St.Pauli-Stadionsprecher Rainer Wulff im Interview

»Unglaubliche Partys auf der Reeperbahn«

Seit 28 Jahren ist Rainer Wulff Stadionsprecher beim FC St. Pauli. Jetzt hat der 71-Jährige ein Hörbuch veröffentlicht. Ein herrliches Sammelsurium über Dramen und ganz große Emotionen am Millerntor.

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Rainer Wulff, machen Sie sich manchmal noch Vorwürfe?
Eigentlich nicht. Sollte ich?

In einer ihrer Erzählungen berichten Sie davon, dass sie als Telefonjoker bei »Wer wird Millionär« einem St. Paulianer nicht zum großen Geld verhelfen konnten.
Er gewann trotz meiner Unwissenheit 32.000 Euro, das erleichterte mir den Umgang mit meinem Versagen. Ich wusste allerdings direkt nach dem Anruf nicht, wie sein Auftritt ausging, weil die Sendung aufgezeichnet wurde. Ich versuchte ihn dann panisch zu erreichen und erfuhr, dass er die doch stattliche Summe mitnehmen konnte (lacht). Geärgert habe ich mich vor allem im Nachhinein, weil ich die 64.000 Euro-Frage, bei der er ausstieg, hätte beantworten können.

Die WWM-Telefonjoker-Geschichte ist nur eine von vielen auf ihrem Hörbuch »Vom Runden ins Eckige«. Wie kam es zu diesem Projekt?
Ich hab vier Jahrzehnte als Journalist beim NDR gearbeitet und habe dort auch schon Glossen und satirische Texte geschrieben. Als ich das erste Mal von der Lesebühne LÄNGS eingeladen wurde, schienen die Zuhörer meine eigens dafür neu verfassten Texte zu mögen. Daraus wurde eine lose Zusammenarbeit. Die Idee des Hörbuchs entstand aus den vielen Nachfragen des Publikums. Es handelt sich um Kurzgeschichten, vorgetragen von mir und drei Gastautoren. Wir wollten das Geld aber nicht in unsere eigene Tasche stecken und so entstand die Idee, die Einnahmen in das Projekt des geplanten FC St-Pauli-Museums zu stecken. 

Waren Sie vorher schon ein Fan von Hörbüchern?
Nicht wirklich. Der Produktionsprozess war aber spannend. Wir produzierten einfach alles auf eigene Faust und haben dann ein Label gesucht und gefunden. Normalerweise läuft das andersrum, aber wir hatten beim Label Grand Hotel van Cleef sofort Erfolg. Ich hörte unsere Geschichten gefühlte 50 Mal beim Schneiden der Aufnahmen und habe mich noch immer amüsieren können. Das war ein gutes Zeichen! 

War es eine bewusste Entscheidung, nicht nur Erzählungen über den Fußball für das Hörbuch aufzunehmen?
Fußball sollte auf jeden Fall der Aufhänger sein, weil wir durch meine Nähe zu den Pauli-Fans schon mal eine recht große Zielgruppe im Auge haben. Die Fußballnerds kommen aber vor allem durch die Geschichten von Christoph Nagel, der u.a. auch als literarischer Erfinder von »Gegengeraden-Gerd« bekannt ist, auf ihre Kosten. Es war uns aber wichtig, auch Leute anzusprechen, die keinen Bezug zum Fußball haben. Der Großteil der Geschichten spielt sich abseits des Platzes ab.

Die Aufnahmen des Hörbuchs stammen von zwei Lesungen. Ärgert man sich, wenn bei eingeplanten Lachern der Raum still bleibt?
Man darf es sich einfach nicht zu Herzen nehmen, wenn wirklich mal an einer Stelle, an der sonst Lacher zu erwarten sind, nichts passiert. Manche Leute freuen sich mehr nach innen. Lautstarke Stimmung im Publikum ist nicht unbedingt ein Maßstab für die Resonanz. Man sollte auch nicht versuchen, von Pointe zu Pointe zu jagen, sondern den Texten Atem geben.

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