25.07.2008

Thomas Bach im Interview

»China braucht Zeit«

IOC-Vizepräsident Thomas Bach wird am 8. August mit der olympischen Fackel in der Hand durch Peking joggen. Hier spricht er über Protestbändchen, Politikerboykotte und Menschenrechte bei Olympia.

Interview: Robert Ide und Friedhard Teuffel Bild: Imago
Thomas Bach im Interview
Herr Bach, Sie werden am 8. August mit der olympischen Fackel in der Hand durch Peking laufen. Wie fühlt man sich eigentlich als Teil der chinesischen Propaganda?

Wieso Propaganda? Die Fackel ist und bleibt ein olympisches Symbol.



Ein Symbol, das dem Internationalen Olympischen Komitee mehr und mehr entglitten ist.

Das IOC ist Schirmherr des Fackellaufs. Diese Konstruktion hat sich als nicht ausreichend herausgestellt. Darstellung und Route des Fackellaufs müssen grundsätzlich überdacht werden. Eine Möglichkeit wäre, zukünftig den internationalen Teil wegzulassen. Ich möchte stattdessen sichtbarer machen, dass das Feuer kein Symbol des Gastgeberlandes ist. Es braucht eine bessere Balance zwischen dem IOC und dem Gastgeber.

Wie wollen Sie verhindern, dass diese Balance nicht auch bei den Spielen in Peking kippt?


Das verhindern die festgelegten Regeln: Das IOC organisiert die Spiele, die Chinesen sind bloßer Ausrichter. Das Fernsehbild wird von einer IOC-eigenen Gesellschaft produziert. Und noch etwas: Chinas Staatschef darf die Spiele nur mit einem vorgeschrieben Formelsatz eröffnen. Der IOC-Präsident dagegen kann eine ihm angemessene Rede halten. Es ist eine weise Entscheidung, dass bei Olympia keine politischen Demonstrationen erlaubt sind. Das gilt für alle.

Aber die Menschenrechte sind ein universelles Thema – es ist keine politische Demonstration, für sie einzutreten.

Es gibt viele universell geltende Anliegen. Man kann gegen den Hunger eintreten, gegen die Todesstrafe, für mehr soziale Gerechtigkeit oder den Weltfrieden. Das ist auch allgemeiner Konsens.

Trotzdem wird viel darüber spekuliert, was eine politische Demonstration ist und was nicht.

Sie spekulieren vielleicht, sonst nicht viele.

Einige Sportler schon.

Es gibt bei uns keine Unsicherheiten und keine Spekulationen. Wir haben die Aktivensprecher frühzeitig eingebunden, die mit den Athleten frühzeitig das Gespräch gesucht und sie informiert haben. Wir haben auch online ein Olympia-Net eingerichtet, in dem alle Informationen jederzeit abrufbar sind.

Manche Sportler haben Armbänder anfertigen lassen mit dem Spruch »Sports for human rights«. Dürfen sie die tragen?

Das ist ganz klar geregelt. Diese Armbänder sind in den olympischen Stätten nicht erlaubt.

Das IOC hat mit dem Slogan »celebrate humanity« für die Olympischen Spiele geworben. Wo ist da der Unterschied?

Es geht darum, was wann und wo angebracht ist. Ich habe niemanden gesehen, der etwa bei den Spielen 2000 in Sydney für die Rechte der Aborigines gestritten hat. Das IOC tritt bei den Olympischen Spielen für die Werte des Sports ein, etwa durch den olympischen Eid der Athleten bei der Eröffnungsfeier. Diese Bändchendebatte ist eine bloße Symboldiskussion, die mittlerweile kaum noch erträglich ist.

Aber sie zeigt die Grenze.

Es geht doch hier nicht um Schaufensterpolitik. Die Frage ist, wie man sich am besten für die Sache einsetzen kann – und da sind sich alle Experten einig: Sie erreichen mit einer fundierten Stellungnahme in einer Pressekonferenz oder einem Interview sicherlich mehr als mit einem Armbändchen.

Wird ein Sportler ausgeschlossen, wenn er doch ein Armband trägt?

Ich glaube nicht, dass es so einen Fall geben wird. Ich habe von keinem gehört, dass er die Regeln, an die er ohnehin gewöhnt ist, brechen wird.

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