26.11.2006

Thomas Hitzlsperger im Interview

„Wir wollen nicht tief stapeln“

Nach einem flauen ersten Jahr ist Thomas Hitzlsperger in der Bundesliga angekommen. Den Wechsel aus der Premier Legaue nach Deutschland hat er jedoch nie bereut. Nun trägt er großen Anteil am Stuttgarter Aufschwung.

Interview: Robert Mucha Bild: Imago
Trotz der Niederlage gegen die Bayern ist Stuttgart das Überraschungsteam in der Liga. Sie sind am Aufschwung nicht ganz unbeteiligt und scheinen nach über einem Jahr in der Bundesliga angekommen zu sein. Wieso hat es so lange gedauert?

Letztes Jahr war von Anfang bis zum Ende nicht sehr einfach. Ich wurde von Matthias Sammer verpflichtet, der dann nicht mehr Trainer war, als ich kam. Von Trappatoni hatte ich mir viel erwartet, aber es passte einfach nicht. Dazu gab es permanente Unruhe im Verein, so dass ich als neuer Spieler keine optimalen Bedingungen für meine Integration vorgefunden hatte. Sicher habe ich letzte Saison auch deshalb keine Topleistungen geliefert. In dieser Saison ist vieles im Verein klarer, was es mir einfacher macht, gute Leistungen zu bringen.

Wann haben Sie gemerkt, dass es für Sie besser und konstanter laufen wird?

Ich hatte ja durchaus auch einen schwierigen Start in diese Saison und musste zunächst mit negativen Erlebnissen umgehen. Ich sprach dann mit vertrauten Leuten, um einen Weg aus dieser Talsohle zu finden. Ich wollte die Geduld nicht verlieren und auf meine Chance warten und diese nutzen, was mir zum Glück gelang.



Armin Veh verbannte Sie zunächst für ein paar Spiele auf die Bank. Eine besondere Motivation?

Nein. Ich habe auch als Stammkraft immer genug Eigenmotivation, um mich ständig verbessern zu wollen. Trotzdem weiß ich, dass ich hart arbeiten muss, um meine momentane Leistung zu konservieren und auszubauen. Ich denke, dass ich gerade die Früchte, die ich gesät habe, ernte. Denn auch in schwierigen Monaten habe ich versucht, meine Schwächen auszumerzen. Unserem Trainer ist auch bewusst, dass wir eine junge Mannschaft sind, weshalb er uns Fehler zugesteht. Wir müssen nur daraus lernen, das ist entscheidend für Armin Veh.

Die Stuttgarter Mannschaft ist jung und unerfahren. Obwohl Sie erst seit ein paar Wochen Stammspieler sind, zählen Sie zu den erfahrenen Spielern. Hat Armin Veh von ihnen gefordert mehr Verantwortung zu übernehmen?

Armin Veh hat von mir diesbezüglich nichts explizit verlangt. Ich habe selbst den Anspruch, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Gerade in jungen Mannschaften ist es notwendig, dass die älteren und erfahrenen Spieler die jüngeren anleiten. Aber ich bin auch noch nicht am Ende meiner Entwicklung und halte mich auch an erfahrene Spieler in unserer Mannschaft, um zu lernen.

Gab es eine Zeit, in der Sie den Wechsel in die Bundesliga bereut haben? Schließlich waren Sie Stammspieler in der Premier League, die als stärker gilt als die Bundesliga.

Den Transfer habe ich nie bereut. Bevor ich mich für den Wechsel nach Stuttgart entschieden habe, überlegte ich mir das sehr lange und gründlich. Nachdem ich unterschrieben hatte, gab es für mich auch keine Zweifel mehr, ob ich vielleicht die falsche Entscheidung getroffen habe – auch in Zeiten, in denen es nicht so gut für mich lief, war ich von meiner Entscheidung für Stuttgart überzeugt. Die letzte Saison war sportlich sicherlich ein schlechtes Jahr aber ich habe dennoch viel gelernt.

Respektiert man die Stammkraft Hitzlsperger innerhalb der Mannschaft mehr als den Ergänzungsspieler?

