Thomas Brdaric im Interview

»Das Ende war greifbar«

Nach 18 Monaten Verletzungspause muss Thomas Brdaric seine Laufbahn als Profi-Fußballer beenden. Wir sprachen mit ihm über sein lachendes und sein weinendes Auge, das, was bleibt, und eine Rückkehr als Trainer. Thomas Brdaric im InterviewImago

Herr Brdaric, Was macht das lädierte Knie?

Ich hoffe, dass es in kurzer Zeit alltagstauglich wird, das heißt, dass ich wieder wie jeder andere Mensch mal spazieren gehen kann, ohne dass es anschwillt.

Laut »Bild« erhalten Sie von Ihrer Invaliditätsversicherung eine Million Euro netto Entschädigung. Was ist dran an dieser Meldung?


Ich erhalte von meiner Invaliditätsversicherung CIV eine Summe, aber die spekulierten Zahlen sind falsch. Ich möchte in dem Zusammenhang meinem Versicherungsmakler AON Jauch & Hübner, insbesondere Herrn Kai Bockelmann meinen Dank aussprechen. Die Versicherung hat sofort und unkompliziert ihre Leistungen erbracht.

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Auf der einen Seite eine finanzielle Absicherung, auf der anderen Seite das sportliche Karriereende. Haben Sie ein lachendes und ein weinendes Auge?

Als Fußballprofi möchte man am liebsten nie aufhören mit dem Beruf, aber irgendwann ist die kritische Grenze sowieso erreicht. Du kannst nicht bis ins hohe Alter Leistungen auf höchstem Niveau bringen. Ich hätte sicherlich noch gerne zwei bis drei Jahre gespielt, aber das Karriereende war irgendwie greifbar. Ich hätte sicher nicht wie viele andere nochmal den Schritt in die Zweite oder Dritte Liga gemacht. Ich freue mich darüber, dass ich einen Teil meines Einkommens besonnen in diese Versicherung investiert habe, das macht mir den Übergang ins normale Leben jetzt erheblich leichter.

Wie geht es für Sie in Zukunft weiter, welche Pläne haben Sie?

Ab Mitte Oktober werde ich ein berufliches Rehaprogramm in Zusammenarbeit mit der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft absolvieren. Ich hoffe mal, dass ich in meinem neuen Wahlberuf als Fußballtrainer vielen jungen Talenten und Profis meine Erfahrungen aus den vielen Jahren als Fußballprofi weitergeben kann.

Haben Sie den Ausstieg aus dem Profigeschäft schon realisiert?

Ich bin mir meiner Situation bewusst, ich hatte ja während meiner Verletzungszeit von 18 Monaten genügend Zeit, mich damit zu befassen.

Kann die finanzielle Entschädigung den Verlust des Berufes aufwiegen?


Nein, aber wie schon gesagt, irgendwann endet jede Karriere.

Wie ist das Verhältnis zu Ihrem letzten Verein Hannover 96? Haben Sie noch Kontakt zu Spielern oder Verantwortlichen?

Natürlich, Hannover 96 war ein Abschnitt in meiner Karriere, aber auch nach Wolfsburg, Leverkusen, Fortuna Köln und Düsseldorf pflege ich meine Kontakte und natürlich auch zu vielen Jungs mit denen ich früher als Mit – oder als Gegenspieler auf dem Platz gestanden habe.

Neben der finanziellen Unterstützung erhalten Sie von der Berufsgenossenschaft die Finanzierung einer Umschulung zum Trainer. Sehen Sie Ihre Zukunft auf der Trainerbank?

Ja, das wird sich zeigen, ich bin mir ganz sicher, dass ich ein guter Trainer werde.

Hinter Ihnen liegen mehr als anderthalb Jahre voller Verletzungen und Schmerzen. Haben Sie es zwischendurch bereut, professionell Sport zu betreiben?

Nein, nie.

Bestimmt gibt es in einer solchen Zeit Phasen, in denen man durchhängt. Wie konnten Sie sich immer wieder für die Reha-Maßnahmen motivieren?

Der unbedingte Wille wieder auf dem Platz stehen zu wollen rechtfertigt jede Reha-Maßnahme. Einen richtigen Durchhänger hatte ich nie, wenngleich es manchmal schwer war.

Wie haben Ihre ehemaligen Mannschaftskollegen auf die lange Verletzungspause reagiert? Gab es von ihrer Seite Unterstützung?

Am Anfang schon, aber wenn Du mal länger raus bist, dann gerätst Du auch mal schnell in Vergessenheit. Aber es ist wie immer im Leben, Du findest auch Freunde, und die kümmern sich halt auch um Dich, wenn Du nicht gerade oben bist. Und ich habe schon ein paar Freunde im Fußball gefunden.

Gibt es Menschen, zu denen Sie jetzt eine andere Beziehung haben als vor der Verletzung?

Ja, die meisten Beziehungen ändern sich, wenn sich Dein Status ändert.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Sind Sie eher optimistisch oder pessimistisch?

Ich bin ganz sicher, dass man mich wieder in der Bundesliga sieht, halt in anderer Funktion... ich bin sehr optimistisch!

Was machen Sie am nächsten Spieltag?


Fußball schauen, diesmal aber mit meinen beiden Jungs zu Hause vorm Fernseher.
 

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