Thömmes über den Trierer Pokalerfolg

»Es wird die Hölle los sein«

In der Saison 1997/98 schoß Rudi Thömmes Eintracht Trier gegen Landesmeisterpokalsieger Dortmund und Schalkes Euro-Fighter bis ins Halbfinale des DFB-Pokals. Wir sprachen mit ihm über Triers Chancen gegen Köln. Thömmes über den Trierer PokalerfolgImago

Rudi Thömmes, Sie waren gegen Bielefeld im Moselstadion. Wie haben sie den Pokaltriumph von Eintracht Trier erlebt?

Schön war es. Anfangs war es zwar recht ruhig, da die Eintracht schnell in Rückstand geriet. Aber als dann der Anschlusstreffer fiel, herrschte sofort eine sensationelle Stimmung. In der Verlängerung haben die Zuschauer die Mannschaft regelrecht nach vorne gepeitscht. Es machte wieder richtig Spaß, die alten Zeiten wurden wachgerufen, obwohl nur 6600 Zuschauer da waren.

[ad]

Nach dem Absturz in die 4. Liga ist die Euphorie verflogen, die in der Stadt zu Zweitligazeiten um die Eintracht herrschte. Haben die Erfolge im Pokal eine neue Welle der Begeisterung auslösen können?

Klar, Trier ist mit Osnabrück, die einzige Mannschaft aus den unteren Ligen, die noch dabei ist. Wenn man bedenkt, welche Bundesligisten bereits zuschauen müssen, ist das eine klasse Leistung. Jetzt ist der Verein wieder in die Aufmerksamkeit der Presse gerückt und in der Stadt wieder in aller Munde. Egal, wo man hinkommt, man hört wieder von Eintracht Trier reden. Das sollte auch das Ziel des Klubs sein, dass man nach den Abstiegen wieder positiv auf sich aufmerksam macht. Das hat die Mannschaft mit den tollen Leistungen getan. Ich hoffe, dass dies in Zukunft auch von den Zuschauer in der Liga honoriert wird.
 
Nach dem Spiel gegen Bielefeld hat Trier alle vier Ligasspiele verloren, schoss seit drei Partien kein Tor mehr. Ist dem Team der Erfolg zu Kopf gestiegen?

Ich erinnere mich, dass wir uns damals direkt nach dem Pokalerfolg gegen Dortmund in der Liga beim Tabellenletzten Remscheid unglaublich schwer getan haben. Doch ich glaube nicht, dass der derzeitige Leistungsabfall der Eintracht auf den Pokal zurückzuführen ist. Mario Basler musste zuletzt viele Spieler ersetzen, die verletzt ausfielen. Das wird ausschlaggebend gewesen sein.

Was trauen Sie der Mannschaft gegen Köln zu, auch bei denen läuft es ja derzeit nicht optimal?

Eintracht Trier hat bereits bewiesen, dass im Pokal alles möglich ist. Die Siege gegen Hannover und Bielefeld waren kein Glück, sondern die Eintracht hat die Spiele verdient gewonnen. Wenn es gegen Köln lange Null zu Null steht, und der Eintracht die ein oder andere gute Aktion gelingt, dann wird der Funke wieder sofort auf das Publikum überspringen und wie gegen Bielefeld wird die Hölle los sein. Und dann mit den Fans im Rücken, könnte durchaus eine weitere Sensation drin sein. Das wäre auch wichtig für die nächsten Ligaspiele.

Sie meinen der Pokal könnte einen Wendepunkt bedeuten?

Nicht wenn wir 0:10 verlieren. Aber wenn wir ein gutes Spiel abliefern, dann wird das sicher auch Schwung für den Alltag in der Liga mit sich bringen. Selbst wenn das Spiel knapp verloren geht, sollte das den Spielern wieder Mut geben.

Wie groß ist jetzt die Euphorie in der Stadt?

Die Erwartungshaltung ist nach den letzten Ergebnissen in der Regionalliga West nicht so hoch. Aber alle freuen sich riesig auf das Spiel, das Stadion ist seit Wochen ausverkauft und die ganze Stadt wird der Eintracht die Daumen drücken.

Sie trainieren beim SV Mehring neben der A-Mannschaft auch die B-Jugend. Hat der Erfolg von Eintracht Trier, dem größten Klub der Region, auch Einfluss auf die Motivation der Jugendspieler?


Mehring und Trier liegen zwar nur 20 Kilometer auseinander, aber die Jugendlichen in Mehring bekommen dann doch zu wenig von der Stimmung in Trier mit. Wenn in einer möglichen nächsten Runde Bayern München kommen sollte, dann wäre das natürlich auch in Mehring ein großes Ereignis. Dann, denke ich, wird das auch für unsere Talente, die wir in der Mannschaft haben, ein zusätzlicher Ansporn sein.

Kann man die Pokalhelden von heute mit denen aus ihrem Team damals vergleichen?

So ein Vergleich ist schwer. Damals standen wir in der 3. Liga, heute spielt die Eintracht in der 4. Liga. Wir waren eine verschworene Einheit, ein eingespieltes Team. Bei der heutigen Mannschaft mussten zuletzt immer wieder neue Spieler eingebaut werden, eine echte Einheit konnte so noch nicht wachsen. Aber die Jungs befinden sich auf einem guten Weg. Auch wenn es gegen Köln schlecht läuft, darf man nie vergessen, dass die Mannschaft von Mario Basler Unglaubliches geleistet hat.

Ihr Tipp?

1:0 für Trier.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!