Supporters contra Investoren

»Der HSV wird zum Durchgangsverein«

Externe Investoren kaufen sich beim Hamburger SV ein. Die Mitglieder leisten Widerstand. Ralf Bednarek, Abteilungsleiter des Supporters Club Hamburg, über Risiken und Auswirkungen des Geschäftsmodells. Supporters contra Investoren

Der Millionär Klaus-Michael Kühne hat beim Hamburger Sportverein Anteile an den Spielern Dennis Aogo, Marcell Jansen und Paolo Guerrero gekauft. Im Falle eines Weiterverkaufs wird Kühne am Gewinn beteiligt. Die drei Spieler haben momentan zusammen einen geschätzten Martwert von 25 Millionen Euro. Die Mitglieder des Supporters Club fürchten, dass externe Investoren durch das Geschäftsmodell zu viel Einfluss auf den Verein nehmen könnten.

Ralf Bednarek, Sie hatten vor der Mitgliederversammlung gefordert, dass die Mitglieder über das Investorenmodell »Anstoß hoch 3« abstimmen sollen. Dies ist nicht geschehen. Warum?

Der Vorstand und der Aufsichtsrat haben dieses Modell allein durchgewunken. Die Vereins-Satzung gibt das sicherlich her. Trotzdem sind wir immer der Auffassung gewesen, dass wir mit diesem Modell völlig neue Wege beschreiten. Daher denke ich, dass man über so etwas die Mitgliedschaft zumindest einmal im Vorfeld informieren sollte.

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Hat die Vereinsspitze mit den Mitgliedern vorher nie darüber gesprochen?

Nein, wir haben vom Vorstand nie etwas gehört. Über die Presse sind häppchenweise immer mehr Vertragsdetails bekannt geworden. Als im Januar zum ersten Mal von einem Gönner des HSV gesprochen wurde, dessen Namen angeblich nicht mal dem Aufsichtsrat genannt werden sollte, wurden wir hellhörig. Dass es um Herrn Kühne ging, war noch gar nicht klar.

War denn schon von der Gewinnbeteiligung eines Investors die Rede?

Auch das nicht. Es war nie die Rede von einer Gegenfinanzierung. Das Thema ist auch nie als Investorenmodell eingeführt worden. Unsere Zweifel wurden so von der Vorstandsseite auch relativ geschickt herunter gespielt. Als ob wir uns dagegen aussprechen würden, ein Geschenk von fünf Millionen Euro anzunehmen.

Wogegen richtete sich also Ihre Kritik?

Erstens: Dass wir nie informiert wurden. Dass es darum geht, den Investor am Weiterverkauf von Spielern zu beteiligen, wurde relativ schnell klar. Der Vorstand hat das halbe Jahr Vorlaufzeit allerdings nie genutzt, um alle Beteiligten auf dieses Investorenmodell vorzubereiten. Das Feedback der Mitglieder schien nie eine Rolle zu spielen, egal in welche Richtung. Der Vorstand hat in jeglicher Hinsicht verpasst, die Mitgliedschaft in eine Entscheidung mitzunehmen.

...weil ihm klar war, dass Sie sich dagegen aussprechen würden?

Das weiß ich nicht. Aber natürlich finde ich das Modell nicht gut.

Welche Gefahren sehen Sie darin?


Das Stichwort heißt faktische Mitbestimmung. Selbstverständlich wird in einem Vertrag zwischen dem Verein und Herrn Kühne nicht stehen, dass er mit entscheiden darf, welcher Spieler verkauft werden soll und welcher nicht. Aber wenn jemand Millionen von Euro in einem Fußballclub investiert, ist es ja klar, dass er irgendwann auch wieder etwas herausbekommen möchte. Spätestens wenn ein Spieler einen guten Marktwert hat und ein Angebot vorliegt, wird der Investor immer darauf drängen, ihn zu verkaufen, um Kapital daraus zu schlagen. Damit öffnet man externen Investoren auch die Tür für weitere Projekte.

Welche Auswirkungen kann das für den Verein haben?

Damit werden wir auch mit der Mannschaft eine neue Philosophie eingehen. Mit dem Hintergrund dieses Investorenmodells sagt man Spielern, die der Verein neu holt: Wir holen Euch, damit ihr Euch schnell weiter entwickelt und wir Euch möglichst schnell wieder verkaufen können. Der HSV wird damit endgültig zum Durchgangsverein. Konstanz in der Mannschaft ist allerdings meiner Meinung nach die Voraussetzung für sportlichen Erfolg.

Glauben Sie, dass der Verein diese Gefahren absichtlich ignoriert?

In jedem Fall nimmt der Verein in Kauf, dass er sich selbst unter Druck setzt. Wenn der HSV irgendwann wieder so ein Modell braucht, muss er doch einem neuen Investor zeigen können, dass es sich lohnt, beim HSV Geld zu investieren. Wer hat schon Interesse daran, 15 Millionen Euro in einen Verein zu pumpen und am Ende kommt nichts dabei rum.

Genau diese Sorgen haben Sie Vorstand und Aufsichtsrat auch dargelegt.

Ja, pausenlos. Die Antwort war immer: Das geht Sie nichts an. Das ist operatives Geschäft. Das ist Aufgabe des Vorstandes.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Als Mitglied fühlt man sich dabei vollkommen übergangen. Sowohl die konservativen Mitglieder als auch die Supporter sind sehr stolz darauf, den Verein mit gestalten zu können. Das hat uns in diesem Fall vollkommen gefehlt.

Ist ihr Widerspruch gegen das Investorenmodell also vollkommen umsonst gewesen?

Der Zuspruch von allen möglichen Seiten hat mich schon sehr überrascht. In welcher Breite Einigkeit darüber besteht, dass ein solches Modell nicht tragbar ist, macht Mut. Von etwa 1000 Mitgliedern, die bei der Versammlung anwesend waren, gab es keine 100 mehr, die das Modell noch toll fanden. Wenn die klare Meinung besteht, dass die Risiken zu groß sind und das Modell dennoch durchgesetzt wird, ist das ja auch schon ein Ergebnis.

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