Stéphane Chapuisat über Young Boys Bern

»Unser Modell ist Vorbild«

Heute abend spielen die Young Boys Bern gegen den VfB Stuttgart in der Europa League. Mit dem Berner Scout und Stürmertrainer Stéphane Chapuisat sprachen wir über Umbrüche bei YB und den Schweizer Fußball. Stéphane Chapuisat über Young Boys Bern

Stéphane Chapuisat, Sie sind Champions-League-Sieger, Deutscher Meister, Schweizer Meister und mehrfacher »Schweizer Fußballer des Jahres«. Es gibt sogar eine Briefmarke von Ihnen. Was bedeutet Ihnen all das?
 
Es sind meine größten Erfolge, Titel, die immer bestehen bleiben – schöne Erinnerungen an vergangene Zeiten.

[ad]
 
Heute sind Sie Scout und Offensv-Trainer bei Young Boys Bern. Hätte es nach einer solchen Spielerkarriere nicht etwas mehr sein können?
 
Ich bin sehr zufrieden. Mir gefällt meine Arbeit, und YB ist ein toller Verein
 
Mit Ihrer Vita könnte man eigentlich Chef-Trainer in einer großen europäischen Liga werden.
 
Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden. Ich habe das bei meinem Vater erlebt (Pierre-Albert Chapuisat ist Trainer. Zuletzt arbeitete er beim FC Sion, d. Red). Als Trainer bist du oft unterwegs und selten zu Hause. Ich schätze es sehr, bei meiner Frau und unseren Kindern zu sein und einen festen Wohnsitz zu haben.
 
Sie wollten allerdings zunächst nicht für Young Boys arbeiten.
 
Das kann man so nicht sagen. Es bedurfte einfach ein paar Abklärungen und Erfahrungen. Nun passt es. Bei YB ist es wie in einer Fußballmannschaft: Alle verfolgen die gleichen Ziele.
 
Nämlich?
 
Bern hat schon lange keinen Titel mehr gewonnen. Es wird Zeit. Alle bemühen sich tagtäglich, diesem Ziel näher zu kommen.
 
Young Boys Bern befindet sich im Umbruch. Mit Ilja Kaenzig hat der Verein einen neuen Manager verpflichtet. Warum dieser Wechsel?
 
Die Entscheidungsträger wollten den sportlichen Bereich stärken und entschlossen sich deshalb für einen Wechsel an der Spitze.
 
Was haben Sie denn vorher gemacht?
 
Es geht darum, die bestehenden Strukturen zu verfeinern. Es wurde eine hervorragende Basis gelegt, um die hohen Ziele zu erreichen. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Das Berner Modell mit einem multifunktionalen Stadion und einem Traditionsklub ist ein zukunftsträchtiges Modell. Vorbildlich – nicht nur für den Schweizer Fussball.
 
Welche Ziele verfolgen Sie persönlich?
 
Ich trainiere alle Offensivspieler der Jugendmannschaften. Mir gefällt die Aufgabe, die jungen Stürmer näher an den Profifussball zu führen.
 
Das Ziel könnte die Nationalmannschaft sein. Die Schweiz ist nur Dritter in der EM-Quali-Gruppe G. Was fehlt, um oben mitzuspielen?
 
Für eine kleine Fussballnation wie die Schweiz ist es nie eine Selbstverständlichkeit, an einer grossen Endrunde teilnehmen zu können. Es muss bei uns vieles zusammen passen, damit wir mit den allerbesten Nationen mithalten können. Wir waren bei den letzten vier großen Turnieren dabei. Das kann man nicht immer erwarten. Aber ich glaube auch dieses Mal daran, dass es der Schweiz gelingen wird, die Barrage-Spiele (Endrunde, d. Red.) zu erreichen.
 
Wo steht der Schweizer Fußball im Vergleich zum Deutschen?
 
Wir sind nicht Deutschland. Man kann die beiden Länder nicht vergleichen und ähnliche Erwartungen haben. Die Schweizer Liga hat nicht die finanziellen Möglichkeiten wie die Bundesliga. Uns fehlen die entsprechenden Fernsehgelder. Wir haben andere Ressourcen. Der U-17-Weltmeistertitel zeigt allerdings, dass auch wir Schweizer gute Jugendarbeit leisten.
 
Das sieht man im Team von Ottmar Hitzfeld. Mit Nassim Ben Khalifa (18), Xherdan Shaqiri (19) oder Moreno Costanzo (22) stehen sehr junge Spieler im Kader.
 
Das ist ein Zeichen für die Qualität unserer jungen Spieler. Hitzfeld weiß ganz genau, auf wen er bauen kann.
 
Der VfB Stuttgart ist der heutige Gruppen-Gegner von Young Boys Bern. Der VfB führt die Gruppe H souverän an. Sind die Schwaben eine Nummer zu groß für Bern?
 
Stuttgart ist schon qualifiziert. Der Fokus liegt beim VfB sicherlich eher auf der Meisterschaft. Wir haben in dieser Saison schon mehrmals gezeigt, dass wir auch ganz große Teams ärgern können.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!