Stephane Chapuisat im Interview

»Ich hätte Petric lieber bei uns«

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Herr Chapuisat, in Deutschland hat man zuletzt wenig von Ihnen gehört. Sie sind allerdings viel beschäftigt...

Ich bin FIFA-Botschafter der Schweizer Freunde der SOS-Kinderdörfer. Durch die Europameisterschaft im eigenen Land ist bei uns natürlich sehr viel los. Schon als aktiver Spieler hatte ich sehr guten Kontakt zu den SOS-Kinderdörfern. Mir macht es Spaß, dass ich ein bisschen helfen und einige Dörfer besuchen kann. Letztes Jahr war ich in Südafrika. Welches Dorf ich in diesem Jahr besuchen werde, weiß ich noch nicht.

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Wie schauen Ihre beruflichen Pläne für die Zeit nach der Europameisterschaft aus?

Zur Zeit trainiere ich den Nachwuchs der Schweizer Freunde, aber als Trainer sehe ich mich langfristig eher nicht. Nach der Euro werde ich in aller Ruhe über meine Zukunft nachdenken.

Was trauen Sie der Schweiz bei der kommenden EM zu?

Wenn man das Eröffnungsspiel gegen Tschechien positiv gestaltet, dann ist sicher einiges möglich. Ein Sieg wäre wichtig für die Moral. Die Mannschaft würde merken, dass sie etwas erreichen kann. Die Gruppe ist zwar schwer mit Gegnern wie der Tschechien, Portugal und der Türkei. Ein Weiterkommen ist aber in jedem Fall möglich.

Ihr ehemaliger BVB-Coach Ottmar Hitzeld übernimmt nach der Euro das Amt von Jakob »Köbi« Kuhn. Waren Sie überrascht über diese Entscheidung?

Hitzfeld hat ja schon lange vorher angedeutet, dass er gerne Nationaltrainer der Schweiz werden würde. Von daher hat es mich nicht großartig überrascht. Es ist natürlich eine große Ehre für die Schweiz, dass Ottmar Hitzfeld Trainer wird. Im Moment fokussiert sich aber alles auf die Euro. Im August ist aber sofort ein Freundschaftsspiel und danach beginnt direkt die Qualifikation für die WM 2010.

Sie haben unter Hitzfeld wohl Ihre schönsten Jahre als Spieler erlebt. Was zeichnet Ihn aus?

Als Spieler hatte ich unter ihm immer Freude am Training. Hitzfeld war einfach sehr menschlich. Er hat es stets verstanden, Probleme intern zu lösen und nicht in der Öffentlichkeit breit zu treten.

Wie eng ist Ihr Draht zum BVB? Haben Sie beim DFB-Pokalfinale gegen Jena mitgefiebert?

Vor dem Fernseher habe ich weniger gezittert, denn ich war davon überzeugt davon, dass Dortmund den Finaleinzug schafft. Allerdings ist auch mein persönlicher Draht zum Verein nicht mehr so eng wie früher. Die Ergebnisse und die Spielzusammenfassungen verfolge ich, aber im Stadion war ich schon lange nicht mehr. Den fantastischen Fans gönne ich den Finaleinzug vom ganzen Herzen. Es war immer etwas Großartiges, vor der Südtribüne zu spielen. Natürlich ist man gegen Bayern München Außenseiter. Das Endspiel sehe ich aber als super Möglichkeit für den BVB, die Saison noch zu retten.

Vor allem vor Mladen Petric werden die Münchner gewarnt sein. Schade, dass er bei der EM für sein Heimatland Kroatien und nicht für seine langjährige Wahlheimat Schweiz aufläuft?

Wir hätten es natürlich lieber gesehen, wenn er sich für unsere Nationalmannschaft statt für Kroatien entschieden hätte. Mich wundert es nicht, dass er so regelmäßig trifft. Ich kenne ihn sehr gut aus meiner Zeit bei den Grasshoppers Zürich. Er hatte schon früher viel Potential gehabt, nur war er nicht so torgefährlich. Im letzten Jahr für den FC Basel hat er aber sehr viele Treffer erzielt und angedeutet, dass er den Abschluss viel öfter sucht als in früheren Zeiten.

Ähnlich wie Petric haben Sie sich früher durch Eiseskälte vor dem Tor ausgezeichnet und in 228 Bundesligaspielen 106 Treffer erzielt. Was war ihr spezielles Geheimnis?

Wir hatten einfach eine gute Mannschaft. Das Verständnis auf und neben dem Platz war sehr gut. Im Jahre unseres Champions-League-Triumphes haben wir uns alle zusammengerissen, obwohl es in der Meisterschaft eher schlecht lief.

Am 34. Spieltag der Saison 1991/92 hätten Sie Dortmund fast mit Ihrem Tor zum Meister gemacht. Der BVB wurde aber trotz des 1:0-Sieges in Duisburg kurz vor Schluss von den Stuttgartern abgefangen. Wie groß war damals die Trauer?

Vor allem für die Fans war es nicht einfach, denn wir waren so nah dran. Vor dem Spiel sah es nicht gut aus. Wir konnten zwar noch Meister werden, aber Frankfurt hätte es aus eigener Kraft gegen Rostock schaffen können. Das Tor von Guido Buchwald drei Minuten vor Schluss in Leverkusen war dann sehr bitter für uns. Das tat weh.

Dafür war die Freude über die Deutsche Meisterschaft im erneuten Anlauf sicher umso größer. Allerdings konnten Sie ausgerechnet in den entscheidenden Spielen 1995 aufgrund eines Kreuzbandrisses nicht mitwirken.

Wir hatten damals schon einen Riesenvorsprung auf die Konkurrenz. Nachdem ich verletzungsbedingt passen musste und auch mein damaliger Kalle Riedle ausfiel, wurde es nochmal richtig eng. Unglaublich, dass wir das noch geschafft haben. Die Fans mussten zwar lange warten, aber dafür haben wir dann ja auch zweimal hintereinander die Meisterschaft an den Borsigplatz geholt. Die Situation war sehr gut mit der Saison 1991/92 vergleichbar, denn wir konnten nicht mehr aus eigener Kraft Meister werden. Zum Glück haben uns die Bayern geholfen und Werder Bremen geschlagen.

Die Meisterschaft 1993 war gleichzeitig auch die Geburtsstunde des berühmten »Babysturms« mit Lars Ricken und Ibrahim Tanko, der für Sie und Kalle Riedle bravourös in die Bresche sprang. Warum blieb vor allem Ricken der absolute Durchbruch verwehrt?

Für Lars war die Situation immer sehr schwierig. Am Anfang war er immer der Youngster, dann auf einmal dieser schnelle Aufstieg. Möglicherweise wäre es besser gewesen, wenn er den Verein zwischendurch gewechselt hätte.


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