Thorsten Legat im Interview

»Vielleicht würfeln die ja!«

Der Blick in die Zeitung ist für einen Fußballer ein Nervenspiel: Haben die Redakteure ihn für seine Leistung mit einer 4 davon kommen lassen? Oder muss er die 6 schlucken? Klassen-Rowdy Thorsten Legat fordert: Schafft die Kopfnoten ab! Thorsten Legat im InterviewImago
Heft #77 04 / 2008
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Herr Legat, wie lange hat es gedauert, bis Sie sich nach einem Spiel Ihre Note in der »Bild am Sonntag« oder im »Kicker« angeschaut haben?

Ganz ehrlich: Ich habe immer versucht, das zu vermeiden. Das verwirrt einen Spieler doch nur. Ob das jetzt der »kicker« ist oder die »Bild« oder »Reviersport« hier im Pott – ich weiß nicht, was die Redakteure sich bei diesen Noten denken! Vielleicht würfeln die ja! Ich habe mich lieber darauf berufen, wie der Trainer mich beurteilt hat.

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Lassen sich Trainer denn nicht auch von diesen Noten leiten?

Der Trainer ist der Trainer. Der braucht nicht auf die Noten zu gucken, um Potenziale zu erkennen.

Trotzdem spielen die Noten eine gewichtige Rolle für das Image und sogar den Marktwert eines Spielers.

Die Fans verfolgen das natürlich, und viele lassen sich auch davon leiten. So kann es sein, dass du in den Augen eines echten Experten und auch vom eigenen Gefühl her ganz gut gespielt hast – aber du wirst trotzdem beim nächsten Spiel ausgebuht, weil du aus irgendwelchen Gründen am letzten Wochenende eine Sechs reingewürgt bekommen hast.

Die Redakteure, die die Noten vergeben, sind also keine echten Experten.


Ich war immer so ein Spezi, auf den sie besonders geschaut hat: Was macht er heute? Manchem war ich sympathisch, manchem eher nicht. Insofern kann ich mir schon vorstellen, dass die Jungs da in ihren Schreibstuben nicht immer ganz objektiv sind.

Dieter Schatzschneider erzählte uns, dass ihm in seiner Hamburger Zeit vom zuständigen »Bild«-Redakteur gesteckt wurde: »Dieter, wenn du aufläufst, kriegst du eine Sechs!«

Das ist ein Skandal! Das erschüttert mich. Wenn mir das passiert wäre, dann... (überlegt)... hätte ich meinen Anwalt eingeschaltet!

Müsste das Notensystem im Sinne einer objektiven Berichterstattung abgeschafft werden?

Da stimme ich voll und ganz zu. In meinen Augen ist es irregulär, was da passiert.

Trotz aller Abscheu: Welche Note würden Sie sich für Ihre gesamte Karriere geben?


Na gut, ich war kein Filigrantechniker, ich war ein Kämpfer. Ich gebe mir eine gute Drei – Klassenziel erreicht!

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Im neuen 11FREUNDE-Heft (ab heute im Handel) erzählt Philipp Köster  die Geschichte der Notengebung.


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