Steigen Sie mit dem SC Paderborn in die Erste Liga auf, André Breitenreiter?

»Uns reißt keiner den Kopf ab«

Vor einem Jahr trainierte er noch den Regionalligisten TSV Havelse nun peilt Andre Breitenreiter mit dem SC Paderborn den Aufstieg ins Oberhaus an. Am Ostersonntag kommt es gegen Greuther Fürth zum Spitzenduell. Wir sprachen mit dem ihm über Träume, Realismus und die fünf Kernkompetenzen eines Trainers.

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Andre Breitenreiter, was machen Sie am 11.05.2014 um 17.20 Uhr?
Ich werde mit meiner Mannschaft auf eine überragende Saison anstoßen.

Zweiter Versuch: Werden Sie den Aufstieg feiern oder die Vorbereitung auf die Relegation einläuten?
Das weiß ich heute noch nicht. Wir haben alle Ziele, die wir uns vor Saisonbeginn gesteckt haben, längst erreicht.

Wie sehr beschäftigen Sie sich mit dem Thema Relegation? Zuletzt war zu lesen, dass Sie bereits den Hamburger SV beobachtet haben.
Richtig, ich war beim Spiel Hannover 96 gegen den Hamburger SV. Natürlich bereiten wir uns auf alle Fälle vor. Falls wir in die Relegation kommen, sind der HSV und Hannover zwei mögliche Gegner. Deshalb lag es nah, dass ich dort mal vorbeischaue. Als Hannoveraner wollte ich aber auch gerne das Duell meiner beiden Ex-Vereine sehen.

Sie stehen mit dem SC Paderborn auf Platz drei. Am Ostersonntag steht das Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten aus Fürth an. Der Gewinner kommt dem Aufstieg ein großes Stück näher, oder?
Das sehe ich anders. Meine Jungs sollen dieses besondere Spiel genießen. Von Spielen vor ausverkauftem Haus in einer besonderen Konstellation träumt man als Fußballer. Trotzdem ist die Partie nur eines von vier Spielen bis zum Saisonende. Eine Entscheidung wird erst dann fallen.

Sie sprechen sehr defensiv über das Thema Aufstieg. Wollen Sie die Spieler in ihrer Euphorie bremsen?
Das muss ich gar nicht. Mit den Erfolgserlebnissen wächst das Selbstvertrauen und der Glaube an sich selbst. Wir wissen natürlich um unsere Stärken und kennen die Tabelle. Wir sehen der Aufgabe trotzdem sehr entspannt entgegen, weil wir nie davon gesprochen haben, aufsteigen zu müssen.

Ist es in dieser Situation ein Vorteil im beschaulichen Paderborn zu arbeiten?
Auch hier träumen Umfeld und Fans vom Aufstieg. Wir haben aber einen der kleinsten Etats der Liga und daher nicht den Druck wie die großen Traditionsvereine Kaiserslautern, Köln, St. Pauli oder der Bundesliga-Absteiger aus Fürth.

Das heißt aber ja nicht, dass sie nicht aufsteigen dürfen.
Natürlich peilen wir den maximalen Erfolg an und wollen auch am Sonntag gegen Fürth gewinnen. Trotzdem: Hier haben alle eine realistische Erwartungshaltung. Uns reißt keiner den Kopf ab, wenn wir nicht aufsteigen.
Ihre Trainer-Geschichte liest sich wie ein Märchen. Vor der Saison waren Sie drei Jahre in der Regionalliga beim TSV Havelse tätig. Leben Sie gerade ihren Traum?
Es macht mich auf jeden Fall sehr stolz, dass meine Trainer-Philosophie sowohl in der Regionalliga als auch im Profibereich funktioniert. Manchmal denke ich: Unglaublich, wie schnell das alles gegangen ist.

Es wird viel über Trainer und Konzepte gesprochen. Was für ein Trainer-Typ sind Sie?
Die Diskussion über Konzept-Trainer halte ich für überflüssig. Das würde der älteren Generation ja unterstellen, dass sie kein Konzept hätten. Ich versuche, jedem Spieler die Wichtigkeit zu geben, die er am Gesamterfolg hat. Auch wenn ich immer nur elf Jungs aufstellen kann, versuche ich alle mitzunehmen. Es macht einfach wahnsinnig Spaß mit Jungs zu arbeiten, die gierig sind und sich verbessern wollen.

Was macht einen guten Trainer aus?
Ein guter Trainer kann durch fünf Kompetenzen überzeugen: Fachkompetenz, Sozialkompetenz, Führungskompetenz, Sprachkompetenz und Vermittlungskompetenz.

Das müssen Sie näher erklären!
Es geht darum, was ich vermittle, wie ich mit meinen Mitmenschen auskomme, wie ich sie führe, wie ich mit ihnen rede und wie ich meine Inhalte rüberbringen kann. Ich versuche mich in diesen Kompetenzen stetig zu verbessern und meine Stärken einzubringen. Dass das bisher so gut funktioniert, macht mich unheimlich stolz.

Was mögen Sie bei Spielern gar nicht?
Das Team sollte immer im Vordergrund stehen. Da bin ich in der Umsetzung sehr konsequent: Wer die eigenen Interessen über die der Mannschaft stellt, spielt keine Rolle mehr. Wenn elf Einzelkämpfer auf dem Platz stehen, wird man nie zum Erfolg kommen. Das gilt besonders für einen Verein wie den SC Paderborn, der aufgrund der geringen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht die Qualität an Einzelspielern hat.

Sie selbst waren früher Stürmer, ihre Mannschaft stellt momentan den besten Angriff der Liga. Sind Sie ein Offensiv-Fanatiker?
Ich habe es geliebt, Tore zu schießen. Daher möchte ich die Zuschauer im Stadion auch als Trainer mit erfrischendem Offensivfußball begeistern. Trotzdem bin ich in erster Linie dafür, kompakt zu agieren und die Null zu halten. In meinen Augen ist es der Schlüssel zum Erfolg, dem Gegner so wenige Räume wie möglich anzubieten.

Zeichnet das ihre Mannschaft aktuell aus?
Wir haben eine gesunde Mischung zwischen der Kompaktheit und einer starken Offensive gefunden. Momentan stellen wir den besten Sturm der Liga, gehören in der Rückrunde außerdem zu den Mannschaften mit den wenigsten Gegentoren. Wir können jederzeit das Spielsystem variieren und haben gute Automatismen und Abläufe entwickelt, um den Gegner auszuhebeln.

Das bleibt nicht unbeobachtet. Im Winter soll Hannover 96 Interesse an Ihnen gezeigt haben. Aktuell wird ihr Name mit Eintracht Frankfurt und Bayer Leverkusen in Verbindung gebracht.
Erfolg weckt Begehrlichkeiten, das gilt nicht nur für Spieler sondern auch für Trainer. Dass ich bei anderen Vereinen gehandelt werde, ist reine Spekulation. Mein Vertrag läuft bis 2016, ich habe momentan zu keinem anderen Verein Kontakt. Ich konzentriere mich ohnehin ausschließlich auf unsere letzten vier Spiele.

Und den Aufstieg mit dem SC Paderborn?
Wir fahren ganz gut damit, bescheiden und demütig zu bleiben. Alles was jetzt kommt ist Bonus. Wenn wir alle Spiele gewinnen, könnte es klappen. Aber dazu muss es erst einmal kommen.

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