31.05.2013

Stuttgart-Manager Fredi Bobic über das Pokalfinale

»Immer an die Grenze gehen«

Fredi Bobic weiß nur zu gut, wie es sich anfühlt den Pokal in den Berliner Nachthimmel zu recken. Vor dem Finale am Samstag spircht der Manager des VfB Stuttgart über die Stimmung im Ländle, seinen emotionalen Trainer und die Chancen im Pokalfinale gegen Bayern.

Interview: Michael Rosentritt und Stefan Hemanns Bild: Imago

Fredi Bobic, der VfB Stuttgart hat den früheren Sprinter Tobias Unger als Athletiktrainer engagiert. Soll der VfB das schnellste Team Deutschlands werden?

Tobias kommt für unsere Jugendabteilung. Er bringt unglaublich gute Voraussetzungen mit und ist sehr motiviert. Wir wollen im Nachwuchs hier und da neue Wege gehen. Auffrischung und neue Ideen sind immer gut.

Gilt das nicht auch für den gesamten Verein? Im Moment weiß man nicht, wofür der VfB eigentlich steht.
Das mögen Sie so sehen. Der Verein steht unter anderem für seine sehr gute Nachwuchsarbeit. Wir sind der Klub, der in der Ersten, Zweiten und Dritten Liga die meisten Spieler ausgebildet hat. Das ist Fakt. Natürlich definiert sich ein Verein auch über seine Erfolge. Die hat es auch gegeben, werden aber gerne mal vergessen. Wir sind in den letzten elf Jahren neun Mal international dabei gewesen, und in dieser Saison haben wir es wieder geschafft. Das ist Beständigkeit auf hohem Niveau.

Sie sind international dabei, weil Bayern München, der Gegner im Pokalfinale, schon für die Champions League qualifiziert ist.
Wie du es schaffst, ist egal. Hauptsache, du schaffst es. Aber ich geben Ihnen in einem recht: Der wichtigste Indikator in der Wahrnehmung ist die Bundesligatabelle. Da sind wir nur Zwölfter geworden. Ein besseres Ergebnis haben wir uns zu Beginn der Rückrunde zerschossen, als wir fünf Mal verloren haben. Trotzdem ist die Freude, in Berlin dabei zu sein, sehr groß.

Im Rest des Landes wird eher das Grummeln rund um den Klub wahrgenommen.
Es wurde sehr viel von Sparen geredet, es wurde von Führungsproblemen geredet und berichtet – der sportliche Aspekt ist dabei leider ein wenig zu kurz gekommen. Dabei haben sich die Dinge beim VfB über die Jahre hinweg auch positiv entwickelt. Aber zum Teil ist der Vorwurf berechtigt. Das habe ich auch intern angemahnt.

Was meinen Sie?
Der VfB hat den Nachwuchs vielleicht ein bisschen aus den Augen verloren, als er erfolgreich war. Aber das passiert vielen Klubs in Deutschland. Die Kunst ist es, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, wenn du erfolgreich bist. Und sich dann nicht von außen einreden zu lassen: Wir müssen jetzt aber mal das ganz große Rad drehen. Die Mischung muss immer stimmen.

Ist das der Fluch der guten Tat?
Seitdem ich Fan des Vereins bin, ist es immer das Gleiche gewesen: Wenn die ganz großen Klubs anklopfen, wird der VfB seine Top-Spieler nicht halten können. Entscheidend ist, dass du in solchen Situationen der Versuchung widerstehst, das mit neuen Stars kompensieren zu wollen. Angenommen, man bekommt für einen Spieler 30 Millionen, kauft aber dafür fünf. Dann hast du fünf Gehälter statt einem und musst fünf Vertragslaufzeiten abschreiben. Das bläst den Ballon ziemlich auf und schiebt alles nach oben.

Stimmt es, dass der VfB Personalkosten von 68 Millionen Euro hatte?
Es geht in die Richtung. Als ich angefangen habe, haben die Personalkosten mehr als 50 Prozent des Budgets ausgemacht. Das ist nicht gesund. Aktuell sind wir bei 42 Prozent. Trotzdem haben wir wieder etwas Substanz aufgebaut, Europa League gespielt, das Pokalfinale erreicht. Und das mit einem Kader, von dem wir wissen, dass er eigentlich zu klein war.

Wieso wird das nicht gewürdigt? Haben Sie das nicht ausreichend kommuniziert?
Quatsch! Das haben wir oft genug gesagt. Weil wir auch oft genug darauf angesprochen worden sind. Aber das wird halt dann von dem einen oder anderen als Jammern ausgelegt. Wir haben selbst auch einen hohen Anspruch, aber eine faire Einordnung wäre wünschenswert. Von uns wird verlangt, dass wir das Pokalfinale erreichen, dass wir die Europa League nicht abschenken und in der Bundesliga konkurrenzfähig sind. Aber die Bundesliga ist ein extrem harter Wettkampf geworden. Das hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert.

Inwiefern?
Zu meiner Zeit gab es Spiele, die du mit 60, 70 Prozent gewonnen hast. Du hast schnell ein Tor gemacht, da war das Ding durch. Heute müssen die Jungs immer an die Grenze gehen, immer. Das Pokalfinale wird unser 52. Spiel in dieser Saison sein. Wenn du Spieler nicht adäquat ersetzen oder ihnen mal eine Pause geben kannst, wird es schwierig. Deshalb wollen wir Quantität und Qualität erhöhen, damit wir nächstes Jahr konstanter sind.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden