Steve McClaren über Alex Ferguson

»Er ist der Godfather«

Seit Sonntag ist Alex Ferguson unsterblich: Seine 8811 Tage im Amt als Trainer von Manchester United haben selbst Matt Busby übertroffen. Wolfsburg-Trainer Steve McClaren war Fergusons Co-Trainer. Hier erinnert er sich. Steve McClaren über Alex Ferguson

Steve McClaren, Sie waren drei Jahre lang Assistent von Manchester United-Trainer Alex Ferguson. Stimmt es, dass er Ihnen geraten hat neue Arbeitgeber nach den Präsidenten auszuwählen?

Er hat mir gesagt: »Schau Dir die Menschen an, die den Verein führen. Und entscheide dann.« Er hatte Recht. Die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist eine positive Verbindung zu den Menschen, die im Verein das Sagen haben.

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Worauf achten Sie also bei Verhandlungen?

Meine Vorstellungen, meine Träume und meine Ziele habe ich schon, bevor ich einen  Vertrag unterschreibe. Aber ich brauche Menschen, die mir auch die Möglichkeit geben, in ihren Vereinen meine Arbeit umzusetzen.

Sie beschreiben Alex Ferguson als Katalysator für Ihre Trainerkarriere. Wie muss man sich Ihre Zusammenarbeit vorstellen?

Alex Ferguson ist Manchester United und Manchester United ist Alex Ferguson. Er ist der Godfather dieses Klubs. Als ich 1998 dazu stieß, war United längst eine nahezu perfekt funktionierende Maschine. Alles in diesem Verein war im Fluss und ich musste Sir Alex nur noch dabei unterstützen, das Ganze in Bewegung zu halten.

Hört sich nach einem entspannten Job an.

Von wegen. Die ersten sechs Monate waren extrem hart, ich musste arbeiten wie ein Pferd. Ferguson hat mir alle Freiheiten gelassen, das bedeutete aber auch, dass ich als Neuling gleich das Training leiten musste. Das ist viel Arbeit.

Zumal Sie sich den Respekt der Superstars erarbeiten mussten?

Unter anderem.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Gute Frage, ich weiß es nicht. Ich bin einfach auf den Platz gegangen und habe angefangen zu coachen. Nach vier Jahren als Co-Trainer unter Jim Smith bei Derby County hatte ich eine gewisse Erfahrung in der täglichen Arbeit und der Kommunikation mit den Spielern. Aber in Manchester musste ich mich so schnell wie möglich etablieren, sonst wäre das Projekt gescheitert. Diese ersten Monate waren eine schwere Prüfung.

Wie sah das Feedback von Alex Ferguson aus?

Er hat nie zu mir gesagt: »Steve, du machst aber einen tollen Job!«, oder »Steve, was machst du für einen Bullshit?« Das musste er auch gar nicht. Er hat einfach gespürt, ob ich meine Arbeit korrekt erledige. Davon abgesehen: Während meiner Zeit in Manchester stand die Arbeit des Trainerteams nie zur Debatte.

Wieso das denn?

Wir waren einfach zu erfolgreich.

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