14.06.2011

Steve McClaren im Interview

»Jeder Fehler wird bestraft«

Steve McClaren ist neuer Trainer von Nottingham Forest. Zu Beginn seiner Amtszeit beim VfL Wolfsburg trafen wir den Engländer einst zum ausführlichen Interview. Und sprachen mit ihm gefüllte Werkzeugkästen und den perfekten Profi.

Interview: Matthias Paskowsky und Alex Raack Bild: imago

Steve McClaren, welche Fähigkeiten muss ein Fußballtrainer besitzen, um erfolgreich zu sein?

Niemand kommt als Meistertrainer auf die Welt. Für jede Mannschaft brauchst du eine ganze Reihe an passenden Werkzeugen. Je mehr Erfahrungen du sammelst, desto mehr Werkzeuge stehen dir als Trainer zur Verfügung.



Bleiben wir bei den bildlichen Vergleichen: Welches Werkzeug würden Sie als das wichtigste bezeichnen?

Konzentration. Auf diesem Top-Niveau darfst du dir nicht eine Minute erlauben, unaufmerksam zu sein. Jeder Fehler wird hier bestraft.

Vor allem dann, wenn man mit einem Haufen Superstars zusammen arbeiten muss?

In meinen Teams gibt es keine einzelnen Fixpunkte. Du gewinnst rein gar nichts, wenn du einen Haufen Superstars auf den Rasen stellst. Das Talent muss arbeiten und die größten Spieler sind die, die ihre Fähigkeiten auf die gesamte Mannschaft übertragen können.

Der Star ist die Mannschaft?

Ja, aber die Zeiten haben sich geändert. Früher reichten elf gute Fußballer aus, um eine erfolgreiche Mannschaft zu bilden, heute benötigt man 24. Der gesamte Kader hat einen viel größeren Stellenwert bekommen, entsprechend umfangreicher ist der Arbeitsbereich eines Trainers. Sie sollten sich lieber umbenennen in »24 Freunde«, das wäre eher am Puls der Zeit.

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Wie schaffen Sie es, alle bei Laune zu halten?

Gar nicht. Das Erste, was du als Trainer lernst: Du kannst es nie allen recht machen.

Wie geht man damit um?

Ich habe gelernt, das zu akzeptieren. Meine Aufgabe ist es, mit meiner Mannschaft erfolgreich zu sein, und nicht, von allen geliebt zu werden. Fußballer respektieren es, wenn der Trainer offen und ehrlich mit ihnen umgeht. Kommunikation und Ehrlichkeit sind die Schlüssel zum Erfolg.

So einfach ist das also?

Das ist nur einfach zu sagen. Professionelle Fußballer wollen immer Erfolg, ganz egal, wie viel sie verdienen oder wie bekannt sie sind, das macht dabei keinen Unterschied. Also kommuniziere ich nicht mit Superstars, sondern mit professionellen Fußballern, die erfolgreich sein wollen.

Die meisten Trainerjobs enden allerdings deshalb vorzeitig, weil die Chemie zwischen Spielern und Trainer nicht mehr stimmt.

Das ist richtig, aber ich sage meinen Spielern auch immer: Die Letzten werden die Ersten sein. Die Helden am Ende der Saison sind häufig nicht die Helden der ersten Spiele.

Klingt ein klein wenig platt.

Vielleicht, aber ich habe zwei gute Beispiele, um das zu unterstreichen: Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjaer. Die saßen in der Saison 1998/99 für Manchester United häufig nur auf der Bank, haben ihre persönlichen Interessen die gesamte Zeit dem Erfolg der Mannschaft untergeordnet und erhielten dafür am Ende der Saison die ultimative Auszeichnung: Ihre Tore haben das Champions-League-Finale gegen Bayern München entschieden! Sheringham und Solskjaer sind zu Legenden geworden – weil sie sich professionell verhalten haben.

Und Ihre Spieler verstehen das?

Ich kann es nur hoffen.

»Er ist der Godfather« – Steve McClaren über Förderer Alex Ferguson

War das einer der Gründe für Ihr Scheitern als englischer Nationaltrainer? Dass die Spieler Sie nicht verstanden haben?

Es war extrem schwierig, meine Überzeugungen und Grundsätze auf die Nationalspieler zu übertragen. Nicht weil sie es nicht verstehen wollten oder ich nicht in der Lage war, es ihnen zu vermitteln – die Arbeit als Nationaltrainer unterscheidet sich total von der Arbeit als Klubtrainer. Das sind zwei völlig unterschiedliche Berufe!

Inwiefern?

Als Klubcoach kümmerst du dich 24 Stunden, sieben Tage die Woche um deine Mannschaft. Du arbeitest beinahe jeden Tag mit ihnen, bist ständig in Kontakt. Natürlich ist es da leichter, einen Zugang zu den Spielern zu finden. Als Trainer einer Nationalmannschaft gehören dir die Spieler nicht. Du leihst sie dir nur aus. Du arbeitest nur ein paar Tage im Jahr mit ihnen zusammen und gibst sie dann wieder zurück. Das macht es extrem schwierig, eine Mannschaft nach eigenen Vorstellungen zu formen. Ich habe es nicht geschafft und dafür Prügel kassiert.


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