22.01.2008

Steffen Freund im Interview

„Kanu ist in ganz Afrika ein Held“

Steffen Freund ist eigentlich Co-Trainer der deutschen U20. Für die Zeit des Afrika-Cups hat er jedoch bei der nigerianischen Nationalmannschaft angeheuert, als Assistent von Berti Vogts. Hier spricht er über seine Mission mit den Super-Eagles.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago
Herr Freund, waren Sie schon einmal in dem Land, dessen Nationalmannschaft Sie betreuen?

In Nigeria bin ich leider noch nicht gewesen. Ich war aber vor zwei Jahren im Familienurlaub in Kenia, durchaus mit einem komischen Gefühl. Schließlich muss man einige vorbereitende Maßnahmen treffen, wenn man als Europäer nach Afrika reist, angefangen mit den ganzen Impfungen. Ich habe aber keine Sekunde gezögert, als mich Berti Vogts im letzten Herbst angesprochen hat.



War es überhaupt kein Problem, dass Sie eigentlich beim DFB angestellt sind?

Die ersten Gespräche mit Matthias Sammer und Berti Vogts liefen im Oktober. Die erste Frage war in der Tat, ob so ein Engagement überhaupt möglich ist. Eine tolle Sache für mich, dass es mir der Verband kurzfristig ermöglicht hat, diese Chance wahrzunehmen. Ich besitze ja bereits die Trainer-A-Lizenz und mache ab Juli den Fußballlehrerschein. Beim Afrika-Cup bekomme ich die beste praktische Ausbildung, die man kriegen kann. Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Abenteuer.

Wie haben Sie sich auf den afrikanischen Kontinent vorbereitet?

Ich habe mir ein paar Sachen aus dem Internet ausgedruckt (lacht). Entscheidender war, was mir Berti Vogts und Uli Stein erzählt haben. Berti ist schon vorher nach Ghana gereist und hat sich unser Hotel in Sekondi angeschaut. Er sagt: Wir werden dort ordentliche Bedingungen haben, vergleichbar mit denen in Europa. Der Präsident unseres Fußballverbandes hat auch nochmal betont, dass alles gut organisiert ist. Bei einem solchen Turnier hält man sich aber sowieso meistens im Hotel und auf dem Trainingsplatz auf. Da bleibt leider nicht allzu viel Zeit, um etwas mehr vom Land zu sehen. Dass in Ghana manches anders sein wird als in Europa, dass wir auf das Trinkwasser achten müssen, dass gewisse andere Gefahren warten, ist aber klar.

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit dem nigerianischen Verband?


Ich habe das komplette Präsidium des Fußballverbands, den Pressesprecher und die Mitarbeiter des Trainerteams kennen gelernt und kann nur Gutes berichten. Mir macht die Arbeit mit den nigerianischen Kollegen wirklich sehr viel Spaß. Die Menschen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Die Zusammenarbeit ist immer von großem Respekt geprägt. Dank dieser Einstellung, die auch in vielen europäischen Ländern längst nicht selbstverständlich ist, entwickelt sich bei uns gerade Schritt für Schritt ein sehr guter Teamgeist.

Welchen Part hat Ihnen Berti Vogts in diesem Team zugedacht?

Bei einem solchen Turnier geht es in einen Bereich, in dem man sich keine großen Fehler leisten kann. Zum Beispiel muss man das Training ordentlich leiten können. Das Vertrauen, das ich das alleine umsetzen kann, hatte Berti Vogts von Anfang an. Ich habe eine klar definierte Aufgabe, gestalte unter anderem das Aufwärmprogramm im koordinativen Bereich. Gemeinsam mit dem Physiotherapeuten kümmere ich auch manchmal um das Krafttraining. Genau an dieser täglichen Trainingsarbeit sieht man, dass die Räder bei uns schön ineinander greifen. Das erleichterte meine Arbeit als Neuling in den ersten Tagen sehr.

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