Sternkopf verrät das Gladbach-Geheimnis

»So schlugen wir Bayern«

Zum 46. Mal empfängt der FC Bayern Borussia Mönchengladbach. Michael Sternkopf spielte für beide Klubs und stand beim einzigen Gladbacher Sieg auf dem Platz. Im Gespräch erzählt »Sterni«, wie man in München besteht. Sternkopf verrät das Gladbach-Geheimnis

Michael Sternkopf am Freitag treffen Ihre Ex-Vereine Bayern und Mönchengladbach aufeinander. Mit den »Fohlen« triumphierten Sie 1995 zum ersten und bislang einzigen Mal in München. Wo lag der Schlüssel zum Erfolg?

Unser Trainer Bernd Krauss sagte uns in der Woche vor dem Spiel, dass wir dem Verein die Hotelkosten sparen würden, weil sowieso nichts zu holen sei. Wir flogen erst am Spieltag nach München. Vielleicht hat er uns damit den Druck genommen. Wir haben sensationell gespielt und verdient gewonnen.

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Ein historischer Sieg für Mönchengladbach.

Gladbach war ja damals schon mehr als dreißig Jahre in München angetreten, ohne je zu gewinnen – selbst zu Zeiten von Vogts, Heynckes und Netzer. Was gab es in den Siebzigern für Gladbacher Mannschaften – und wir haben es damals als einzige geschafft! Unglaublich.

Welche Erinnerungen haben Sie an das Spiel?

Wir liefen offensiv alles andere als in Bestbesetzung auf. Martin Dahlin war verletzt, Stefan Effenberg und ich spielten als Stürmer.

Effenberg erzielte das 1:0 nach zwanzig Minuten. Braucht eine Mannschaft eine Persönlichkeit mit absoluten Siegeswillen wie Effenberg es war?

Ich weiß nicht, es haben ja auch genügend Mannschaften in München gewonnnen, die keinen Effenberg hatten. Ein Vorteil war sicherlich, dass wir mit Stefan und mir Spieler hatten, die München gut kannten und wussten, welche Eigenarten die Bayern-Mannschaft hatte.

Auch andere Mannschaften wie Bayer Leverkusen haben mehrere Jahrzehnte nicht bei den Bayern gewonnen. Haben gastierende Mannschaften in München meist die Hosen voll?

Wenn ich mit dem KSC bei den Bayern gespielt habe, war das etwas ganz anderes als beispielsweise in Dortmund zu spielen. Wenn man dann auch noch bei den großen Bayern in Führung geht, läuft ein bestimmtes Muster im Kopf ab. Man wächst ja damit auf: Wenn ein kleiner Verein das 1:0 in München schießt, bekommt er in der Regel in der zweiten Hälfte noch drei, vier Stück. Das hat man immer im Kopf und überlegt: Wie um Gottes Willen soll man das über die Zeit schaukeln?

Im Oktober 1995 gelang Ihnen das – am Ende gewann Gladbach 2:1. Wie haben Sie das typische Denkmuster ausschalten können?

Wir waren einfach locker und befreit, haben nach der Führung weiter nach vorne gespielt. Am Ende war unser Sieg nicht unverdient.

Sie spielten fünf Jahre beim FC Bayern, haben aber nur einen Titel geholt. Waren Sie zum ungünstigsten Zeitpunkt in München?

Ich glaube nicht, dass es überhaupt einen ungünstigen Zeitpunkt geben kann, beim FC Bayern zu spielen. Egal wie es sportlich läuft, ist es immer eine tolle Sache, für diesen Verein auflaufen zu dürfen. Dass ich nur einmal Deutscher Meister geworden bin, finde ich überhaupt nicht schlimm. Wenn mir das als 15-Jähriger jemand gesagt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Während meiner Zeit in München von 1990 bis 1995 hatten wir fünf Trainer, Konstanz gab es dementsprechend keine.

Auch aktuell vermisst man beim Rekordmeister die Konstanz und Ruhe – manche auch ein System...

Ich denke nicht, dass man die Probleme an der Systemfrage festmachen sollte. Wenn man so viele qualitativ hochwertige Spieler hat, ist das System egal. Die Jungs müssen sich einfach sicher fühlen und selbstbewusst sein. Daran mangelt es doch! Unsicherheit bei einem oder zwei Spielern ist noch zu kompensieren, bei sieben oder acht wird es schwierig.

Die Spieler bei Laune zu halten ist vor allem Aufgabe des Trainers...


Ottmar Hitzfeld war dafür das beste Beispiel. Sei es in der Außendarstellung oder im Umgang mit den Spielern, im zwischenmenschlichen und psychologischen Bereich: Er war in dieser Hinsicht der perfekte Mann.

Glauben Sie, dass die aktuelle Gladbacher Mannschaft den zweiten Sieg bei den Bayern einfahren kann?


Bayern hat zwar sehr souverän in Hannover gewonnen, aber ich glaube nicht, dass sie über den Berg sind. Mit einem Sieg kehrt noch nicht das ganze Selbstbewusstsein wieder. Und Gladbach hat gegen Schalke gewonnen. Mit schmaler Brust werden die also nicht nach München fahren. Es könnte ein interessantes, knappes Spiel werden.

Was trauen Sie Ihrem alten Mitspieler Michael Frontzeck in dieser Saison zu?


Michael Frontzeck ist ein guter Freund von mir, wir waren früher Zimmerkollegen. Ich drücke ihm sämtliche Daumen, dass Gladbach schnellstmöglich mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hat und sich in den nächsten Jahren in der Bundesliga etabliert.

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