27.10.2007

»Teddy« de Beer über gute Torhüter

»Ich war kein Drecksack«

Wolfgang de Beer wurde erstmals von seinem Kreisauswahl-Trainer »Teddy« gerufen. Er hütete lange das Tor von Borussia Dortmund und avancierte zum Liebling der Fans. Den Weg in die Nationalmannschaft fand er jedoch nie.

Interview: Christian Dittmar Bild: Imago
Sie profitierten von der Verletzung Ihres Konkurrenten Rolf Meyer und hielten gleich im ersten Saisonspiel fehlerlos gegen die Bayern. Also war die Bezeichnung »Riese zum Billigtarif« gerechtfertigt?

»Riese« war wohl nicht die richtige Wortwahl, eher »guter Torwart zum günstigen Tarif«. Da haben die Leute gemerkt, dass einer gute Leistungen bringt und nichts gekostet hat. Das war eine richtig gute Saison, in der ich durchstarten konnte.

Bekamen Sie damals auch den Spitznamen »Teddy«?

Nein, den habe ich schon seit frühester Kindheit, noch aus Kreisauswahlzeiten. Ein Jugendtrainer, der sich viele Namen merken musste, las meinen Nachnamen und sagte: Ich nenne Dich einfach »Teddy«.

In Dortmund waren Sie dann sehr schnell »Super-Teddy« und wurden zum Publikumsliebling. Ging das vielleicht alles etwas zu schnell?

Ich glaube nicht. Ich habe mich in der Sommerpause darauf vorbereitet zu spielen. Dass es dann so schnell gehen würde, konnte keiner ahnen. Ich musste mir jede Stufe hart erarbeiten, und ich kam immer recht gut damit klar. Ich habe dem Trainer nicht mehr die Notwendigkeit gegeben zu wechseln.

1990 standen Sie zwar in der engeren Wahl, wurden aber trotzdem nie in die Nationalelf berufen. Lag es an ihren Schwächen in der Strafraumbeherrschung?


Diese Schwächen habe ich nicht so gesehen. Mein Problem war, dass erst Toni Schuhmacher, Eike Immel und Uli Stein gesetzt waren. Die waren mir ein paar Jahre voraus und deswegen war es für mich schwierig. Dann kam gleich die jüngere Generation um Bodo Illgner, die wiederum fünf Jahre jünger war als ich.

Und Dortmund holte den jüngeren Stefan Klos.

Hm.

Und verdrängte Sie.

Ja.

Bis zum Ende.

Korrekt (Pause).

Wie viel Wehmut ist noch dabei?

Das war eine schwierige Situation für mich. Ich war jahrelang die Nummer eins und habe auch erfolgreich gespielt. Dann kam eine Phase, in der ich nicht so sicher gewirkt habe. Daraufhin wurde ich von Ottmar Hitzfeld zurecht aus dem Tor genommen, das muss man so klar sagen. Er hat dem jungen Stefan Klos die Chance gegeben, der sie letztendlich genutzt hat. Ein halbes Jahr später habe ich mir das Schien- und Wadenbein gebrochen und war erstmal ganz raus.

Wie sind Sie damit umgegangen, nur noch Bankdrücker zu sein?


Ich war sehr unzufrieden und dachte daran zu wechseln. In der langen Verletzungspause ist mir klar geworden: Das ist eigentlich der tollste Beruf, den man überhaupt haben kann. In der Zeit habe ich mich dazu entschieden, hinter Stefan Klos die Nummer zwei zu werden und so hart zu trainieren, dass ich ihn zu Topleistungen zwinge.

Also eine Vorbildfunktion?

Genau. Ich hatte mich nicht damit abgefunden, die Nummer zwei zu bleiben, sondern gelernt, im Sinne des Vereins meine Rolle optimal auszufüllen. Ich war derjenige, der die geringste Chance hatte zu spielen, und ich habe trotzdem tagtäglich im Training meine professionelle Leistung gebracht. Das strahlte natürlich auf die anderen Spieler aus. Auch auf die, die nicht unter den ersten Elf waren.

Dortmunds beste Zeit mit Meisterschaften und Champions-League-Sieg erlebten Sie nur noch vom Rand aus.


Das sehe ich anders. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, bei diesem Verein zu bleiben und meine eigene Persönlichkeit in den Hintergrund zu stellen. Wenn du willst, kannst du Theater machen, ein Drecksack sein und Streit säen. Oder du erledigst deinen Job zu 100 Prozent und schaust, was du darüber hinaus für die Mannschaft tun kannst. Das wurde auch vom Verein so gesehen und gewürdigt.

Haben Sie auch nicht an einen Wechsel gedacht, als Jens Lehmann als Ersatz für den zu den Rangers gewechselten Klos geholt wurde?

Zu dem Zeitpunkt war ich schon 34 Jahre alt und hatte meine Fühler in Richtung Trainerschein ausgestreckt. Ich führte die ersten Gespräche mit dem Verein und für mich war klar, dass ich hier bleiben würde.

In den wenigen Spielen, in denen sie für Lehmann spielen durften, hallten immer noch die »Teddy, Teddy«-Rufe über die Südtribüne.


Das war ein sensationelles Gefühl. Vor allem auch nach der langen Zeit, in der ich nicht gespielt hatte. Dann konnte ich gegen Freiburg auch noch einen spielentscheidenden Elfmeter halten, und wir gewannen 2:1. Also ein ziemlich starker Abgang (lacht).

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