04.06.2009

Thomas Cichon über Schmerzen

»Knochen bohrt in Knochen«

Mit Osnabrück stieg er ab, sein Fuß ist ein Trümmerfeld. Und doch will Haudegen Thomas Cichon weitermachen. Wir sprachen mit ihm über die Schinderei, Schmerzen beim Treppenlaufen – und den Einsatz von Schmerzmitteln.

Interview: Tim Jürgens Bild: Mareike Foecking
Thomas Cichon, Sie sind 32 Jahre alt und seit 14 Jahren Profi. Wie groß sind die Schmerzen, die ein Spieler in Ihrem Alter ertragen muss?

Das Schlimmste sind die Spätfolgen, nicht die Verletzungen selbst. Ich hatte schon mit 17 einen dreifachen Bänderriss im Sprunggelenk, dann vor gut zehn Jahren einen Meniskusschaden, in dessen Verlauf mir ein Teil davon entfernt wurde und auch mein Innenband war kaputt. Zweimal in meiner Karriere hatte ich einen Wadenbeinbruch. Das sind Verletzungen, die jeweils nach einem Monat behoben sind, aber deren Folgen man bis heute spürt.



Was heißt das konkret?

Wenn ich morgens aufstehe und die Treppen runtergehen will, fällt es mir mitunter schwer, und es ist auch sehr schmerzhaft, zwei Stufen auf einmal hinunterzugehen. Da komme ich mir manchmal vor wie ein Rentner: Fuß auf die Stufe, einen Schritt gehen, nächster Fuß drauf, die nächste Stufe.

Und am Wochenende laufen Sie für den VfL Osnabrück auf?

Kein Problem. Diese Schmerzen sind vor allem da, wenn man aufwacht und der Körper noch nicht so gut durchblutet ist. Wenn man dann die Treppe runtergehen will, dauert es seine Zeit, bis man das schmerzfrei durchführen kann.

Wie präparieren Sie sich unter solchen Umständen für den Tag?

Es gibt da kein besonderes Ritual. An manchen Tagen sind die Schmerzen extrem, es kommt aber auch immer darauf an, wie hart man in den Tagen vorher trainiert hat. Vor dem Training mache ich mich auf dem Fahrrad warm, eher als der Rest des Teams, damit ich in die Gänge komme und die Durchblutung da ist. So gehe ich einigermaßen schmerzfrei ins Training.

Schmerzen gehören beim Fußballer also zum Berufsrisiko?

Auf jeden Fall. Als Profifußballer hat man 15 Jahre, in denen man den Beruf ausüben kann. In dieser Zeit muss man so viel verdienen, wie andere in 30 Jahren oder länger. Dementsprechend höher ist der Verschleiß – wir müssen unseren Körper schinden. Aber das müssen auch andere in ihrem Beruf.

Wie viel Prophylaxe betreiben sie, um Verletzungen vorzubeugen?

Man kann einiges durch Muskelaufbau wettmachen, d.h. man muss im Kraftraum arbeiten, besonders was die Knie betrifft. Ansonsten sind die Möglichkeiten eher begrenzt.

Müssen Sie mitunter auch auf Schmerztabletten zurückgreifen?

Natürlich kann man als Spieler auf Voltaren oder ähnliches zurückgreifen, aber das will man nicht unbedingt, weil Medikamente letztlich auch an der Gesundheit nagen. Ich nehme sie nur im Notfall oder vor Spielen, damit ich im Wettkampf komplett beschwerdefrei bin. Ich kenne viele Spieler, die öfter mit Schmerztabletten spielen. Vor allem mit Voltaren, weil es entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt. Man spielt also, aber inwieweit ist man wirklich beschwerdefrei?

Voltaren hat wie alle Medikamente auch Nebenwirkungen. Wie wirkt es bei Ihnen?

Mit Voltaren läuft man öfters mal zur Toilette oder man hat Magenschmerzen. Aber solche Nebenwirkungen gehören zum Berufsrisiko eben dazu.

Inwiefern gehört Voltaren für Sie zum Berufsalltag?

Es gibt Kollegen, die vor Spielen die Dosis erhöhen, um beim Spiel weitgehend schmerzfrei zu sein. Drei Tabletten am Tag vor dem Match, zwei am Spieltag. Das ist in der Bundesliga gang und gäbe. Auf diese Weise ist ein Spieler dazu in der Lage, Operationen in die Sommerpause zu verschieben, um der Mannschaft in der Saison bei wichtigen Spielen zur Verfügung zu stehen.

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