22.01.2008

Steffen Freund im Interview

„Kanu ist in ganz Afrika ein Held“

Steffen Freund ist eigentlich Co-Trainer der deutschen U20. Für die Zeit des Afrika-Cups hat er jedoch bei der nigerianischen Nationalmannschaft angeheuert, als Assistent von Berti Vogts. Hier spricht er über seine Mission mit den Super-Eagles.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago
Wer sind die Stars in Ihrem Kader?

Die absolute Legende der Mannschaft ist sicherlich Kanu, der über die Ländergrenzen Nigerias hinaus in ganz Afrika bekannt ist. Er hat in seiner Karriere sehr viel erlebt, auf höchstem fußballerischen Niveau, angefangen von Ajax Amsterdam über den FC Arsenal bis jetzt in Portsmouth. Auf Vereinsebene hat er fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Außerdem rechnet man ihm in Afrika hoch an, dass er eine eigene Charity-Organisation ins Leben gerufen hat. Er ist der Kapitän unserer Mannschaft und genießt wirklich Heldenstatus in ganz Afrika.

Welche Spieler stehen sonst noch dafür, dass Nigeria als einer der Favoriten ins Turnier geht?

Wir haben einige großartige Spieler im Kader, wie z.B. Obafemi Martins von Newcastle, John Utaka von Portsmouth, Peter Odemwingie von Lok Moskau oder auch Stephen Ayodele Makinwa von Lazio Rom. Selbst aus der italienischen zweiten Liga haben wir mit Victor Nsofo Obinna von Chievo Verona einen ganz tollen Spieler, insgesamt eine wahnsinnig gut besetzte Offensivabteilung. Joseph Yobo, ein ausgezeichneter Innenverteidiger vom FC Everton, dürften in Deutschland auch ein paar Leute kennen, genauso wie natürlich John Obi Mikel vom FC Chelsea.

Sie haben in der Premier League bei Tottenham Hotspur und Leicester City gespielt. Inwiefern profitieren Sie davon?

Beim Afrika-Cup sind viele Spieler dabei, die in England ihr Geld verdienen. Für mich ist diese Zeit auf der Insel jetzt besonders vorteilhaft, weil ich unseren erfolgreichen Spielern sofort vermitteln konnte, dass ich genau weiß, wie dort der Hase läuft. Da ich ja selbst lange bei den Spurs gespielt habe, wusste jeder sofort, dass ich genügend Erfahrung mitbringe. Mir war auch von vornherein klar, dass gerade jetzt alle Spieler aus der Premier League ziemlich müde sind, nach dem harten Programm vor und nach Weihnachten.

Die afrikanischen Mannschaften erzielen immer wieder Achtungserfolge. Was fehlt ihnen noch für den ganz großen Wurf?

Die technischen Fähigkeiten sind vorhanden, nicht nur bei uns. Die Mannschaften müssen allerdings noch mehr als Team auftreten, sie müssen taktisch zum Teil noch etwas ausgereifter agieren, z.B. in Situationen wie einem 1:0-Rückstand. Da fehlt es vielleicht manchmal noch am Willen, da bräuchte man mehr Biss. Oder es geht darum, einfach mal eine 1:0-Führung nach Hause zu bringen. Das sind alles Sachen, die im europäischen Fußball zur Tagesordnung gehören. Diese taktischen Defizite gilt es zu beheben, um auch einmal in ein WM-Finale vorzustoßen. Aber die fußballerische Qualität ist auf alle Fälle da. Das weiß man spätestens seit den Erfolgen von Kamerun bei der WM 1990. Seitdem wartet man auf den großen Durchbruch der Afrikaner, doch außer dem Olympiasieg von Nigeria gab es keine Titel. Deshalb ist es für uns eine sehr interessante Aufgabe, die Mannschaft in genau diesen Bereichen weiterzuentwickeln. Wenn uns das gelingt, haben wir auch eine gute Chance, beim Afrika-Cup sehr weit zu kommen.

Oft hat die chaotische Terminplanung den afrikanischen Mannschaften einen Strich durch die Rechnung gemacht…

In dem Punkt muss man Berti Vogts ein großes Kompliment machen. Bei uns ist es mittlerweile so, dass der Vize-Präsident von Nigeria auf Berti zugeht und ihm von sich aus zusichert, dass alles wie am Schnürchen klappen wird. Wir wussten, dass wir auf dem Flug nach Accra eine Zwischenlandung in Lagos haben würden, wurden aber beruhigt, dass der Flug von dort direkt fortgesetzt wird, dass man nicht am Flughafen warten muss. Früher konnte aus so einem Trip, der eigentlich zehn Stunden dauert, schon mal 24 werden. So etwas muss man einfach vermeiden, wenn man erfolgreich spielen will. Und genau in diesem Bereich hat Berti Vogts schon Unglaubliches geleistet. Im Trainingslager wurde jeden Abend der Trainingsplan für den nächsten Tag ausgeteilt. Und wenn mal jemand zu spät kommt, brauchen wir gar nichts mehr zu sagen. Da kümmern sich die Spieler mittlerweile selbst drum.

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