29.12.2011

Techno-Gott Paul Kalkbrenner über Bayern und Stadionmusik

»Ich mag die positive Arroganz«

Paul Kalkbrenner ist einer der bekanntesten deutschen Techno-Musiker und Teilzeit-Schauspieler. Wir sprachen mit ihm über seine Liebe zum FC Bayern, zeitlos schöne Fußballtrikots und unerträgliche Stadionmusik.

Interview: Andreas Bock Bild: Thomas Lohr

Paul Kalkbrenner, sind Sie ein Erfolgsfan?

Paul Kalkbrenner: Nein. Wieso?

Sie sind Ost-Berlin aufgewachsen und seit Ihrer Kindheit Anhänger vom FC Bayern. Erklären Sie uns das: Wie wird man in der DDR Bayern-Fan?

Paul Kalkbrenner: Zum einen war der Klub für mich am stärksten präsent. Andererseits stand der FC Bayern für alles, was die DDR nicht war. Er war nicht nur ein gewöhnlicher Fußballklub aus dem imperialistischen Westen, mehr noch: Er war die Ausgeburt des Kapitalismus. Es hatte für mich also etwas Subversives, diesen Verein toll zu finden.



Sie konnten Ihre Helden aber nie live im Stadion sehen.

Paul Kalkbrenner: Ich hatte einen Kumpel, dem die Eltern alles erlaubten. Der durfte bis tief in die Nacht West-Fernsehen schauen. Bei ihm haben wir regelmäßig Sportschau geguckt. Eine aufregende Sache, fast ein wenig konspirativ, schließlich durfte das sonst niemand erfahren.

Sie konnten nie Smalltalk über Fußball halten?

Paul Kalkbrenner: Nein. Zu Hause schwieg ich mich über mein Samstagsprogramm aus. Meine Eltern wussten nichts von meinen Sportschau-Abenden. Auch in der Schule wurde nicht darüber geredet. Das haben wir uns einfach nicht getraut, die haben uns ja sogar Matchbox-Autos abgenommen. Wenn mich Lehrer fragten, war der BFC Dynamo mein Verein. Ich musste mich dabei aber nicht großartig verbiegen, denn beim BFC spielte ein Held meiner Jugend: Andreas Thom. 

Wer waren denn Ihre Bayern-Helden?

Paul Kalkbrenner: Ich wurde etwa 1985 Fan. Zu der Zeit fand ich Jean-Marie Pfaff, Sören Lerby und Lothar Matthäus toll.

Haben Sie denn selber gespielt?

Paul Kalkbrenner: Ich kickte eine sehr kurze Zeit als Stürmer bei Motor Lichtenberg, für ein Jahr etwa. Aber ich hatte schon in meiner Jugend Knieprobleme, also ließ ich das wieder sein.

Sie sind heute hauptberuflich DJ und Produzent für elektronische Musik. 2008 waren Sie zudem in »Berlin Calling« als Schauspieler aktiv. In dem Film sieht man Sie in beinahe jeder Szene mit einem anderen Fußballtrikot. Welche Idee steckte dahinter? Eine klassische Hommage an den Fußball?

Paul Kalkbrenner: Auch, klar. Doch wir wollten vor allem die Internationalität des Fußballs und der Techno-Kultur abbilden. Außerdem sollten das konkrete Reminiszenzen an die großen Fußballer der vergangenen Dekaden sein. Bei den Leuten kam es gut an. Niederländer oder Deutsche freuten sich, wenn Ickarus (Name des Protagonisten in »Berlin Calling«, d. Red.) mit einem Cruyff- oder Walter-Trikot rumläuft. Franzosen oder Brasilianer, wenn er ein Pele- oder Platini-Trikot trägt.



Nur die Italiener konnten sich nicht freuen.

Paul Kalkbrenner: Die musste ich enttäuschen. Wir hatten kurz nach der WM 2006 mit dem Dreh angefangen. Damals konnte ich einfach kein Trikot der italienischen Nationalmannschaft mehr sehen.

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