Steve McClaren über Alex Ferguson

»Er ist der Godfather!«

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Heft#107 10/2010
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Steve McClaren, Sie waren drei Jahre lang Assistent von Trainer Alex Ferguson bei Manchester United. Stimmt es, dass er Ihnen geraten hat, künftige Arbeitgeber nach den Klubpräsidenten auszuwählen?

Er hat mir gesagt: »Schau dir die Menschen an, die den Verein führen. Und entscheide dann.« Er hatte recht. Die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist eine positive Verbindung zu den Menschen, die im Verein das Sagen haben.

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Worauf achten Sie also bei Verhandlungen mit neuen Klubs?

Meine Vorstellungen, meine Träume und meine Ziele habe ich schon, bevor ich einen Vertrag unterschreibe. Aber ich brauche Menschen, die mir auch die Möglichkeit geben, in ihren Vereinen meine Arbeit umzusetzen.

Bei welchem Arbeitgeber passte die Verbindung?

Beim FC Middlesbrough waren Klubbesitzer Steve Gibson und ich gleich auf einer Wellenlänge. Er hat mir Zeit gegeben und ich habe mir Zeit genommen. Mit dem erfreulichen Ergebnis, dass wir gemeinsam unglaublich erfolgreiche Jahre hatten.

Sie beschreiben Alex Ferguson als Katalysator für Ihre Trainerkarriere. Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Alex Ferguson ist Manchester United und Manchester United ist Alex Ferguson. Er ist der »Godfather« dieses Klubs. Als ich 1998 dazu stieß, war United längst eine nahezu perfekt funktionierende Maschine. Alles in diesem Verein war im Fluss, und ich musste Sir Alex nur noch dabei unterstützen, das Ganze in Bewegung zu halten.

Hört sich nach einem entspannten Job an.

Von wegen. Die ersten sechs Monate waren extrem hart, ich musste arbeiten wie ein Pferd. Ferguson hat mir alle Freiheiten gelassen, das bedeutete aber auch, dass ich als Neuling gleich das Training leiten musste. Das ist viel Arbeit.

Zumal Sie sich den Respekt der Superstars erarbeiten mussten?

Unter anderem.

Wie ist Ihnen das gelungen?

Ich bin einfach auf den Platz gegangen und habe angefangen zu coachen. Nach vier Jahren als Co-Trainer unter Jim Smith bei Derby County hatte ich eine gewisse Erfahrung in der täglichen Arbeit und der Kommunikation mit den Spielern. Aber in Manchester musste ich mich so schnell wie möglich etablieren, sonst wäre das Projekt gescheitert. Diese ersten Monate waren eine schwere Prüfung.

Wie sah das Feedback von Ferguson aus?

Er hat nie zu mir gesagt: »Steve, du machst aber einen tollen Job!« Oder: »Steve, was machst du für einen Bullshit?« Das musste er auch gar nicht. Er hat einfach gespürt, ob ich meine Arbeit korrekt erledige. Davon abgesehen: Während meiner Zeit in Manchester stand die Arbeit des Trainerteams nie zur Debatte.

Warum?

Wir waren einfach zu erfolgreich.

Ist das der größte Luxus, den ein Trainer haben kann: Erfolg?

Das ist das Ziel. Luxus bedeutet für mich, Zeit zu haben. Zeit für die Familie und Zeit für meine Arbeit.

Bekommen Sie die als Fußballtrainer?

Bei meinen Stationen in Middlesbrough und Enschede hat man mir die Zeit gegeben, die ich benötigte, um erfolgreichen Fußball spielen zu lassen. Dafür bin ich noch immer dankbar. Die Vereine möglicherweise auch. Ich habe sie meiner Meinung nach jedenfalls nicht enttäuscht.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich bei Twente Enschede heimisch gefühlt haben?

Sicherlich drei Monate.

Woran mussten Sie sich erst gewöhnen?

In England dreht sich alles um die richtige Einstellung, um Organisation und Disziplin. In Holland habe ich lernen müssen, den Fokus meiner Arbeit auf technische und taktische Details zu legen. Ein neues Land, eine neue Liga, neue Spieler – das ist eine ganze Menge Holz.

Und in Deutschland?

Eigentlich gibt es keine Unterschiede mehr. Deutschland ist England in diesen Punkten ziemlich ähnlich. Früher war das vielleicht anders, als in englischen Teams noch Engländer und in deutschen Mannschaften noch Deutsche spielten. Heute trainiere ich in Wolfsburg zehn unterschiedliche Nationalitäten. Die verschiedenen Kulturen sind im europäischen Fußball schon lange miteinander verschmolzen. Diesen Schmelztiegel zu coachen, ist gegenwärtig der Schwerpunkt des modernen Trainerjobs.

Die Drei-Monats-Frist, die Sie im Zusammenhang mit Enschede erwähnten, ist auch in Wolfsburg bald abgelaufen. Sind Sie bereits in Deutschland angekommen?

Ich bin dabei, meine Mannschaft zu formen. Die ersten Monate waren für mich, genauso wie für andere Trainer, teilweise frustrierend: Die Weltmeisterschaft zerstückelte eine geordnete Vorbereitung, und kaum hatte die Saison begonnen, war die halbe Mannschaft wieder für die Nationalmannschaften unterwegs.

Glauben Sie, dass der VfL Wolfsburg Ihnen genug Zeit geben wird?

Das hoffe ich, aber ich bin nicht auf den Kopf gefallen und kenne die Mechanismen des modernen Profifußballs. Zu viel Geduld kann ich nicht verlangen, bis ich mit meiner Mannschaft den Idealzustand erreiche.

Sie sagen: Das Ziel des Jobs ist Erfolg. Welche Fähigkeiten muss ein Fußballtrainer besitzen, um erfolgreich zu sein?

Niemand kommt als Meistertrainer auf die Welt. Für jede Mannschaft brauchst du eine ganze Reihe an passenden Werkzeugen. Je mehr Erfahrungen du sammelst, desto mehr Werkzeuge stehen dir als Trainer zur Verfügung. Und ich denke, dass ich einen gut gefüllten Werkzeugkasten mit nach Wolfsburg gebracht habe.

Bleiben wir bei den bildlichen Vergleichen: Welches Werkzeug würden Sie als das wichtigste bezeichnen?

Konzentration. Auf diesem Top-Niveau darfst du dir nicht eine Minute erlauben, unaufmerksam zu sein. Jeder Fehler wird hier bestraft. Das haben meine Spieler in den ersten Saisonspielen schmerzvoll erfahren müssen.

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Das komplette Interview findet ihr in 11FREUNDE #107 – ab dem 23. September im Handel.

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