Steffen Baumgart über sich als Trainer

»Ich war noch nie leise«

Letztes Jahr verließ der Spieler Steffen Baumgart Magdeburg, weil er keinen neuen Vertrag bekam. Nun ist er als Trainer zurückgekehrt. Wir sprachen mit ihm über den Neuanfang, das Jahr in Wolfsburg und sein Konzept als Coach. Steffen Baumgart über sich als TrainerImago

Herr Baumgart, als wir Sie vor gut zwei Monaten getroffen haben, wurde noch über eine Stelle als Nachwuchstrainer spekuliert, jetzt sind Sie Cheftrainer in Magdeburg.

Da hat man mich wohl missverstanden, ich wollte eigentlich nie als Nachwuchstrainer arbeiten. Ich wollte immer gleich in den Männerbereich, mit Nachwuchsmannschaft war wohl die U-23 gemeint.

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Wie kam es zu dem schnellen Wechsel nach Magdeburg, mit dem kaum jemand gerechnet hat?

Ich habe damit auch nicht gerechnet. Es kam sehr überraschend: Magdeburg hat sich von seinem Trainer getrennt und mich danach gefragt, ob ich mir das zutraue.

Sie haben Magdeburg nach der letzten Saison nicht unbedingt im Guten verlassen, Ihr Vertrag wurde nicht verlängert. Ist das jetzt wieder vergessen?

Ich bin nicht im Bösen gegangen. Ich finde es immer wieder lustig, wie man darauf kommt. Dass ein Vertrag nicht verlängert wird, ist eine Sache, die im Fußball immer wieder passiert. Das hat nichts mit Bösesein zu tun. Wir sind auch nach der Absage immer in gutem Kontakt geblieben. Ich war enttäuscht, aber nicht böse.

Magdeburg ist kein einfacher Verein für einen Trainer ohne jegliche Erfahrung.


Ich habe es mir ja so ausgesucht. Als ich gefragt wurde, habe ich gesagt, dass ich mir das zutraue. Und es wird ja über fast jeden Verein gesagt, es sei kein einfacher Verein. Deswegen mache ich mir darüber keine Gedanken. Außerdem: Wäre es ein einfacher Job, könnte ihn doch jeder machen.

Vertrag haben Sie nur bis Saisonende, aber es soll danach schon weitergehen, oder?

Unter normalen Umständen ja.

Wie war das Gefühl, als Sie das Stadion zum ersten Mal als Trainer betreten haben?

Ungewohnt. Ich war auch ein bisschen aufgeregt und angespannt, aber ich glaube, das gehört dazu. Ich war froh, dass die Mannschaft viel von dem umgesetzt hat, was wir vorher besprochen hatten.

Der Spieler Steffen Baumgart galt als bedingungsloser Kämpfertyp. Wollen Sie diese Mentalität auch ihren Spielern vermitteln?

Jeder Spieler ist anders, aber diesen Willen zum Gewinnen und den Willen, Zweikämpfe anzunehmen, das würde ich schon gerne von meiner Mannschaft sehen – und das so schnell wie möglich. Verlorenen Bällen immer hinterher zu gehen, den Mitspielern zu helfen, also die Eigenschaften, die ich mir immer zugesprochen habe, will ich natürlich auch auf meine Mannschaft übertragen.

Wodurch unterscheidet sich der Trainer vom Spieler Baumgart?

Als Spieler war ich ja nun auch kein Leiser und habe mit den Trainern gesprochen. Aber wenn man in dem Trainerjob ist, dann sind da sehr viele Sachen, die um den Platz herum passieren, die man jetzt erst realisieren muss und auch versuchen muss, diese vernünftig einzutakten.

Außer einem Jahr bei Wolfsburg haben Sie Ihre gesamte Spielerkarriere in den neuen Bundesländern verbracht und starten jetzt auch als Trainer im Osten. War dieses eine Jahr so prägend?
 
Nein (lacht), wir hatten damals eine schöne Zeit in Wolfsburg und haben uns sogar für den Uefa-Cup qualifiziert, was Felix Magath erst zehn Jahre später wieder geschafft hat. Nach der Saison hat man sich nach neuen Spielern umgeschaut und ich rückte mehr oder weniger ins zweite Glied. Dann hatte ich zwei Angebote, eins aus Bielefeld und eins von Rostock. Ich bin nach Rostock gegangen, weil Zachhuber damals Trainer war und dann haben wir dort erfolgreich gearbeitet. Ich war ein Spieler, der hauptsächlich im Osten gespielt hat, aber an dieses Ost/West-Ding glaube ich nicht. Dass ich nur ein Jahr im Westen gespielt habe, lag bestimmt nicht daran, dass ich nicht in den Westen wollte.

Unsere letzte Ausgabe widmete sich dem Thema Schwalben. Haben Sie sich als Trainer schon mal dabei erwischt, zu einem Spieler zu sagen: In der Situation musst du fallen?


Das ist natürlich ein zwiespältiges Thema. Die Presse ist immer verärgert, wenn der Gegner eine Schwalbe macht, wenn  es aber der eigene Spieler ist, dann ist es Cleverness. Ich habe zu meinen Spielern gesagt, dass sie, wenn etwas passiert, aufstehen und den Schiri in Ruhe lassen sollen. Sie sollen immer versuchen, lieber noch den einen Schritt zu gehen. Wenn sie gefoult werden, dann merken sie das schon. Ich will, dass meine Spieler, wenn möglich, ohne Schwalben auskommen, denn so was fällt immer wieder auf einen zurück. Ich war selbst mal in der Situation, dass man mich als Betrüger beschimpft hat, weil man meinte, man müsste eine große Schlagzeile machen. Das Schlimme ist, dass es Spieler gibt, die immer wieder fallen, und komischerweise sind das dann auch noch die Helden.

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