18.11.2006

Stefan Wächter im Interview

„Wir sind keine Söldnertruppe“

Stefan Wächter musste lange auf sein erstes Bundesligaspiel warten. In diesen schweren Zeiten spielt er für den Verein - und selbstredend auch für seinen Trainer Thomas Doll. Neue Trainer sind für den Torwart keine Erfolgsgarantie.

Interview: Paul Linke Bild: Imago
Sind die Medien also übertrieben kritisch?

Man muss unterscheiden, denn nicht alle berichten lediglich in Schwarz und Weiß. Und obwohl ich weiß, dass Boulevardmedien davon leben, habe ich manchmal kein Verständnis für diese Einseitigkeit. Es kann doch nicht sein, dass zurzeit jeder Bundesligist in der Krise steckt. Ich habe das Gefühl, es geht nur noch um möglichst negative Bilder und nicht um Sachlichkeit.

Welche Schlagzeile hat Sie am meisten geärgert?

Dass wir angeblich eine Söldnertruppe sind.

Wollen Sie das richtig stellen?

Natürlich sind wir eine sehr heterogene Mannschaft, aber der Zusammenhalt, gerade in dieser Phase ist enorm. Wir dürfen uns von außen nicht provozieren lassen.

Die Mannschaft ist nicht nur heterogen, sondern auch sehr jung.

Hut ab vor Benny Feilhaber und Mario Fillinger, von denen man diese Leistung nicht erwarten konnte, weil die Situation momentan alles andere als leicht ist. Wenn Fehler passieren, darf man ihnen daher keinen Vorwurf machen.

Routiniers wie Sergej Barbarez oder Stefan Beinlich...

...sind nicht mehr im Verein. Wir haben genug erfahrene Spieler, nur – sie sind zurzeit alle verletzt.

Der HSV hat in dieser Saison das Glück tatsächlich nicht gepachtet. Haben Sie Mitleid mit Ihrem Trainer Thomas Doll?

Er will gar kein Mitleid.

Schämen Sie sich vor ihm?

Nach einer Niederlage würde ich mich am liebsten eingraben und nicht mehr blicken lassen. Das Schamgefühl bezieht sich aber nicht nur auf den Trainer, sondern auf den gesamten Verein und die Fans.

Kann Thomas Doll die Mannschaft noch erreichen?

Er findet vor jedem Spiel die richtigen Worte, das ist eine regelrechte Kunst, wie er das macht. Wenn er von Kampfgeist spricht, dann klingt das sehr authentisch – er lebt das alles vor. Und der Funkte springt immer noch über.

Spielen Sie für den Trainer?

In erster Linie spielen wir für den Verein. Da ich, und ich bin nicht alleine auf weiter Flur, keinen anderen Trainer haben will, spiele ich selbstredend auch für Thomas Doll.

Schenken Sie seinen Durchhalteparolen noch Glauben?

Das sollten Sie den Trainer fragen. (lacht) Vieles ist doch nur für die Öffentlichkeit. Intern wird knallhart analysiert – da fällt die Kritik anders aus, als es nach außen hin wirken mag.

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