16.04.2008

Stefan Reuter im Interview

»Populismus hilft uns nicht«

Seit neun Spielen ist 1860 München ohne Sieg. Wie kommt\'s? Wir sprachen mit Manager Stefan Reuter über finanzielle Nöte, über Wettberg und Wildmoser - und warum der richtige »Kracher« noch nicht den Weg zu den Löwen gefunden hat.

Interview: Moritz Kielbassa Bild: Imago
Herr Reuter, 0:2 in Offenbach, seit neun Spielen kein Sieg, Platz 18 in der Zweitliga-Rückrundentabelle - hätten Sie nach der guten Vorrunde gedacht, dass es mit 1860 so bergab geht?

Nie im Leben. Mit Rückschlägen habe ich gerechnet, aber mit einer solchen Negativserie beim besten Willen nicht - weil zu viel Qualität im Kader steckt und weil wir schon in der Hinrunde immer wieder Ausfälle hatten. