21.07.2011

Thomas Broich über »Tom meets Zizou«

»Mozart war ein Missverständnis«

»Tom meets Zizou« ist das erste Langzeitportrait über einen  Profifußballer. Protagonist Thomas Broich galt einst als große Hoffnung des deutschen Fußballs. Die große Karriere blieb ihm versagt. Wir sprachen mit ihm zum Kinostart über die Gründe.

Interview: Karol Herrmann Bild: Mindjazz, Imago


Danach versuchten Sie es noch beim 1.FC Nürnberg. Sie sprachen davon, in dieser Zeit unter einer ausgewachsenen Fußball-Depression gelitten zu haben. Wie muss man sich das vorstellen?

Thomas Broich: Konkret war das die Horrorvorstellung, zum Training zu fahren. Auf dem Platz hatte ich Bleischuhe an, war hölzern und ungelenk. Das hat sich aber zum Glück auf den Fußballplatz beschränkt. Ich hatte außerhalb ein ganz angenehmes Leben.      

Was war die Ursache für Ihre Abneigung gegen den Fußball?

Thomas Broich: Das lag an meinem sportlichen Niedergang, der über die Jahre sehr stetig verlaufen ist. Ich habe einen Nackenschlag nach dem anderen erhalten. Anfangs konnte ich das noch gut abwehren, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass ich da immer tiefer reingerutscht bin. Ich bin dann nach Nürnberg gewechselt, weil ich ein gutes Verhältnis zum damaligen Trainer Michael Oenning hatte und dachte, er könne ein paar Schrauben an mir umstellen, damit ich wieder ein besserer und glücklicherer Fußballer werde. Da war der Zug aber schon lange abgefahren. Dann war mir bewusst, dass ich in der Bundesliga auf allen Ebenen gescheitert war. Eine fiese Erkenntnis.  

Wie viel Privatleben muss man bereit sein zu opfern, um in der Bundesliga konstant erfolgreich zu sein?

Thomas Broich: Einen beträchtlichen Teil. Man muss eine gewisse Konformität mitbringen und sollte viele Einstellungen und Gefühle besser für sich behalten. Das fand ich immer sehr schade. Die Bundesliga ist schon eine ziemlich krasse Zweckgemeinschaft.      

Sahen das Ihre Kollegen in der Kabine ähnlich?

Thomas Broich: Für viele meiner Mitspieler war das Abenteuer Bundesliga in erster Linie ein großer Spaß. Jeder geht mit dem Druck anders um. Das ist eine Persönlichkeitsfrage. Ich war immer eher der sensiblere Typ und von verwundbarer Natur.      

Welche Mechanismen der Bundesliga haben Sie am meisten gestört?

Thomas Broich: Die Medien wollen, dass man sehr viel über sich preisgibt und kein 08/15-Profi ist. Das habe ich mitgemacht und mich damit gleichzeitig zur Zielscheibe gemacht. Ein weiteres Problem sind die überambitionierten Ziele der Vereine. Außer zwei, drei Klubs, die den Klassenerhalt schaffen wollen, bleiben viele zwangsläufig auf der Strecke. Gerade Gladbach und Köln, die Vereine für die ich gespielt habe, sind ja dafür bekannt, dass sie immer wieder an ihren utopischen Zielen scheitern. Dann gibt es wieder nur auf die Fresse, Spieler werden fertig gemacht und Trainer gefeuert. Die Vereine brocken sich das selber ein. Da sollte man die Kirche einfach mal im Dorf lassen. 

Im Film sagen Sie, am Ende hat es auch an eigener Qualität gefehlt. Den Beweis, dass das nicht so ist, hatten sie doch mit tollen Leistungen in ihrem ersten Bundesligajahr in Gladbach gebracht, als sie zu den größten Talenten des deutschen Fußballs gezählt wurden.

Thomas Broich: Das ich ganz gut kicken kann stand nie zur Debatte. Qualität bedeutet aber nicht nur, dass man elegant den Ball streicheln kann. Da gehört auch Athletik und Robustheit dazu. Bei mir hat das Gesamtpaket eben nicht gestimmt.      

Wann haben Sie gemerkt, dass es für die ganz große Karriere nicht reichen wird?

Thomas Broich: Das war gegen Ende meiner Zeit in Gladbach. Als ich mit 25 Jahren nach Köln in die zweite Liga gewechselt bin, war ich längst kein hoffnungsvolles Talent mehr.      

Sie hatten Probleme mit autoritären Trainern. Wer war schlimmer: Dick Advocaat oder Christoph Daum?

Thomas Broich (lacht): Advocaat war grimmig und verbissen. Nach einer längeren Verletzung hat er mich erstmal in die Reserve gesteckt. Nach dem ganzen Hype um meine Person musste ich dann plötzlich gegen Bocholt spielen. Das war ein hartes Kontrastprogramm. Daum war anders. Er war der Verrückte, wie man ihn auch aus den Medien kennt. Letztendlich haben mich aber beide aus der Bahn geworfen.  

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