Südafrikas Kapitän Mokoena über die WM

»Wir spielen spanisch«

Aaron Mokoena hat eine verdammt schwierige Aufgabe: Als Kapitän soll er dafür sorgen, dass Gastgeber Südafrika bei der WM begeistert. Vor dem ersten Spiel sprachen wir mit ihm über Carlos Parreira und den FC Barcelona. Südafrikas Kapitän Mokoena über die WM
Heft#103 06/2010
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Aaron Mokoena, was können wir von dieser WM erwarten?

All die Kraft und Freude unserer Regenbogennation. Und natürlich den Lärm. Das wird anders als alles zuvor, die Stimmung wird großartig sein.

Sie sind ein wichtiger Spieler in einem sehr jungen südafrikanischen Team. Werden Ihr Alter und die Erfahrungen, die Sie in der Premier League gemacht haben, der Mannschaft helfen?

Ich mag der Älteste sein, aber 29 Jahre sind doch kein Alter. Schauen Sie sich John Terry und Rio Ferdinand an, die sind auch noch jung und tragen trotzdem ihr Team. Meine Erfahrung wird uns bei der WM sicher helfen. Erstens, weil Erfahrung im Fußball immer hilft, und zweitens, weil ich einige Gegner bereits aus der Premier League oder aus Holland kenne.

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Südafrika hat sich zum dritten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Bisher hat die Auswahl lediglich ein Spiel gewinnen können. Was macht Sie optimistisch, dass es dieses Mal anders sein wird?

Es muss einfach anders sein. Das ist unsere Weltmeisterschaft, wir sind die Gastgeber und müssen weiterkommen – mindestens bis ins Achtelfinale. Und auch wenn es schwer wird, zeigt die WM-Geschichte, dass das gar nicht so unwahrscheinlich ist. Viele Gastgeberländer sind über sich hinausgewachsen und haben weit mehr erreicht, als man ihnen zugetraut hätte. Wie auch immer, wir haben die verdammte Pflicht, unser Bestes zu geben.

Trainer Carlos Alberto Parreira hat kritisiert, das Team habe keinen eigenen Stil.

Damit hat er zu einhundert Prozent recht, es gibt keine typisch südafrikanische Spielweise. Parreira versucht das zu ändern.

Er will, dass Sie den Ball am Boden halten, weil das Team mit Ausnahme von Matthew Booth nicht gerade groß sei.

Genau, deshalb können wir keinen englischen Fußball spielen. Parreira weiß, dass südafrikanische Fußballer eher klein, trickreich und schnell sind. Er zeigt uns, wie wir das nutzen können. Wir orientieren uns an Spanien oder Klubs wie dem FC Barcelona.

Als Kapitän lastet eine große Verantwortung auf Ihren Schultern. Sind Sie darauf vorbereitet?

Ich bin auf Herausforderungen vorbereitet, seit ich vor elf Jahren das erste Mal für die Nationalmannschaft auflief. Es geht nicht um mich, den Kapitän, es geht um die Mannschaft und mehr noch um unser Land. Wir alle wissen, was von uns erwartet wird, und wir sind motiviert bis in die Haarspitzen. Der Einzelne ist nicht wichtig, es kommt auf die Kraft an, die wir in der Gemeinschaft entwickeln.

Ist das vielleicht der typisch südafrikanische Ubuntu-Gedanke, in dem es um Solidarität und Zusammenhalt geht?

Das trifft es auf den Punkt, Ubuntu macht mich aus. Ein Mensch wird zum Menschen erst durch andere Menschen.

Ihre Tänze und Gesänge in der Kabine kann man im Internet bestaunen. Macht das Team das vor jedem Spiel?

Es ist Teil unserer Kultur. Vor dem Spiel müssen wir uns entspannen und Druck ablassen.

Haben Sie Parreira schon ein paar Lieder beigebracht?

Er beteiligt sich mehr und mehr. Meist macht er allerdings Fotos.

Waren Sie froh, dass er nach dem Abgang von Joel Santana wieder das Ruder übernommen hat?

Wir brauchen ihn. Er ist unglaublich erfahren und wir sind glücklich, von dieser Erfahrung zu profitieren.

Hätten Sie nicht lieber einen Südafrikaner als Trainer gehabt?

Mir ist es eigentlich egal, woher der Trainer stammt. Parreiras Ziel ist es, Südafrika nach vorne zu bringen. Das will ich auch.

Sie sind im Township aufgewachsen – und zwar nicht in irgendeinem, sondern in Boipatong, wo es 1992 zu einem schlimmen Massaker kam. Hat Sie das geprägt?

Natürlich hat es mich geprägt. Viele der Führer unseres Landes kommen aus Townships. Das Township hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin: ein Kämpfer, ein Überlebender. Ich war zwölf, als das Massaker stattfand. Manchmal kann ich gar nicht fassen, dass ich in all diesen Unruhen aufgewachsen bin. Der Fußball war meine Chance, dem zu entkommen und etwas aus mir zu machen. Und hier stehe ich, bin Profi in England und vertrete mein Land bei der ersten WM auf afrikanischem Boden.

Man nennt Sie »Mbazo«, »die Axt.«

Den Spitznamen bekam ich, lange bevor ich nach Europa ging, und er blieb hängen. Es hat mit meiner Entschlossenheit und meiner Einsatzfreude zu tun. Ich kann einfach nicht mit halber Kraft laufen.

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