23.11.2007

Thomas Brdaric im Interview

„Wenn man knipst, ist man Gott“

Über „Die Kunst zu stürmen“, unser aktuelles Schwerpunkt-Thema, sprechen wir heute mit Thomas Brdaric – einem Mann, an dem sich die Geister scheiden. Er selbst ist sich sicher, dass er zu den ganz Großen gehört.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Welches Gefühl durchpflügt Sie nach einem Tor?

Es bleibt ein unbeschreibliches Gefühl durch diesen Adrenalinschub, den man bekommt. Man schießt ja auch nicht einfach nur ein Tor, sondern man erlöst die ganzen Fans, die sich nach genau diesem Tor sehnen. Ich glaube, dass du dann die Pulsschläge der ganzen Fans in dir hast.

Verändert sich dieses Gefühl in der Karriere eines Stürmers?

Es schwankt natürlich immer. Es ist natürlich ein Unterschied, ob du bei einem 0:3 den Anschluss erzielst oder in der 89. Minute den Siegtreffer markierst.

Ein guter Stürmer braucht sowohl Routine als auch Athletik. Im Laufe der Karriere nimmt das eine zu, das andere ab. Wann ist der Stürmer auf seinem Zenit?

Man muss als Stürmer einfach nur versuchen, kontinuierlich zu treffen, und das kann ein guter Spieler vielleicht über 4, 5 Jahre, Eintagsfliegen leider nur über ein halbes Jahr. Und dann gibt es Spieler, die tatsächlich über 10, 15 Jahre in Top-Vereinen spielen. Ich denke, es ist für einen Trainer wichtig, dass er Spieler hat, auf die er sich verlassen kann.

Kann man das Verhältnis zwischen Stürmern und Verteidigern als „Hass“ bezeichnen?


Es kommt natürlich darauf an, was man für eine Hasskappe auf den anderen hat. Es kann auch ganz harmonisch ablaufen, wenn man schon öfters gegeneinander gespielt hat.

Wird auf dem Platz mit den Gegenspielern viel gesprochen?


Nein, es wird nicht viel geredet. Außer es ist wirklich so viel passiert in den 90 Minuten, dass man sich über die eine oder andere Abseitssituation oder Foulspiele unterhält. Aber quatschen kann man ja eigentlich auch nach dem Spiel.

Was ist mit verbaler Provokation im Stile eines Marco Materazzi?

Ich hatte mal ein ganz witziges Erlebnis mit dem Mike Franz, der früher mein Mitspieler in Wolfsburg war und jetzt bei Karlsruhe spielt. Als wir mit 96 irgendwann gegen Wolfsburg spielten, war er dann mein direkter Gegenspieler. Er hat mich in dieser Partie so sehr provoziert, dass ich einfach das Gegenteil gemacht habe. Anstatt ihn auch zu provozieren, habe ich ihm gesagt, was er doch für ein guter Abwehrspieler sei und dass er es doch gar nicht nötig hätte, sich mir gegenüber so zu verhalten. Er hat dann kurz überlegt und gesagt, ja, du hast Recht, und dann haben wir uns gut verstanden.

Wie stehen Sie zu Schwalben? Sind Sie unter dem Stichwort „ausgleichende Gerechtigkeit“ zwischen Stürmer und Verteidiger manchmal gerechtfertigt?

Schwalben sind ganz übel, wobei man sie auch nicht überbewerten darf. Man muss immer unterscheiden, ob ein Spieler sich bei einer Grätsche fallen lässt, um einer Verletzung aus dem Weg zu gehen, oder ob er sich fallen lässt, um tatsächlich nur einen Elfmeter zu provozieren. Das ist nicht immer ganz eindeutig.

Bekommen Sie persönlich viel auf die Knochen?

Ja klar, natürlich. Gerade als Stürmer bekommst du nur auf die Haxen. Es ist in den letzten Jahren mit der Einführung der vielen Kameras besser geworden. Ein Abwehrspieler überlegt sich heutzutage zweimal, ob er seinen Gegenspieler umhaut. Ich kann mich da aber noch an ganz andere Zeiten in der zweiten Liga bei Fortuna Köln erinnern. Gegen den Amadou von Cottbus habe ich zum Beispiel immer total ungern gespielt. Er war berüchtigt für seine Härte. Vor jeder Ballberührung hat er dir schon in die Hacken getreten.

Verliert man nach Fouls nicht manchmal die Lust, wieder aufzustehen?


Naja, es geht. Wie gesagt, man darf ja hinfallen - man muss nur immer wieder aufstehen.

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