11.08.2007

Steffen Baumgart im Interview

„Ihr könnt mich alle mal“

Er ist eine der letzten Kampfsäue der Bundesliga. Doch Steffen Baumgart sieht die eigene Spezies vom Aussterben bedroht. Dabei zeigt er in Cottbus, wie man durch Kampf und Wille seinen Platz im Team behaupten kann.

Interview: Juern Kruse Bild: Imago
Vertrauen Sie darauf, dass die Einkaufspolitik auch dieses Jahr so gut ist?

Man braucht dabei immer ein wenig Glück. Am Anfang der letzten Saison wusste zunächst auch keiner, dass es so gut laufen würde. Aber ich bin ein Teil dieser Mannschaft und absolut überzeugt davon, dass wir die Klasse halten. Auch wenn es schwieriger wird als im letzten Jahr, in dem wir nur einmal auf einem Abstiegsplatz standen. Unser Ziel lautet Platz 15. Ob der am Ende mit 33 oder 42 Punkten erreicht wird, ist mir egal.

Was macht den Spieler Baumgart aus?

Es gibt in jedem Verein Künstler und Arbeiter. Ich bin Letzteres. Es gibt mehrere Arbeiter, die in ihren Vereinen eine ganz wichtige Rolle spielen.

An wen denken Sie dabei?

An Rüdiger Kauf von Bielefeld beispielsweise. Das ist eine reine Kampfsau. Der gibt immer Gas und reißt damit auch andere mit. Solche Spieler braucht jeder Verein. Auch Mark van Bommel setzt mit seiner Aggressivität auf dem Platz Ausrufezeichen. Und ein Thomas Gravesen spielte schließlich auch nicht bei Real Madrid, weil er so gut aussieht. Die brauchten einen, der dazwischen haut. Auf dem Spielfeld zeigt sich der Wille eines Spielers.

Hatten Sie schon immer diesen Willen?

Ich war schon immer ein athletischer Typ, der über Eigenschaften wie Kampf und Wille ins Spiel gekommen ist. Dazu habe ich meine Grundschnelligkeit und Kopfballstärke in die Waagschale geworfen.

Ist dieser Spielertyp vom Aussterben bedroht?

Ja, aber das ist ein gesellschaftliches Problem: Heute muss sich doch keiner mehr hocharbeiten. Heute haben alle Kinder ihre Computer, Gameboys und wahrscheinlich eine Maschine, die ihnen den Hintern abwischt. Denen wird alles abgenommen.

Sehen Sie das auch bei jungen Fußballern?

Auf jeden Fall. Hertha BSC ist das beste Beispiel. Dort fordern junge Spieler mit gerade einmal drei Bundesligaeinsätzen Respekt ein, den man sich eigentlich erst erarbeiten muss. Ich bewundere Leute, die über Jahre Leistung gebracht und immer gekämpft haben. Junge Spieler, die nur wegen ihrer Tattoos, Mode oder Frisuren in den Zeitungen stehen, respektiere ich nicht.

Wen aus dem aktuellen Fußballgeschäft respektieren Sie?

Oliver Kahn hat immer super Leistungen gebracht und versucht, das Optimale aus sich herauszuholen. Oder Miroslav Klose, der in der letzten Saison trotz der Kritik uneigennützig viele Tore vorbereitet hat.

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