Teddy de Beer über die Pokalendspiele 1989 und 2012

»Am Finaltag bin ich nervös«

Samstag steigt das DFB-Pokal-Endspiel Borussia Dortmund gegen Bayern München. Die Borussia gewann den Titel zuletzt vor 23 Jahren. Im Tor damals - Wolfgang »Teddy« de Beer. Wir sprachen mit dem Torwarttrainer des BVB über die beiden Endspiele.

Teddy de Beer, sind Sie nach den Feierlichkeiten zur Meisterschaft eigentlich schon wieder komplett nüchtern?
Teddy de Beer: Natürlich. Es war auch nicht mehr ganz so extrem, denn die Feierei hat seit dem Sieg gegen Schalke am 31. Spieltag angefangen, als die Meisterschaft praktisch sicher war. Da muss man irgendwann auch mal runterfahren.

Hat sich die Mannschaft etwa schon an die Feierei gewöhnt?
Teddy de Beer: Das genießen wir alle schon noch. Der Moment der Schalenübergabe ist immer ein Gänsehautmoment. Aber die explosionsartige Freude war dieses Jahr vielleicht nicht mehr ganz so vorhanden wie 2011.

Am Samstag wartet schon wieder das nächste Highlight mit dem DFB-Pokalfinale gegen Bayern München. Für Sie ist es bereits die dritte Teilnahme als Aktiver und Trainer. Sind Sie trotzdem noch aufgeregt?
Teddy de Beer: Bei mir geht es schon beim Abschlusstraining im Olympiastadion los. Wenn ich in diesem tollen Stadion unten auf dem Platz stehe, läuft es mir schon kalt den Rücken runter, obwohl das Stadion ja eigentlich leer ist.  Und am Finaltag selber bin ich sicherlich nervös.

Beim letzten Pokalsieg von Borussia Dortmund 1989 gegen Werder Bremen standen Sie noch selbst im Tor.
Teddy de Beer: Ich habe vor kurzem mit unserem Stadionsprecher Norbert Dickel, der damals bei uns im Sturm spielte, eine Zusammenfassung des Spiels kommentiert. Da kamen all die Erinnerungen wieder hoch. Wir lagen 0:1 hinten, glichen durch Nobby schnell aus, kurz vor der Pause hielt ich einen Kopfball von Rune Bratseth. In der zweiten Halbzeit schoss Frank Mill das 2:1, und dann kam dieses legendäre Volleytor zum 3:1 von Norbert Dickel.

Sah der Treffer von Dickel von Ihrem Tor auch so schön aus?
Teddy de Beer: Absolut. Aus der Position schießt kein Mensch, nur Norbert Dickel. Dann markiert Michael Lusch den 4:1-Endstand. Den Pokal durfte ich als Zweiter nach unserem Kapitän Michael Zorc in Empfang nehmen und das Ding erstmal küssen. Das waren schöne Momente.

In der diesjährigen Pokalsaison traf die Borussia ausschließlich auf unterklassige Teams.
Teddy de Beer: Das stimmt, aber die haben uns alles abverlangt.

Im Achtelfinale in Düsseldorf siegte Dortmund erst im Elfmeterschießen mit 5:4, Roman Weidenfeller hielt dabei einen Elfmeter. Hatten Sie ihn auf die Schützen vorbereitet?
Teddy de Beer: Wir bereiten Roman in jedem Spiel auf die möglichen Schützen vor. Eine Garantie bietet das nicht, aber in diesem Fall hat es geholfen.

Dann folgte das Spiel beim Regionalligisten Holstein Kiel auf einem völlig vereisten Platz. Hatten Sie schon mal solche Platzverhältnisse erlebt?
Teddy de Beer: Klar, das war früher regelmäßig der Fall, weil es noch keine Rasenheizungen gab. Doch für unsere Mannschaft bedeutete es eine Riesenumstellung. Da die Platzverhältnisse abzusehen waren, haben wir vorher extra auf ähnlichem Untergrund trainiert. Die Jungs sind dann im Spiel mit der Platzsituation hervorragend umgegangen. Der 4:0-Sieg war hochverdient.

Im Halbfinale gegen Greuther Fürth kam es zu unrühmlichen Szenen nach Spielschluss zwischen den Mannschaften. Wie haben Sie die erlebt?
Teddy de Beer: Nach dem Tor für uns, an dem Fürths Torwart Jasmin Fejzic überhaupt keine Schuld traf, war ja direkt Schluss. Es war eine sehr intensive Partie und das Ende ziemlich abrupt. Vielleicht zu abrupt, so dass bei einigen die Emotionen zu sehr hochkochten. Dass dann einige aneinandergeraten, passiert halt mal.  Nächste Saison in der Bundesliga gibt es für alle Beteiligten ja die Chance zur sportlichen Revanche.

Nun also am Samstag das Finale gegen Bayern München. Ein drittes Mal in dieser Saison den Rekordmeister schlagen – kann das überhaupt klappen?
Teddy de Beer: Selbstverständlich. Wir haben den Vorteil, dass wir mit der Meisterschaft schon einen Titel haben. Uns kann nichts mehr die Saison verhageln. Der Druck liegt bei den Bayern, die haben noch gar nichts geholt, und auf einen Sieg im Champions-League-Finale können sie sich auch nicht verlassen.

Wichtige Faktoren werden wohl die Torhüter Manuel Neuer und Roman Weidenfeller sein.
Teddy de Beer: Keine Frage, auf beide wird es angekommen. Das haben wir ja schon in den Ligaspielen gesehen, wo jeweils nur ein Tor fiel. Glücklicherweise für uns. Manuel und Roman sind fantastische Torhüter, die den Unterschied ausmachen können. Sicher auch am Samstag.

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