Konnten Sie sich noch aufwärmen? Das war genau das Problem. Es war ein bitterkalter Abend und ich hatte Angst zu frieren. Davor saß ich mit drei Jacken auf der Bank, also musste ich mich zügig aufwärmen. Das war wichtig, schließlich stand es 0:1 für City, das Spiel war noch völlig offen. Danach ging alles relativ schnell und plötzlich waren die 30 Minuten wieder vorbei.
War es eigentlich sehr frustrierend, so lange auf diese Chance warten zu müssen? Es gibt Torhüter, die ihr ganzes Leben auf der Bank hocken. Aber mein Ehrgeiz ist einfach viel zu groß, als dass ich mich da wohlfühlen könnte. Wenn man dem Team nicht wirklich mithelfen kann, fühlt man sich manchmal einfach nicht als Teil des Ganzen. Es ist nervenaufreibend, zweiter Torwart zu sein. Aber ich muss es halt akzeptieren: Aber Michel Vorm ist eben auch ein richtig guter Keeper. Da muss ich geduldig sein und meine Chancen nutzen.
Bereut man eigentlich irgendwann den Wechsel, wenn man so lange auf der Bank sitzt? Nie. Ich wollte unbedingt in die Premier League. Ich musste mich vorher noch nie für einen Verein im Probetraining beweisen, bei Swansea war es dann das erste Mal. Für die Premier League habe ich das gerne gemacht.
Swansea ist ein sehr familiärer Verein und zeichnet sich durch eine besonders starke Unterstützung der walisischen Fans aus. Woran merkt man das? Wir haben unglaublich tolle Fans! Das hat man am Mittwoch wieder gesehen: Da fahren ein paar Tausende in Liverpool dabei. Es macht Spaß für diese Jungs zu spielen und wenn ich ihnen was zurück geben kann, macht mich das stolz.
Sie sind auch schon selbst als durchaus emotional aufgefallen. Im April 2008 haben sie die Ultras von Energie Cottbus mit einem Megafon eingeheizt. Wie ist die Begegnung mit den Fans in Wales? Die Fankultur ist hier ganz anders als in Deutschland. In der Umgebung des Stadions kommt man mit ihnen stärker in Berührung. Sie sind stolz auf uns und immer optimistisch. Ganz anders als in Deutschland.
Wurden Sie in Deutschland mehr kritisiert? Deutsche Fans äußern es schneller, wenn ihnen das Spiel nicht gefällt. Das ist in England nicht die Regel. Es herrscht eine gegenseitige Verpflichtung: Sie unterstützen uns auf ewig, dafür wollen wir für sie immer gut spielen. Das macht den englischen Fußball aus.
Es gibt einige Klischees über Waliser. Welche können Sie widerlegen? Also das mit den Schafen ist auf jeden Fall wahr (lacht). Es gibt hier ziemlich viele Schafe. Ich weiß nicht, ob es in England genauso viele gibt, aber hier stimmen wohl die Bedingungen.
Sind Sie denn schon nervös vor dem morgigen Spiel? Ein bisschen angespannt vielleicht, aber nervös bin ich nie. Ich freue mich riesig auf ein weiteres tolles Erlebnis. Nach dem Sieg in Liverpool wird die Stimmung großartig sein.
Ihr Vertrag läuft noch für ein Jahr. Wo würden Sie hingehen wollen, falls Sie nicht verlängern? Wollen? Na, Manchester United, Chelsea, Barcelona. Aber leider sind »wollen« und »können« zwei verschiedene paar Schuhe.