23.09.2006

Thomas Kurth im Interview

"Die FIFA krallt sich fest"

Thomas Kurth, Geschäftsführer der G14, über die Sturheit der Weltverbände, die Stringenz von Uli Hoeneß und die verbale Rivalität zwischen Real Madrid und Barcelona, in der ihm auch sein katalanisch und spanisch nicht helfen.

Interview: Tim Jürgens und Erik Eggers Bild: Imago
Kommen Sie mit der UEFA besser zurecht?

Die UEFA hat mehr Berührungspunkte mit den Klubs, aber sie setzt oft auch nur das um, was die FIFA ihr vorgibt. Dass sie etwa die EM-Qualifikationsrunde ohne Rücksprache mit den Klubs von 200 auf über 300 Spiele aufgestockt hat, ist ein Affront.

Dabei gehört die Harmonisierung des Spielplankalenders zu den Teilerfolgen der G14?

Es ist besser geworden Ganz am Beginn gab es einige Fortschritte, aber es ist noch lange nicht, wie es sein sollte. Die FIFA hat zwei Dinge gelockert: Sie hat die Abstellungsfrist bei Qualifikationsspielen von fünf auf vier Tage reduziert und es wurde verfügt, dass südamerikanischen Spieler nur noch dann für Freundschaftsspiele abgestellt werden müssen, wenn die Spiele in Europa stattfinden.

Wäre es ein Vorteil, wenn Michel Platini oder Franz Beckenbauer in der UEFA oder FIFA das Sagen hätten?

Alle, die den Klubfußball samt seiner Verantwortung und seinen Problemen kennen, wären für uns von Vorteil.

Sie haben früher bei der UEFA gearbeitet. Wie kann ihnen diese Erfahrung helfen?

Es ist ein Vorteil, weil ich die Strukturen kenne. Und es ist ein Nachteil, weil ich irgendwann die Fronten gewechselt habe. (lacht)

Ist das UEFA Klubforum, in dem 111 europäische Vereine Mitglied sind, nicht wesentlich repräsentativer als die G14 ?

In diesem Forum wird zwar viel geredet, aber nichts beschlossen. Die UEFA bestimmt alleine die Tagesordnung. Da pro Landesverband mindestens ein Verein dabei sein muss, gibt es dort auch Vertreter von Klubs der Faröer Inseln und Lichtensteins. Da geht sehr viel Energie verloren, denn die Vereine haben sehr verschiedenartige Interessen.

Wann wird die G14 um weitere Klubs erweitert werden?

Um neue Vereine aufzunehmen, bedarf es eines einstimmigen Beschluss. Den zu erreichen, ist schwer. Wir haben 2003 erklärt, dass wir uns zunächst konsolidieren wollen, ehe wir uns neuen Klubs öffnen. Es gibt rund zehn Kandidaten, die ganz gute Argumente für einen Beitritt haben. Langfristig müssen mehr Vereine in die G14, damit wir eines unserer Ziele erreichen: eine repräsentative Arbeitgeberorganisation zu werden.

Wann wird ein Verein aus der G14 ausgeschlossen?

Die Statuten der G14 sehen vor, dass ein Klub, der absteigt und nicht umgehend wieder aufsteigt, der dreimal in Folge nicht an den europäischen Wettbewerben teilnimmt oder den Ruf der Gruppe schädigt, suspendiert werden kann. Diese Entscheidung bedarf einer Dreiviertelsmehrheit der G14-Mitglieder und ist bislang noch nicht vorgekommen.

Wie wird mit den italienischen Klubs in der G14 verfahren, die in den Skandal verwickelt sind? Sie schaden nachweislich dem Ruf der Kluborganisation.

Grundsätzlich gilt: Missstände müssen bereinigt werden und einige Klubvertreter finden diese Entwicklung sehr besorgniserregend. Ich bin sicher, dass bei unserer nächsten Sitzung am 7. September darüber beraten wird, wie mit dieser Angelegenheit verfahren werden soll.

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