Steffen Freund über Tottenham, Schalke und enttäuschte Fans

»Holtby war nicht meine Idee«

Steffen Freund ist seit knapp einem halben Jahr Co-Trainer bei den Tottenham Hotspur. Wir sprachen mit ihm über die Zusammenarbeit mit André Villas-Boas, den englischen Fußball und seine Erwartungen an Neuzugang Lewis Holtby.

Steffen Freund, nachdem Sie Trainer der deutschen U17- und U16-Nationalmannschaften waren, sind Sie seit 2012 Co-Trainer bei den Tottenham Hotspur. Wie sind Sie wieder bei Ihrem alten Verein gelandet?
Der Kontakt kam zunächst über Spurs-Präsident Daniel Levy zustande. Er kennt mich noch aus meiner Zeit als aktiver Spieler bei Tottenham. Bei meinem ersten Treffen mit André Villas-Boas wurde dann recht schnell klar, dass wir beide die gleiche Vorstellung vom Spiel haben.

Cheftrainer André Villas-Boas ist seit seinem 21. Lebensjahr Trainer und gilt als Taktikfuchs. Wie ist es, mit ihm zu arbeiten?
André Villas-Boas ist eine echte Führungspersönlichkeit mit einer klaren Vision, wie das Spiel seiner Mannschaft aussehen sollte. Obwohl er noch recht jung an Jahren ist. Es ist eine äußerst angenehme Zusammenarbeit auf einem hohen, professionellen Niveau.

Sie kennen den deutschen und englischen Fußball. Wie unterscheidet sich die Arbeit als Trainer in der Premier League von der in der Bundesliga?
Was den Trainerjob angeht, ist der größte Unterschied sicherlich, dass auf der Insel der Manager zugleich Trainer und Sportdirektor ist. Er bestimmt in Absprache mit dem Präsidenten die ganze sportliche Ausrichtung des Vereins. Beim Umgang mit den Spielern gibt es keine großen Unterschiede. In beiden Ländern wird auf hohem Niveau gearbeitet. Vielleicht geht es in England auf dem Trainingsplatz etwas relaxter zu. Da macht sich dann ein wenig der englische Humor bemerkbar.

Ist es für Tottenham möglich, mit Teams wie Chelsea oder Manchester City auf Dauer auf Augenhöhe mitzuspielen?
Gerade die beiden Spiele gegen den Tabellenführer Manchester United haben gezeigt, dass wir auch heute schon konkurrenzfähig sein können. Trotzdem muss man natürlich sehen, dass die finanziellen Möglichkeiten Vereinen wie ManCity oder Chelsea einen gewissen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Sie setzen allerdings auf ein Finanzierungsmodell, das so für uns nicht in Frage kommt. Tottenham Hotspur ist ein grundsolide geführter Verein, der unter anderem durch eine gute Nachwuchsarbeit diese Nachteile weitesgehend kompensieren kann.

Lewis Holtby ist gerade nach Tottenham gewechselt. Sie kennen ihn sicherlich aus den deutschen U-Nationalmannschaften. War seine Verpflichtung Ihre Idee?
Nein.

Was erwartet Lewis Holtby in der Premier League? Wird er sich umstellen müssen?
Gerade in der Offensive wird Lewis Holtby für uns eine große Verstärkung sein. Er ist im Abschluss stark, kann aber auch als Vorbereiter glänzen. So ist er für uns auf verschiedenen Positionen einsetzbar. Sicherlich wird er sich erst auf das schnellere und zum Teil robustere Spiel in der Premier League einstellen müssen. Ich bin aber sicher, dass ihm dies sehr schnell gelingen wird.

Als Ex-Schalker: Können Sie die Reaktion der Schalker Fans nach der Bekanntgabe des Transfers verstehen?
Natürlich ist es für einige Fans eine Enttäuschung, wenn ein Leistungsträger den Verein verlässt. Da kommt es schon mal zu emotionalen Reaktionen. Aber für die Entwicklung eines Spielers ist es wichtig, dass er sich auch in anderen Vereinen beweist, seinen Horizont erweitert und so sein eigenes Spiel weiter verbessert.

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