11.07.2007

Stefan Schnoor im Interview

„Wolfsburg will zu schnell zu viel“

Und wieder einmal hat den VfL Wolfsburg die Großmannssucht gepackt: Mit Felix Magath als Superminister sollen möglichst bald Titel gewonnen werden. Wir fragten den langjährigen Wolf Stefan Schnoor, wo der Verein tatsächlich steht.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Sie kennen Felix Magath noch aus ihrer Zeit beim HSV. Ist er jetzt der richtige Mann für den VfL Wolfsburg?

Felix ist der richtige Trainer für jeden Verein. Wenn man sieht, was er in den letzten Jahren geleistet hat und welche Titel er geholt hat, das spricht für sich. Er hat ein immenses Fachwissen und ist auch im Umgang mit seinen Spielern sehr fair. Er ist den Spielern gegenüber ehrlich. Jeder Spieler weiß bei ihm, woran er ist. Das ist entscheidend, und darum hat er mit seinen Mannschaften auch Erfolg.

Wie sein Vorgänger Augenthaler legt auch Magath viel Wert auf Disziplin und spricht eher wenig mit seinen Spielern. Augenthaler ist in Wolfsburg gescheitert.


Das letzte halbe Jahr war ich ja nicht mehr dabei. Aber ich vermute, Augenthaler hat bei einigen Spielern aufs falsche Pferd gesetzt. Felix hat den Vorteil, dass er jetzt freie Hand bei den Spielerverpflichtungen hat. Da kann er den Kader nach seinen Vorstellungen zusammenstellen. Der neue Kader wird ein stark verändertes Gesicht gegenüber dem alten haben.

Sie sprechen an, dass Magath in Wolfsburg nicht nur Trainer, sondern auch Manager ist. Sie kennen das Modell aus Ihrer Zeit in England, wo es weit verbreitetet ist. Haben die Teammanager da wirklich diese Machtfülle?


Ja. Die Teammanager bestimmen die Transferpolitik des Vereins und legen auch die Taktik fest. Aber unter der Woche sind sie des öfteren nicht beim Training. Den Trainern, die ich in England hatte, standen mehrere Assistenz-Trainer zur Seite. Diese erledigten dann vieles der eigentlichen Trainingsarbeit. Vor den Spielen setzten die sich dann mit dem Teammanager zusammen und bastelten an der Aufstellung.

Könnte das ein Modell werden, das sich auch in der Bundesliga etabliert?

Man muss das immer von zwei Seiten betrachten. Das Modell hat Vor- und Nachteile. Doch ich weiß nicht, ob es so gut ist, wenn die ganze Entscheidungsmacht nur bei einer Person liegt. Das ist wirklich schwer zu sagen.

Ist das „englische Modell“ nach Jahren der sportlichen Stagnation so etwas wie ein letzter verzweifelter Versuch der VfL-Verantwortlichen, in der Liga voranzukommen
?

Wenn die VfL-Verantwortlichen nicht von Magath und diesem Modell überzeugt gewesen wären, hätten sie ihn nicht verpflichtet. Aber wie gesagt, Felix Magath ist ein kompetenter Trainer und der richtige Mann, um den VfL dahin zu bringen, wo der Verein hin will und um das zu leisten, was speziell auch der VW-Konzern von ihm erwartet.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Klaus Augenthaler nach der Rettung des VfL am vorletzten Spieltag in Aachen wortlos in die Kabine entschwand und stattdessen die VfL Führungsriege mit den Spielern auf dem Platz feierte?

Es sah schon etwas kurios aus, das stimmt (lacht). Ich weiß nicht, auf wessen Veranlassung das passiert ist, und es steht mir auch nicht zu, mir darüber ein Urteil zu erlauben.

Statt des Klassenerhalts hatten die VfL-Verantwortlichen nach dem Aufstieg von 10 Jahren in die 1. Liga viel höhere Ambitionen und sehr ehrgeizige Pläne formuliert. Sogar von der Champions League war die Rede. Ist Wolfsburg ein Musterbeispiel für das Auseinanderklaffen von Anspruch und Wirklichkeit?


Jeder Verein hat Höhen und Tiefen. Vor Jahren stand der VfB Stuttgart auch nicht gut da, und nun ist er Deutscher Meister. Fußball ist nicht planbar, und das ist auch das Schöne daran. Wichtig ist, aus den Fehlern, die begangen worden sind, auch zu lernen. Wenn man das nicht macht, wird sich die Geschichte wiederholen.

Jetzt redet Magath indirekt auch schon wieder von Titeln.

Er hat ja nicht gesagt, dass er das Double in der kommenden Saison holen will. Er hat gesagt, dass er um Titel mitspielen will, und das ist auch das Recht eines jeden Trainers. Er geht da bestimmt nicht hin, um die Mannschaft vor dem Abstieg zu retten. Das kann nicht der Sinn der Sache sein.


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