Thomas Berthold über Rudi Völler

»Wir waren Blues Brothers«

Thomas Berthold und Rudi Völler kommen aus Hanau, sind Freunde und spielten zusammen beim AS Rom. Hier erzählt Berthold vom Reinfeiern in Rudis Fünfzigsten und über die Tage, die er mit Rudi auf einem Zimmer verbrachte. Thomas Berthold über Rudi Völler

Thomas Berthold über...

... den gemeinsamen Heimatort der beiden, Hanau:

Rudi und ich kommen zwar beide aus Hanau, aber durch den Altersunterschied von vier Jahren sind wir uns in der Jugend nicht über den Weg gelaufen. Rudi spielte dann auch für die Kickers aus Offenbach, ich ging zur Frankfurter Eintracht. Für mich war das verkehrstechnisch ein Vorteil, Rudi hingegen wollte schon seit seiner Jugend zum OFC.  

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... den Spitznamen »Tante Käthe«:

Es stimmt, dass ich ihm irgendwann einmal den Namen »Käthe« verpasst habe. Mittlerweile kann ich mich gar nicht mehr genau daran erinnern, wann das war. Aber bei uns in Hessen ist »Käthe« ein geflügeltes Wort, ein Spitzname. Das ist weder positiv noch negativ, sondern das ruft man sich schon einmal so zu. Wie dann »Tante Käthe« daraus wurde, muss dann eine Sache der Medien gewesen sein.

... die Party nach dem Halbfinaleinzug 1986:

Nachdem wir das Finale erreicht hatten, wollten wir irgendeinen Gag bringen. Also zogen wir uns einen weiß-blau gestreiften Anzug an, setzten komische Hüte auf und steckten Zigarren in den Mund - eine Art Fasching in Mexiko. Felix Magath, Matthias Herget, Rudi und ich, wir waren die »Blues Brothers«!

Die anderen kamen dazu, waren aber nicht verkleidet. Es ging bis spät in die Nacht. Bei so einem Finaleinzug muss man schon einmal einen rauslassen. Ich weiß nicht, ob so etwas heute noch vorkommen würde. Die Zeiten haben sich geändert, früher gab es wenigstens noch Typen in einer Mannschaft.

... den Zimmerkollegen Rudi Völler:

Rudi und ich waren zehn Jahre lang Zimmerkollegen, da lernt man alle Macken des anderen kennen. Gerade bei einem Turnier, das über mehrere Wochen geht plus Vorbereitungszeit, ist es nicht einfach, 24 Stunden aufeinander zu hängen. Doch mit Rudi gab es da nie Probleme. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass wir aus der gleichen Ecke kommen und dadurch gleich ticken. Zudem waren wir keine Konkurrenten, ich spielte hinten, er vorne. Doch unabhängig davon ist Rudi auch ein total umgänglicher Typ. Und: Er schnarcht nicht.

... die Szenen mit Frank Rijkaard und Waldemar Hartmann:

Er ist vom Naturell her ein ruhiger Vertreter, aber er kann schon explodieren. Auch bei der Rijkaard-Geschichte hat es in ihm gebrodelt, doch er konnte ihm ja auf dem Platz keine runterhauen. Bei dem Ausraster im Fernsehstudio ist ihm einmal die Hutschnur geplatzt, was auch absolut verständlich bei der Schwarz-Weiß-Malerei der Medien ist. So wie dort hatte ich ihn aber auch noch nicht erlebt.

... die Jahre beim AS Rom:

Unsere gemeinsame Zeit beim AS Rom war schon toll. Es war auf der sportlichen Seite eine sehr erfolgreiche Zeit, das hat natürlich vieles erleichtert. Dennoch war der Druck in einer Stadt wie Rom gigantisch, gerade in Bezug auf die Rivalität zwischen Lazio und AS Rom. Dagegen ist Dortmund gegen Schalke Kindergarten.

Für uns war das kein Grund, uns abzuschotten. Rudi und ich hatten schon unsere Bars, Kneipen und Clubs, in die wir abends gingen. In Italien hatte man als Fußballer VIP-Status, überall gab es für uns einen abgetrennten Bereich. Alles in allem haben wir sehr, sehr schöne Jahre in Italien verlebt.

... die Hilfe von Rudi Völler bei der Eingewöhnung:

Rudi hat mir vieles vereinfacht, als ich nach Rom kam. Zwar kannte ich die Sprache schon, da ich in Verona gespielt hatte. Doch Rudi war da schon ein guter Guide für Rom, ich habe in den ersten Tagen bei ihm gewohnt, bevor ich ins Hotel gezogen bin. Allgemein machen es einem die Mitspieler in Italien auch einfacher sich einzugewöhnen.

... seine Kupplerfunktion bei der Begegnung von Rudi Völler und dessen späterer Ehefrau Sabrina:

Das war reiner Zufall. Ich wohnte in der Wohnung von Sabrinas Vater. Als wir dann abends zusammen saßen, haben sich halt alle mal kennengelernt. Aber ich war nicht der Kuppler.

... Rudi Völlers »ruhigen« 50. Geburtstag:

Wir haben heute Nacht schon ausreichend zusammen angestoßen. Wir waren in Leverkusen, es ging bis fünf Uhr morgens. Ich denke, dass deswegen der heutige Tag etwas ruhiger angegangen wird. Das Reinfeiern war schon sehr ausgedehnt. Wir waren aber nicht verkleidet wie 1986.

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