19.01.2013

Stéphane Chapuisat über Hitzfeld, Kahn und Kung-Fu

»Der Tritt war gar nicht so schlimm«

Stéphane Chapuisat, Kultfigur von Borussia Dortmund, ist vermutlich der beste Schweizer Fußballer aller Zeiten. Im Interview erinnert sich der 43-Jährige an Rituale beim Schuhbinden, Oliver Kahns Kung-Fu-Tritt, Dortmund-Fans in Tadschikistan und Abendessen mit Ottmar Hitzfeld.

Interview: Raffaela Angstmann Bild: Imago

Stéphane Chapuisat, in Ihrer Biografie »Stéphane Chapuisat – eine Geschichte« steht folgender Satz: »Ottmar Hitzfeld hat auch heute, Jahre später noch, eine Verbindung zu Stéphanes Seele.« Was genau wollte der Verfasser, Philippe Dubath, damit sagen? 

Manchmal kann man die Verbindung zwischen zwei Menschen nicht bis ins letzte Detail erklären. Wir haben viel Schönes zusammen erlebt. Sechs Jahre sind eine lange Zeit (1991 bis 1997 war Hitzfeld Chapuisats Trainer beim BVB, d. Red.). Die Chemie stimmte zwischen uns. Vielleicht deshalb, weil wir beide aus der Schweiz kommen. Als wir uns Anfang Neunziger kennen lernten, waren wir beide zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Als Schweizer Nationaltrainer ist er natürlich bei allen größeren und wichtigeren Events dabei. Meistens verbinden wir einen solchen Anlass mit einer Verabredung. Das letzte Mal, als wir uns sahen, kam er für eine Partie zwischen den Young Boys und den Grasshoppers nach Bern. Wir trafen uns vor dem Spiel zum Abendessen.

>>Hier geht's lang: Stéphane Chapuisats Karriere in Bildern

Worüber sprechen Sie dann?

Wir schwelgen in Erinnerungen. Die gemeinsamen Erfolge verbinden uns. Darüber denkt man gerne nach. Wir haben uns auch schon über Schweizer Nationalspieler ausgetauscht.

Fragt er Sie auch mal nach Ihrer Meinung, oder geben Sie ihm von sich aus Tipps?

Nein, ich schlage keine Spieler vor. Ottmar Hitzfeld braucht keine Tipps von mir (lacht). Ich äußere höchstens mal meine Meinung, aber ob er darauf hört, überlasse ich gern ihm.





Ein Rückblick: Wann wussten Sie, dass Sie Fußballprofi werden wollen? 

In den Achtzigern war in der Schweiz im Profifußball noch alles anders und schwieriger. Also habe ich zuerst eine Lehre als kaufmännischer Angestellter in einem Treuhandbüro abgeschlossen und dann kam gleich der Fußball. Ein anderer Beruf kam für mich nie in Frage.  



So richtig Schwung bekam Ihre Karriere als Sie Manager Felix Magath im Winter 1990/1991 von Lausanne-Sport zu Bayer 05 Uerdingen holte. Was bedeutete Ihnen der Wechsel nach Deutschland?
Das Angebot von Uerdingen war für mich als Schweizer natürlich eine große Ehre, schließlich durften Vereine zu dieser Zeit nur drei Ausländer unter Vertrag nehmen. Ich wollte meine Chance unbedingt nutzen. Leider hatte ich großes Pech und verletzte mich bereits in der ersten Woche bei einem Hallenturnier und fiel drei Monate aus. Ich konnte gegen Ende der Saison 1990/91 nur noch in acht Partien für unser Team auflaufen. Glücklicherweise rief ich damals meine beste Leistung ab und als wir in die zweite Liga abstiegen, war Dortmund bereit, mich auszuleihen. Darauf hatte ich die Chance mich ein Jahr in der Bundesliga zu beweisen.

Stimmt es, dass Sie erst in Uerdingen zu »Chappi« wurden?

Man hat kurz nach meinem Wechsel zu Bayer Uerdingen angefangen, mich so zu nennen. Den Fans aus Uerdingen war mein Name wohl zu lang.

War es Hitzfeld, der Sie dann 1991 von Bayer Uerdingen zum BVB holte?

Zuerst war ich mit Dortmund nur über die Vereinsleitung in Kontakt, sie wusste nämlich noch gar nicht, wer Trainer werden würde. Als Ottmar Hitzfeld dann für die Saison 1991/1992 als Coach feststand, hat er sich für meinen Wechsel eingesetzt.





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