und ich sage ihnen, die beiden werden es durch ihre Art, mit einer Mannschaft und einzelnen Spielern umzugehen, schaffen, die Schalker Ziele zu erreichen.

Verkommt Schalke langsam zu einem »Karnevalsverein« wie es dem 1. FC Köln nachgesagt wird?

(lacht) Als Betrachter von außen muss einem das Theater natürlich auf den Senkel gehen. Aber wenn es zu ruhig ist, fragt sich jeder: Was ist denn da los? Wenn sich keiner zu Wort meldet, ist das doch auch langweilig. Es gibt doch überall Konfrontationen und Probleme, die dann auch angesprochen und geklärt werden müssen.

Bei Schalke gelangt vieles an die Öffentlichkeit, statt intern behandelt zu werden.

Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen in dieser Hinsicht mal Gedanken machen, damit so was in Zukunft nicht mehr passiert und die Dinge in den eigenen vier Wänden behandelt werden.

Was muss auf Schalke in Zukunft anders laufen?

Ich nehme als Beispiel mal Bayern München: da wird Wert darauf gelegt, dass man für den Verein lebt. Und wenn du als Spieler dort Millionen verdienst, wollen die Verantwortlichen konstant gute Leistungen sehen. Also geht es auch um die Qualität eines Spielers. Man muss sich im Klaren darüber sein, welchen Spieler man holt. Schalke muss in Zukunft versuchen, Spieler zu verpflichten, die für Schalke alles geben und in der Lage sind, konstant Leistung zu bringen.

Wer könnte den Verein auf den entscheidenden Positionen wieder auf die richtige Bahn bringen?

Diese Frage kann ich nicht beantworten. Ich bin nicht derjenige, der über die Köpfe anderer Leute spricht. Da sind die Verantwortlichen von Schalke 04 gefragt.

Ist die Mannschaft überhaupt in der Lage, besseren Fußball zu spielen?

Die Mannschaft hat in dieser Saison und in den letzten zwei, drei Jahren bewiesen, dass sie mit der Spitze der Bundesliga mithalten kann. Ich frage mich, warum kann man da nicht anknüpfen? Die Qualität ist in der Mannschaft eindeutig vorhanden. Da muss man dann auch mal die Mannschaft an den Pranger stellen, und sagen: Passt auf, so geht es nicht, wir haben Ziele, und dementsprechend wird jetzt auch gearbeitet.

Wer wird denn nächste Saison Trainer auf Schalke sein?

Ich würde Dick Advocaat holen. Der ist kompetent, hat eine klare Linie und ist vergleichbar mit Huub Stevens. Er würde fachlich gut nach Schalke passen.

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