26.12.2011

Stermann und Grissemann über Fußball

»Da geh i nimmer hin«

Die Komiker Dirk Stermann und Christoph Grissemann sind das Cordoba des Humors: Der eine Deutsche und Fußballfan, der andere Österreicher und Fußballverächter. Ein Gespräch über Operettenligen, Peter Pacult und Ernst Happel.

Interview: Dirk Gieselmann und Andreas Bock Bild: Udo Leitner

Die Fusion, die Sie in besagtem Film thematisieren, hat es während der WM 1982 in ähnlicher Weise gegeben: beim Nichtangriffspakt von Gijon. Die Mannschaften hatten sich zu einem 1:0 verabredet, das ihnen zum Weiterkommen reichte.

Stermann: Schade, dass Japan und Italien nicht auch mitgespielt haben! Selten waren Deutschland und Österreich sich so einig.  

Ernst Happel wandelte zwischen Deutschland und Österreich, wird hier wie da immer noch verehrt. Warum war der eigentlich immer so schlecht gelaunt?

Grissemann: (angewidert) Er war Wiener! Ein typischer Wiener. Für ihn als Trainer hatte das einen Vorteil: Die Spieler hatten Angst vor ihm, diesem unheimlichen Mann. Spieler brauchen Trainer, die so aussehen. Oder gibt es auch Trainer, die lustig aussehen? Wie Dirk Bach, zum Beispiel?   

Horst Ehrmantraut. Aber den kennen Sie sicherlich nicht.

Grissemann: Nein, aber das macht mir auch nichts aus.  

Die Frage wäre, ob Happel heute noch Erfolg hätte. Der Trend geht zum Dressman an der Seitenlinie.

Stermann: Sie meinen Labbadia, der aussieht wie ein Kellner in einem italienischen Edelrestaurant. Aber ein Gegenbeispiel fällt mir mindestens ein: Peter Pacult, Happels Nachnachnachnachnachfolger bei Rapid Wien. Er gab neulich so ein Anti-Interview: »So viel Blödheit, wie Sie da erzählen, ist schon einmal grenzenswert!«, sagte er. Jetzt nennen sie ihn »Happelchen«.  

Grissemann: (plötzlich interessiert) Wer ist denn in Ihren Augen der beste Österreichische Fußballer derzeit?  

Andreas Ivanschitz. Und Paul Scharner vielleicht.

Grissemann: Und was ist mit Toni Polster?  

Seine Musikkarriere hat seinem Anssehen eher geschadet.

Stermann: (mitleidig) Die hätte er sich sparen können. Aber ich erinnere mich, dass er ein guter Fußballer war. Mit ein paar Freunden bin ich mal ins Stadion gegangen, wir hatte Leuchthüte mit je einem Buchstaben auf, und zusammen ergab das: »Toni Polster Fußballgott«.   

Sie haben aber einen großen Freundeskreis!


Stermann: Jetzt, wo Sie’s sagen...   

Können Sie über Fußballer auch lachen?

Stermann: (ernst) Das ist nicht unsere Aufgabe.  

Grissemann: Im Spiel der Österreicher gegen Spanien sagte Peter Schöttl beim Halbzeitstand von 0:5: »Hoch werden wir es nicht mehr gewinnen.« Es ging 0:9 aus. War schon witzig.  

Stermann: Das stimmt. Aber man sollte nicht ins Stadion gehen, um zu lachen.

Ihr Kollege Thomas Bernhard sagte: »Dem Sport ist zu aller Zeit und vor allem von allen Regierungen aus gutem Grund immer die größte Bedeutung beigemessen worden: er unterhält und benebelt und verdummt die Massen; und vor allem die Diktatoren wissen, warum sie immer und in jedem Fall für den Sport sind.« Hat der Mann Recht?

Stermann: Wie alle Leute hat er sowohl Recht als auch Unrecht. St.Pauli-Fans würden sicherlich Nein sagen. Und selbst Bayern München hat eine antifaschistische Vergangenheit.  

Kann einem der Fußball umgekehrt sogar die Augen öffnen? Beispielsweise für das Absurde, Herr Grissemann?

Grissemann: (wieder erschöpft) Weiß ich nicht. Nein.  

Stermann: Ich finde es schlichtweg schön, vor allem den Raum, indem das Ganze stattfindet. Dieses Aufgeräumte des Spielfeldes – herrlich! Das kann man doch gar nicht kritisieren.  

So schön, dass es egal ist, wer am Ende gewinnt?

Stermann: Nur nicht beim MSV Duisburg, meinem Heimatverein!  

Was gilt der MSV in Österreich, wo sie seit 23 Jahren leben?

Stermann: (traurig) Nichts.  

Nichts?

Stermann: Gar nichts. Obwohl: Neulich saß ich einem Restaurant, und da kamen wildfremde Menschen zu mir und sagten, ich solle mal mit rauskommen. Ich wehrte mich, aber sie ließen nicht locker. Ich ging also mit ihnen hinaus, obwohl es sehr kalt war, und da stand doch tatsächlich ein Opel Kadett mit einem MSV-Aufkleber. Der einzige MSV-Aufkleber in Österreich!

Vermissen Sie den MSV?  

Stermann: Es bleibt im Rahmen des Erträglichen. In meiner Wahlheimat Wien gibt es genug andere Angebote. In Duisburg kann man ja fast nur ins Stadion gehen. Die Stadt war jedenfalls nicht der Grund dafür, dass das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas geworden ist.  
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