Thomas Schaaf im Interview

»Da haben Sie ihre Marke«

Thomas Schaaf steht vor einer schweren Aufgabe. Bei Eintracht Frankfurt muss er beweisen, dass er nicht nur in Bremen funktionieren kann. Für unser Bundesliga-Sonderheft trafen wir ihn zum großen Interview.

Vanja Vucovic
Heft: #
153

Thomas Schaaf, Sie sind nach einem Jahr Pause zurück im Geschäft. 
Welchen Luxus haben Sie sich in Ihrer Auszeit gegönnt?
Ich habe mir einen Hund gekauft.

Aha. Haben Sie ihn wenigstens nach einem Ihrer Ex-Spieler benannt?
Nein.

Sehr exotische Dinge scheinen Sie also nicht getan zu haben während Ihrer Abwesenheit.
Das stimmt. Weil ich das auch gar nicht wollte.

Was wollten Sie denn?
Zeit haben. 
Für mich selbst, für meine Familie und für meine Freunde.

Ist Ihnen das gelungen?
Vielleicht sogar mehr, als das den Beteiligten lieb war. Am ersten Morgen nach dem Ende bei Werder saß ich wie gewöhnlich mit meiner Frau am Frühstückstisch. Doch diesmal bin ich einfach den ganzen 
Tag zu Hause geblieben. Meine Frau 
war merklich irritiert.

Thomas Schaaf, der »Papa ante Portas« der Bundesliga?
Ganz so schlimm war es nicht. Aber die Situation hatte sich gedreht, jetzt war ich verfügbar, und meine Freunde hatten nicht jeden Termin frei. Früher brauchten meine Freunde viel Geduld, um sich mal wieder mit mir zum Essen zu verabreden. Nun war ich derjenige, der zu hören bekam: »Sorry, Thomas, aber da muss ich arbeiten.« 
Ein neues Gefühl.

Wann waren Sie das erste Mal wieder auf dem Bremer Trainingsplatz? 

Nie wieder. Fußball habe ich in den ersten Monaten eh ganz bewusst ausgeklammert.

Wie geht das, wenn man sein gesamtes Leben dieser Sportart gewidmet hat?
Die Situation war günstig: Die Saison 
war beendet, es fand kein Bundesligaspiel mehr statt – das Wort „Sommerpause“ bekam für mich eine ganz neue Bedeutung.

Haben Sie Ihre Auszeit genossen?
Es war definitiv die richtige Entscheidung.



Wann haben Sie die eigentlich getroffen?
Kurz nachdem ich meine Tätigkeit bei Werder Bremen beendet hatte. Ich dachte mir: Wenn du einmal die Chance hast, dir eine längere Pause zu gönnen, dann ist sie jetzt gekommen!

Wie sind Sie und Werder denn nun letztlich auseinandergegangen?
Ich habe mich in mein Auto gesetzt und 
bin nach Hause gefahren. So trennt man sich für gewöhnlich. (Grinst.)

Sie wollen nicht darüber reden?
Das Thema ist für mich längst abgehakt.

Und auf der Heimfahrt wurde Ihnen klar: Ich brauche mal eine Auszeit?
Darüber habe ich nachgedacht, ja. Und mich schließlich dafür entschieden. 
Die ersten Angebote von anderen Klubs kamen bereits in den Tagen danach, 
an Alternativen hat es also nicht gemangelt. Aber ich brauchte das einfach.

Wann haben Sie sich wieder mit Fußball beschäftigt?
Irgendwann habe 
ich wieder begonnen, Spiele im Fernsehen zu schauen, und im Frühjahr war
ich auch wieder im Stadion, um für die UEFA Spiele auszuwerten.

Und wie war das so an Ihrem alten Arbeitsplatz?
Wer einmal das Glück hatte und ein Stadion aus der Sicht eines Trainers oder Spielers genießen durfte, der möchte das immer wieder erleben. So ging es mir auch. Ich war vielleicht noch nicht reif für eine Rückkehr, aber mir war klar: Dahin willst du wieder zurück, willst die Emotionen spüren, die während der 90 Minuten zwischen Sieg und Niederlage durch deinen Kopf rauschen.

Wann kam die erste Anfrage von Eintracht Frankfurt?
Bereits im Frühjahr 2014 gab es einen kurzen Kontakt. Aber da war ich noch nicht so weit. Als man beim nächsten Mal mit mir Kontakt aufnahm, war ich bereit und habe mich auch ziemlich schnell dafür entschieden: Ja, du machst es.

Wie haben Heribert Bruchhagen und Bruno Hübner Sie nach Frankfurt gelockt?
Man muss mich nicht locken. Ich wusste ja, welche Arbeitsbedingungen ich bei der Eintracht vorfinden würde, welches Umfeld sich dort bietet. Das In-teresse war also vorhanden. In den 
Gesprächen ging es eher darum, was beide Seiten voneinander erwarten.

Was erwarten Sie von Eintracht Frankfurt?
Dass ich meine Art zu arbeiten umsetzen kann. Dieses Fundament ist dank der Arbeit der Verantwortlichen vorhanden.

Was erwartet die Eintracht von Ihnen?
Dass ich mich mit dem Verein identifiziere. Dass ich die Mannschaft auf eine Art und Weise Fußball spielen lasse, mit der sich wiederum die Fans identifizieren können. Dass ich Erfolg habe. Damit konnte ich mich gut arrangieren.

Erfolgreiche Trainer werden längst als Marke wahrgenommen. Es gibt die Marke Guardiola, die Marke Klopp – existiert die Marke Schaaf ebenfalls?
Klar.

Und wie sieht die aus?
Es gibt nur 
einen Thomas Schaaf. Der denkt und trainiert und handelt ganz einzigartig. Da haben Sie ihre Marke.

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Das komplette Interview mit Thomas Schaaf lest ihr im 11FREUNDE-Bundesliga-Sonderheft!

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