13.03.2013

Taktloss über den FC Bayern, Sócrates und Playmobil

»Wenn schon sterben, dann auf dem Platz!«

Dieser junge Mann stand einst kurz vor der großen Fußballkarriere – doch der Trainer ließ ihn nicht mitspielen. Später nannte er sich Taktloss und wurde Musiker. Wir trafen ihn in seinem Berliner Versteck und sprachen über den FC Bayern, Playmobil und das Leben von Mario Balotelli.

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Wir siezen unsere Interviewpartner für gewöhnlich.
Aha.
 
Wie soll ich Sie nennen: Taktloss? Oder möchten Sie lieber mit Ihrem bürgerlichen Namen angesprochen werden?
Weil es sich bei diesem Interview um meine Leidenschaft Fußball handelt, nennen Sie mich gerne bei meinem bürgerlichen Namen. (Pause) Allerdings rät mein Berater, alles was mit Publicity zu tun hat, unter dem Namen »Taktloss« zu machen. Also dann bitte.
 
Herr Taktloss, Sie haben mit einer Hobbytruppe kürzlich ein Berliner Fußballturnier gewonnen. Glückwunsch.
Danke. Die Geschichte stimmt aber nicht ganz und ist schon eine Weile her, Dezember 2011. Das Turnier war auch nicht in Berlin. Ich war mit befreundeten Musikern bei einem angeblichen Charity-Hallenturnier von so 'nem Schlagersänger eingeladen.
 
Von Mickie Krause.
Ja, ich glaube. Außerdem hat da ein ehemaliger Nationalspieler mitgemacht. Deutsch-Pole, war mal bei Hertha und Bochum, mit »W«.
 
Dariusz Wosz?
Ja.
 
Und Sie haben mit Ihrem Team gewonnen?
Nein, haben wir nicht. Wir haben verloren. Wir haben nur erzählt, dass wir gewonnen hätten. Das klang irgendwie besser.
 
Schön.
Ja.
 
Wir haben gehört, dass Sie Interviews nicht mögen.
Aha.
 
Sie reden nicht gerne über Musik?
Was soll ich sagen, Musik mache ich erst kurz. Fußball spiele ich fast mein ganzes Leben. Außerdem spiele ich lieber Fußball, als darüber zu reden. Leider war besagtes Turnier mein vorerst letzter Kick – dank orthopädischer Probleme. Wie mein Vorbild Roger Milla, der in hohem Alter noch zeigen konnte, was ein Held ist, hoffe ich aber eines Tages noch einmal Auflaufen zu können. Ab und zu zuckt mein Schussbein noch, wenn ich beim Schlafen vom Fußball träume.
 
Wir haben gehört, dass Sie früher mit Zecke Neuendorf gespielt haben.
Als wir Kinder waren, hatte er diesen Spitznamen noch nicht. Aber ja, wir haben zusammen Fußball gespielt. Und manchmal auch Playmobil.
 
Wo?
Playmobil? Bei ihm im Kinderzimmer.
 
Und Fußball?
Auf dem Spielplatz und bei Stern 1900 in Steglitz. Ich war gut. Einmal hat mich Andi zum Training der Berliner Auswahl mitgenommen. Er fragte beim Trainer, ob ich mitspielen könnte. Der Trainer sagte: Später.
 
Und?
Ich durfte nicht mitspielen.
 
Schade.
Ja.
 
Aber beinahe.
Ich war knapp davor.
 
Wenn der Trainer einverstanden gewesen wäre.
Er hat mir die Profikarriere versaut. Wenigstens habe ich es einmal namentlich in die Zeitung »Fußballwoche« geschafft.
 
Wie kam’s?
Wir standen mit meiner alten Freizeitligamannschaft »Living Legends Neukölln« 2007 im Pokalfinale. Ich habe ein Tor gemacht. Doch der Autor hat meinen Namen falsch geschrieben. Irgendwie auch blöd.
 
Wurden Sie gelobt?
Da stand, dass ich emsig war.
 
Wenn Zecke das wüsste.
Ich habe ihn übrigens vor sieben oder acht Jahren mal auf der Aftershowparty des Echo-Awards wiedergetroffen.
 
Hat er Sie wiedererkannt?
Es waren 15 Jahre vergangen, und er hatte Schwierigkeiten, mich einzuordnen. Doch irgendwann fiel der Groschen. Dann hat er mir eine schöne Geschichte erzählt.
 
Und zwar?
Damals hat er mit den Boateng-Brüdern bei Hertha gespielt. Immer dann, wenn die Faxen gemacht haben, sagte er: »Boateng, moatang, ich kenne noch einen, der ist viel krasser als ihr!« Damit meinte er mich.
 
Sie waren auch Straßenfußballer?
Ja, im Käfig habe ich mich am wohlsten gefühlt. Der Einsatztruppenname für Drei-gegen-Drei-Straßenturniere ist »Peles«. Und in der sogenannten Kirchenliga habe ich mit »Koko Internationale« gespielt. Da ging es zur Sache! Mehr sage dazu nicht.
 
Was war Ihr Lieblingstrick?
Gewinnen.
 
Ihr bestes Tor?
Viele. Aber von einem kann ich Ihnen erzählen.
 
Bitte.
Folgende Situation: Der Ball fliegt in einem hohen Bogen, und als er seinen höchsten Punkt erreicht hat, steht die Zeit still. Ich schaue mich um und bemerke, dass kein Gegenspieler in meiner Nähe ist. Also berechne ich die Flugbahn, und dann kommt der Ball runter. Ich treffe ihn perfekt... (Pause) Wobei das noch untertrieben ist. Egal: Ich treffe den Ball noch perfekter. Ein Seitfallzieher. Mein Körper befindet sich in einem Winkel von 45 Grad, einen Meter über dem Boden und mein Vollspann trifft auf den Ball... (Pause) Jedenfalls, der Ball donnert gegen die Latte, dann auf den Boden, dann gegen die Latte, dann auf den Boden, dann rein.
 
Wahnsinn.
Latte, Boden, Latte, Boden – rein. Für den Torwart muss sich das angehört haben wie Technomusik. Der hat den ball gar nicht kommen sehen, stand einfach nur da und hat, während sein Kopf unbewusst zum Beat nickte, auf den Ball gewartet.
 
Und Sie haben danach einen Flickflack geschlagen?
Normalerweise jubele ich nicht so ausgiebig. Dieses Mal bin ich aber ausgetickt. Ich habe sogar mit einem Mitspieler eingeschlagen, den ich eigentlich nicht so gerne mag.
 
Gab es Zuschauer?
Einen. Der stand da sogar mit der Videokamera, doch als ich das Tor gemacht habe, hat er gerade ein paar Vögel beobachtet. Ärgerlich. Wenn er das Tor gefilmt hätte, müsste ich Ihnen jetzt nichts erzählen, denn Sie würden diesen Clip im ZDF sehen – es wäre mein Bewerbungsvideo für das »Sportstudio-Torwandschießen« gewesen. (Pause) Ja, im Käfig...
 
(Taktloss blickt auf die neue 11FREUNDE-Ausgabe. Auf dem Cover: Zlatan Ibrahimovic und das Zitat »Ich bin der Größte. Hinter Ali«)
 
...war ich größer als Ali.

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