Ich maße mir nicht an, das zu kommentieren. Dazu können sich der Trainer oder die anderen Spieler äußern. Es hilft mir natürlich, wenn ich durch meine Leistungen zum Erfolg beitrage. Ob meine Mitspieler mich deshalb anders Wahrnehmen als zuvor, weiß ich nicht.

Welche Ziele haben Sie sich persönlich für diese Saison gesteckt?

Ich hatte meine Ziele ganz neu formuliert, nachdem der Start in die Saison holprig verlaufen ist. Ich wusste auch nicht genau, auf welcher Position ich spielen werde. Der Trainer hatte mich zuerst auf den Posten des linken Verteidigers gestellt. Ich erklärte ihm daraufhin, dass ich nicht glaube, dass ich dem Verein auf dieser Position weiter bringen kann und umgekehrt. Ich wollte wieder im Mittelfeld spielen. Ich denke inzwischen kurzfristig, im Moment nicht weiter als bis zur Winterpause. Bis dahin will ich meine Leistung konservieren und zum Erfolg beitragen. In der Winterpause setze ich mir dann neue Ziele.

Wurden die Saisonziele des Vereins inzwischen korrigiert?

Wir haben intern darüber gesprochen, doch wir möchten unsere Ziele nicht öffentlich formulieren. Wir wollen aber auch nicht zu tief stapeln. Jeder Spieler in unserem Kader hat sich persönliche Ziele gesteckt und wir als Mannschaft haben auch ein gemeinsames Ziel festgelegt. Welches, bleibt unser Geheimnis.

Hat die Mannschaft in der schwierigen Anfangsphase der Saison, als der VfB auf einem Abstiegsplatz stand, Trainer Veh zugetraut, dass er diese schwere Situation meistern kann?

Die Spekulationen über Armin Veh fanden natürlich hauptsächlich in den Medien statt. Als Spieler oder Mannschaft macht man sich wenig Gedanken darüber, welche Auswirkungen unsere Leistungen auf bestimmte Faktoren haben. Jeder Spieler muss persönlich herausfinden, wie er dahin kommt, Topleistung zu bringen. Dann regelt sich das mit dem Trainer ganz alleine.

In dieser Saison spielt die Liga verrückt. Jeder kann jeden schlagen, Tabellenführer wechseln im Wochentakt. Kann es für den VfB genau so schnell wieder in die Niederungen der Liga gehen, wie es in den letzten Wochen bergauf?

Theoretisch ist es möglich, wieder unten reinzurutschen. Aber ich denke, dass wir bis zur Winterpause in der oberen Tabellenregion bleiben. Dann müssen wir die Vorbereitung nutzen, um so stark aus der Winterpause zu kommen, dass wir dort oben bleiben. Ich denke auch nicht, ohne arrogant klingen zu wollen, dass wir nochmals in Regionen rutschen, die Abstiegsängste rechtfertigen würden. Unsere Halbserie war dafür einfach zu stark.

Momentan spricht man in Stuttgart hauptsächlich über Mario Gomez. Welcher ihrer Mitspieler hat ein ähnliches Medieninteresse verdient?

Es wäre unfair den Spielern gegenüber, die ich jetzt nicht nennen würde, da unser gesamtes Team bis jetzt eine gute Runde gespielt hat und sich jeder Spieler auch weiterentwickelt hat. Mario fällt auf, da er seine Tore macht. Und wie wir wissen, stehen beim Fußball die Torschützen im Fokus der Medien. Aber um das klar zu stellen: Mario hat sich die Aufmerksamkeit, die ihm im Augenblick zu Teil wird, redlich verdient.

Zum Schluss ein völlig anderes Thema: Armin Veh war in den letzten Wochen sehr erfolgreich, seinem Aussehen war das allerdings wenig zuträglich, da er sich die Haare bis zur Niederlage in München nicht schneiden ließ. Hat er inzwischen wieder einen akkuraten Kurzhaarschnitt?

Ja, er hat Wort gehalten und sich seine Mähne abschneiden lassen.

Und steht ihm die Frisur?

Dazu müssen Sie seine Frau befragen. Sie hat ihn sich schließlich ausgesucht und muss mit seiner neuen Frisur klarkommen. Ich habe meine Trainer noch nie nach deren Aussehen beurteilt.

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