Swansea-Vorstand John van Zweden über den Höhenflug

»Es ist verdammt wahr, Junge!«

Vor 30 Jahren wurde der Niederländer John van Zweden zum Swansea-Fan, seit 2002 ist er Vorstandsmitglied. Mit fünf Freunden rettete er die »Swans« damals vor der Pleite, nun sorgen sie in der Premier League für Furore. Wir sprachen mit John über die beste Zeit seines Lebens. 

Kai Senf

John van Zweden, nach zwei Spielen hat Ihr Klub Swansea City sechs Punkte, 8:0 Tore und ist Tabellenzweiter der Premier League – und das nur, weil der FC Chelsea eine Partie mehr bestritten hat. Das kann doch nicht wahr sein.

Doch, Junge! Es ist verdammt wahr. Außerdem haben gestern auch 3:1 im Pokal gegen Barnsley gewonnen. Und das ist noch längst nicht alles: Wir werden die kommenden sieben Spiele auch noch gewinnen. Wenn du dir den Spielplan anguckst, musst du mir recht geben.

Mal gucken: Für diese Serie müsste Ihre Mannschaft am 9. Spieltag den amtierenden Meister Manchester City schlagen – auswärts!

Ein Sieg ist drin, na klar! Schon letzte Saison haben wir City 1:0 geschlagen und waren dabei die viel bessere Mannschaft. Wir sind also so was wie der inoffizielle Meister.

Sie sind seit über 30 Jahren Fan der »Swans«. Erleben Sie gerade Ihre schönste Zeit?

Es war auch schon toll, als wir in den Achtzigern mal in der ersten Liga waren, aber kein Vergleich zu dem, was wir hier jetzt abgeht. Wir sind die erste walisische Mannschaft in der Premier League – und nicht unser Erzrivale Cardiff mit seinem milliardenschweren Geldgeber aus Malaysia. Das allein macht uns schon wahnsinnig stolz. Dass wir zudem auch noch so toll mitspielen und sogar die Großen wie City schlagen, kommt mir vor, als wäre ich im Himmel.

Letzte Saison überraschte die Mannschaft die Fachwelt mit virtuosem Kurzpassspiel. Trainer Brendan Rodgers ist nun allerdings zum FC Liverpool gewechselt. Ein herber Verlust?

Wir haben das sportlich ganz gut weggesteckt, wie du an unserem Tabellenstand siehst. Aber natürlich tat es weh, Brendan gehen zu lassen. Er ist ein überragender Trainer, menschlich und fachlich. Ohne Quatsch: Ich gönne ihm den Job bei einem großen Klub wie Liverpool. Er hat ihn sich redlich verdient.

Ist es Rodgers selbst schwergefallen, Swansea zu verlassen?

Ich glaube schon. Das erste Angebot der Reds hat er noch abgelehnt, das zweite war dann so gut dotiert, dass es dumm gewesen wäre, noch mal Nein zu sagen.

Er nahm Joe Allen mit, ein großes Mittelfeldtalent aus der eigenen Jugend. 

Wir haben 15 Millionen Pfund für einen Nachwuchsspieler bekommen! Ist das nicht toll? Wir haben uns »High Five« gegeben, als das Geschäft abgeschlossen war. So konnten wir Leon Britton, unseren besten Mann, halten und zudem noch Jonathan de Guzman, Michu und Chico Flores aus Spanien und Ki Sung-Yeung von Celtic Glasgow holen. Am Ende blieb sogar noch was übrig, das wir auf die Bank gebracht haben. Kein so schlechter Deal, wenn du mich fragst!



Hatten Sie vor dieser Saison denn gar keine Angst vor einem Leistungseinbruch?

Natürlich werden wir über kurz oder lang auch mal wieder verlieren. Aber solange unsere Serie anhält, will ich sie einfach nur genießen. Long may it continue!

Brendan Rodgers Nachfolger ist der Däne Michael Laudrup. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Unser Vorstandschef Huw Jenkins ist international wahnsinnig gut vernetzt. Schon in der Vergangenheit hat er den Portugiesen Paulo Sousa und den Spanier Roberto Martinez zu uns geholt – und damals kannten uns wirklich nur die Fußball-Nerds. Diese beiden Trainer prägten die Spielweise, für die die »Swans« nun stehen, Brendan hat sie verfeinert, und Michael wird dieses Werk fortsetzen. Er kennt den spanischen Fußball, an dem wir uns weiterhin orientieren wollen, sehr gut – schließlich war er schon als Spieler in der Primera Division eine Legende und hat später auch als Trainer dort gearbeitet. Ich halte mit ihm einen Platz in der oberen Tabellenhälfte für sehr realistisch. Mit ein bisschen Glück können wir uns sogar fürs internationale Geschäft qualifizieren!

Wie kann es bloß sein, dass ein kleiner walisischer Klub die Premier League aufmischt und sogar mit dem FC Barcelona verglichen wird?

Ja, Junge! Swanselona! Ich bin kein Trainer, deswegen kann ich über die Spielweise auch nur staunen. Aber ich kann dir sagen, dass wir hier alle ganz fest zusammenhalten, wir sind EIN Klub. Weder im Vorstand noch in der Mannschaft findest du irgendwelche Egomanen. Auch Michael Laudrup passt da rein, ein sehr ruhiger, höflicher Mann. Ich konnte ihn noch nicht einmal zu einem Abendspaziergang auf der Wind Street, unserer Partymeile hier in Swansea, bewegen. Vielleicht hat ihm aber auch einfach nur seine Frau verboten, dort hinzugehen.

John van Zweden, wenn eines Tages die Scheichs kommen und Ihnen ein Angebot für Ihre Klubanteile machen – sagen Sie dann immer noch »fuck you very much«, wie sie es letzte Saison geschworen haben?

Hundertprozentig!. Die sollen mal schön in Manchester bleiben.

Sie könnten mit einem Schlag Multimillionär werden! 

Mir egal! Ich will Swansea-Direktor sein, sonst nichts. Wir sind zu sechst und seit über 30 Jahren befreundet. Wir haben den Klub gerettet und wieder ans Licht geführt. Wie du dir vorstellen kannst, haben wir das nicht getan, um ihn hinterher zu verkaufen. Nein. Für kein Geld der Welt. Swansea till I die!

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