Thomas Häßler über Wales

»Nicht die schon wieder!«

Erst Wales schlagen und dann Weltmeister werden! Thomas Häßler schoss am 15.11.1989 im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales das entscheidende Tor zum 2:1 – das Ticket für die WM in Italien. Hier erinnert er sich. Thomas Häßler über WalesImago

Herr Häßler, welche Bedeutung hat das Tor gegen Wales für Sie?

Es war sicher das wichtigste Tor, das ich je im Deutschen Nationaltrikot geschossen habe. Und so ein Tor vergesse ich natürlich nie!

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Welche Erinnerungen haben Sie an das Match vor knapp 19 Jahren?

Die Waliser waren an dem kalten Abend fast gleichwertig. Die standen sehr kompakt hinten drin und warteten nur darauf, ihre Konter zu fahren. Bei meinem Tor in der 48. Minute zum 2:1 tankte sich auf der linken Seite erst Pierre Littbarski gegen einen dieser walisischen Riesen durch und flankte dann herein. Der Ball wird zunächst rausgeköpft. Aus dem Bauchgefühl heraus setzte ich mich Sekunden zuvor ein wenig vom Tor ab. Dann kommt der Ball genau auf meinem linken Fuß. Ich nehme ihn direkt aus der Luft und habe das Ding volley rein geschossen.

Und das in Ihrem eigenen Stadion!

Natürlich war die Freude deshalb doppelt so groß. Ein entscheidendes Tor gemacht und das im Müngersdorfer Stadion von Köln.

Und ein Tor, das Sie dann acht Monate später zum Weltmeister machte.

Ein Tor, das mich in die Startelf gegen Argentinien im WM-Finale von Rom brachte. Wir hatten ja damals ein hervorragendes Mittelfeld. Die Frage war immer, wer spielt. Olaf Thon, Uwe Bein oder ich? Franz Beckenbauer hat mich im Endspiel doch nur aufgestellt, weil ich das Tor gegen Wales geschossen habe. Es war eine Art Dankeschön.  

Wie oft haben Sie eigentlich gegen Wales gespielt?

Mindestens vier, fünf mal würde ich spontan behaupten. Wir hatten den Eindruck, dass wir immer erst gegen Wales spielen mussten, wenn es darum ging, uns für ein großes Turnier zu qualifizieren.

War Wales ein Gegner auf dem man sich freute oder einer, vor dem man Angst hatte?

Gefreut haben wir uns nicht, wenn es gegen Wales ging. »Oh Gott, nicht die schon wieder«, haben wir immer nach den Auslosungen gestöhnt. Wales ist ja ein sehr, sehr unangenehmer Gegner. Die kicken körperbetont, äußerst defensiv und stecken nie auf. Wenn wir gegen Wales gespielt haben, dann mussten wir neunzig oder mehr Minuten bis an unsere Grenzen gehen. Nach den Matches gegen Wales standen wir immer auf Leerlauf, so anstrengend waren die.

Muss man Wales schlagen, um Weltmeister zu werden?


Ja, so kann man es fast behaupten. Für uns damals hat es jedenfalls gegolten. Und es wäre schön, wenn es für Joachim Löw und die Deutsche Nationalmannschaft wieder so ausgehen würde wie für uns damals im Jahr 1990.

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