23.01.2008

Thorsten Legat im Interview

„Ich backe kleine Brötchen“

Als Spieler strotzte Thorsten Legat vor Kraft. Doch nach seiner aktiven Zeit stellte sich ihm die Frage: Wohin mit all der archaischen Power? Legat fand kein Ventil. Nun tastet er sich an den Trainerberuf heran – und muss sich in Demut üben.

Interview: Bastian Henrichs Bild: Imago
Herr Legat, kürzlich waren sie als Trainer beim Verbandsligisten SV Vorwärts Kornhapen im Gespräch.

Das ist richtig, ja.

Warum hat es nicht geklappt?

Ich hätte es gerne gemacht, wenn es zustande gekommen wäre. Seit Sommer letzten Jahres hab ich mir die Mannschaft angeguckt, und Frank Weber (Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) hat immer wieder zu mir gesagt: „Nächste Woche bist du Trainer.“ Das hab ich jetzt ein halbes Jahr mitgemacht, und jetzt, wo es akut werden sollte, hat man mir gesagt, wir haben zu wenig Geld, wir müssen eine Notlösung finden. Jetzt ist halt Hans Bruch Trainer, der vorher Co-Trainer war. Ich bedaure das sehr, denn in der Mannschaft steckt viel Potenzial. Ich denke, die Aufgabe wäre für mich lösbar gewesen, mit meiner Kompetenz hätte man das geschafft.



Hätten sie es nicht auch für weniger Geld machen wollen?

Das ist keine Frage. Ich kenne Frank Weber schon über Jahre. Ich hab schon selber mit der A-Jugend 1985 oder 1986 dort gespielt. Ich kenne diesen Platz und das Umfeld. Deswegen hätte ich es auch für weniger getan, aber es wurde nicht mehr mit mir verhandelt.

Verlieren Sie langsam die Hoffnung, dass es mit der Trainerkarriere noch klappt?

Es ist eben nicht alles so einfach im Leben. Ich muss kleine Brötchen backen. Aber ich habe viele Erfahrungswerte, zwar noch nicht genügend, aber ich kann sie noch aufpushen, wenn ich dieses Jahr im Sommer noch was kriegen sollte. Die Hauptsache ist doch, mal wieder ein bisschen im Blickpunkt zu stehen, damit man weiß: Da ist noch jemand.

Gibt es denn Interesse von Vereinen? Stehen sie in Kontakt mit irgendwem?

Also, ich hab momentan zwei Anfragen, wo eventuell im Sommer was passieren könnte. Ich möchte da aber jetzt nichts mehr hinzufügen.

Sie haben vor knapp fünf Jahren ihre A-Lizenz erworben. Woran liegt es, dass sie keinen Trainerjob bekommen?

Ich hab ja als Trainer gearbeitet. Unter anderem zweieinhalb Jahre in Bremen, wo ich vor Ort die ganzen Lizenzscheine gemacht habe. Ich bin da involviert worden, ich war U15-Co-Trainer, ich hab mit Dieter Eilts die U19 als Co-Trainer trainiert und dann habe ich ein dreiviertel Jahr mit Thomas Wolter (Amateurtrainer) zusammen gearbeitet.

Aber da waren sie eher in der Trainerlehre, als dass sie hauptverantwortlich Trainer waren.

Ja, aber mal ganz ehrlich: Welcher Trainer nimmt das nicht in Kauf? Wenn man in einem renommierten Klub arbeitet, wo alles auf höchstem Niveau passiert, lässt man sich doch gerne was beibringen. Ich bin der Meinung, wenn du da vor Ort warst, qualifiziert dich das dazu, Verbandsliga oder Amateur-Oberliga zu trainieren. Oder sogar höher. Selbst wenn jemand eine Fußballlehrer-Lizenz hat und höher qualifiziert ist, heißt das noch nichts.

Ist ihr Image ein Handicap?


Nein, überhaupt gar nicht. Das ist alles Larifari. Ich habe mir jetzt nichts zu schulden kommen lassen, und ich habe immer das Optimum aus meiner Mannschaft und aus jedem einzelnen Spieler rausgeholt. Da lass’ ich mir auch nichts nachsagen. Ich möchte alles, was in der Vergangenheit war, jetzt mal ruhen lassen. Irgendwann muss mal Feierabend sein. Ich blicke jetzt in die Zukunft, und alles andere ist für mich indiskutabel. Ich habe einige Fehler gemacht, gut, aber das ändert jetzt nichts mehr. Wenn man das alles noch mal aufwäscht, dann muss ich mir doch eine Frage stellen: Ist denn jeder rein, der heute Trainer ist? Irgendwann wird die Sonne auch wieder für mich scheinen. Dann kann ich zeigen, was ich drauf habe und welche Qualitäten ich besitze.

Denken sie oft darüber nach, wie sie einen Trainerjob angehen würden? Schließlich hat sich der Fußball seit ihrer aktiven Zeit sehr verändert.

Wissen sie, meine ganzen Kompetenzen, die ich erworben habe in der Zeit als Bundesligaspieler, in den Lehrgängen und den Seminaren beim DFB und in einem renommierten Klub wie Werder Bremen, all das zeigt doch, dass ich auf dem Laufenden bin. Ich weiß immer, was neu auf dem Markt ist. Ich sitze wie auf einem Pulverfass. Ich warte nur auf den Moment, in dem ein Verein anruft, und dann bin ich da. Wenn das passiert, dann versetze ich mich in die Lage des Vereins, und dann kann man darüber nachdenken, wie man das angeht. Das ist ja immer unterschiedlich.

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