Stefan Reuter zwischen Klassenerhalt und Königsklasse

»In Düsseldorf wuchs der Glaube«

Stefan Reuter gewann 1997 die Champions-League mit Borussia Dortmund. Jetzt gelang ihm als Geschäftsführer des FC Augsburg der Nicht-Abstieg aus der Bundesliga. Hier erinnert er sich an die Aufbruchstimmung während des Wintertrainingslagers und selbstsichere Turiner.

Stefan Reuter, wir erreichen Sie derzeit nur sehr schwer. Entstehen auf ihrem Schreibtisch bereits die intensiven Vorbereitungen für die neue Saison?
Die Vorbereitungen entstehen ja nicht nur auf dem Schreibtisch. In dieser Phase sind generell viele Gespräche zu führen.

Den Klassenerhalt sicherte sich der FC Augsburg sensationell im letzten Spiel. Dabei begann die Partie gegen die SpVgg Greuther Fürth denkbar schlecht…
Sie sprechen den Elfmeter an, der zunächst verwandelt, dann wiederholt und schließlich von Alexander Manninger gehalten wurde. Wenn wir da in Rückstand geraten, kann das Spiel eine andere Wendung nehmen.

Ist Ihnen beim Elfmeterpfiff das Herz in die Hose gerutscht?
Wir konnten den Pfiff überhaupt nicht nachvollziehen, da Ragnar Klavan den Ball gespielt hat. Daher war es vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit, dass Alex den Strafstoß gehalten hat.

Sascha Mölders sagte: »Wenn wir am 34. Spieltag unser großes Ziel erreicht haben, trinke ich eine Woche durch«. Wann mussten Sie Samstagnacht die Mannschaft vom Tresen holen oder sitzt sie dort immer noch?
Tatsächlich hat sich die Mannschaft am Sonntagmorgen bereits um 9.00 Uhr wieder getroffen und sich dann in den Urlaub verabschiedet. Es soll aber Personen gegeben haben, die nach der Feier direkt beim Mannschaftstreffen aufgeschlagen sind.

A propos Sascha Mölders. War er der wichtigste Faktor für den Klassenerhalt?
Der wichtigste Faktor war die Mannschaft, der Teamgeist, die Leidenschaft, mit der unser Team aufgetreten ist. Wir waren erfolgreich, weil die Einzelinteressen hinter den Interessen der Mannschaft standen.

Sie sind zur Rückrunde für Jürgen Rollmann als Geschäftsführer eingesetzt worden. Zu diesem Zeitpunkt hatte der FCA neun Punkte und einen Sieg auf dem Konto. Wie tief hingen bei ihrem Amtsantritt die Köpfe an der Donauwörther Straße?
Wir haben uns in der Winterpause zusammengesetzt und die Zeit im Trainingslager genutzt, um zu besprechen, wie wir die Rückrunde angehen werden. Der Glaube an die eigene Stärke und die Chance, dass wir unser Ziel erreichen können, war innerhalb der Mannschaft immer da. Mit dem Auftaktsieg in Düsseldorf und den anschließenden Erfolgen wuchs das Selbstvertrauen und der Glaube immer mehr.

Mit einer wahnsinnigen Aufholjagd haben Sie den Abstieg verhindern können. Gab es im Saisonverlauf ein Spiel oder einen Moment, bei dem Sie sich sichern waren: »Jetzt packen wir es!«?
Wie gesagt, der Glaube war immer da. Die Mannschaft hat sich auch von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen, sondern immer konsequent an seinem Ziel gearbeitet. Es ist toll, dass wir am Ende sogar mit dem direkten Klassenerhalt belohnt worden sind.

Gepackt haben Sie es persönlich vor 16 Jahren im Champions-League-Finale mit Borussia Dortmund. Sind die Emotionen bei Königsklasse und Klassenerhalt überhaupt miteinander zu vergleichen?
Es sind beides großartige Erfolge, die ich aber überhaupt nicht miteinander vergleichen möchte.

Sie gewannen im Finale mit 3:1 gegen den Titelverteidiger Juventus Turin. Ihr italienischer Ex-Klub galt vor dem Anpfiff als Favorit. Haben sie sich mannschaftsintern auch als Außenseiter gesehen?
Wir haben damals auch an unsere Chance geglaubt. In einem solchen Spiel ist alles möglich. Das haben nicht nur wir damals bewiesen.

Lars Ricken meinte, dass die Turiner sehr selbstsicher aufgetreten wären, als seien sie die sicheren Sieger.
Auch ich habe es in meiner Karriere erlebt, dass man als Favorit auch Niederlagen einstecken musste. Wenn man als sicherer Sieger in einem Finale stolpert, ist es aber etwas bitterer als in einem normalen Ligaspiel.

Das Finale fand ausgerechnet in München statt. Haben Sie – gerade als gebürtiger Bayer – die Partie als Heimspiel verstanden?
Ja, das war für mich natürlich ein besonderes Erlebnis, zumal ich ja vorher mit dem FC Bayern im Olympiastadion gespielt habe. Daher fühlte ich mich dort heimisch.

Sind Sie als ehemaliger Spieler des BVB und des FC Bayern zur Neutralität verpflichtet?
Ich habe zu beiden Vereinen auch nach meiner aktiven Zeit einen sehr guten Draht. Daher drücke ich nicht dem einen mehr die Daumen als dem anderen.

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