Thomas Wolter über Werder-Milan

»Gegen die beste Elf der Welt«

Heute steht das Uefa-Cup Spiel Werder gegen Milan an. Wir sprachen vor dem Spiel mit Thomas Wolter, der bei beiden bisherigen Aufeinandertreffen, in den Saisons 1988/89 und 1993/94 dabei war. Thomas Wolter über Werder-MilanImago

Thomas Wolter, freuen Sie sich auf das Spiel?

Natürlich. Mir wäre es aber lieber, wenn das Spiel in der Champions League stattfinden würde. »Werder Bremen gegen AC Mailand« hört sich nach Champions League an. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Mannschaft bestärkt aus diesem Spiel hervor gehen wird.

Rechnen Sie also mit einem Befreiungsschlag?

Auf jeden Fall. Es beflügelt eine Mannschaft immer, wenn sie Spiele gewinnt, in denen sie nicht der Favorit ist.

Was für ein Spiel erwarten Sie?

Ich stelle fest, dass beide Mannschaften im Augenblick nicht richtig wissen, wo sie stehen. Beide hatten zuletzt Probleme.

Mailand ist immerhin dritter in der Serie A.

Natürlich. Wenn unsere Mannschaft aber die Leidenschaft aus der Schlussphase des Gladbach Spiels mitnehmen kann, denke ich, dass sie es schaffen wird, ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Zweimal traf Werder bisher auf den AC Mailand. Die Begegnungen verliefen sehr knapp...

...leider knapp gegen uns. Deswegen wäre es umso schöner, wenn das dritte Aufeinandertreffen zu unseren Gunsten verliefe.

Beide Duelle bestritten Sie gegen den späteren Europapokalsieger. Mannschaften wie Real Madrid oder Barcelona fertigte Mailand mit 4:0 oder 5:0 ab.

Für den Zusatz »achtbar aus der Affäre gezogen« kann man sich bekanntlich nichts kaufen. Ich wollte damals gewinnen.

Sind Sie mit dieser Einstellung damals ins Spiel gegangen?

Uns war klar, dass wir gegen die beste Mannschaft der Welt spielen werden. In der Saison 1988/89 war Arrigo Sacchi noch nicht lange in Mailand und hatte einen neuen Stil eingeführt, der später eine ganze Ära prägte. Dass es so knapp verlaufen würde, hatten wir nicht erwartet. Es gab im Rückspiel zwar einen fragwürdigen Elfmeter gegen uns, wir hätten aber auch gut und gerne höher verlieren können. Milan hat uns gegen die Wand gespielt. Zuhause haben wir sehr gut ausgesehen, wir hätten auch gewinnen können. Das haben wir leider nicht geschafft und das war entscheidend. Morgen wird es auch entscheidend sein, ob unsere Mannschaft ein gutes Ergebnis nach Mailand mitnehmen kann, um dort zu bestehen.

Es überwog also die Enttäuschung, gegenüber der Ehrfurcht vor dem Gegner?

Wir haben das realistisch eingeschätzt. Milan war stärker als wir und das haben alle anerkannt. Wir waren trotz allem stolz darauf, dass wir uns so achtbar aus der Affäre gezogen haben.

Sie persönlich pflegten ein sehr laufintensives Spiel. Wie beurteilen Sie Ihre Leistung aus den Spielen gegen Mailand?

Ich habe gegen Paolo Maldini gespielt, der war nicht so schlecht. Ich kann mich nicht beschweren. Wir hatten 1988/89 in 180 Minuten nur zwei Torchancen, die wir hätten nutzen müssen. Die Mailänder waren aber defensiv sehr gut organisiert.

Was läuft aktuell schief bei Werder?

Es steht mir nicht zu nach Ursachen zu suchen. In Bremen sollte man die Kirche im Dorf lassen. Was wir in den letzten Jahren erreicht haben, ist unglaublich. Wir haben fünf Jahre hintereinander in der Champions League gespielt. Außerdem sind wir, obwohl es diese Saison nicht gut läuft, immer noch in drei Wettbewerben dabei. Wir jammern also auf hohem Niveau.

Sie sind schon seit Jahren Nachwuchstrainer in Bremen. Ist dieser Job Ihre Herzensangelegenheit?

Sehr viele Leute wären froh, wenn sie meinen Job machen dürften. Wir haben hier viel erreicht in den letzten Jahren und ich habe einen Vertrag bis 2010. Fest steht: Das Ende der Fahnenstange ist für mich noch nicht erreicht. Ich war aber schon immer ein Mensch, der die Dinge auf sich zukommen lässt. Ob ich noch lange in Bremen bleibe, steht noch in den Sternen.

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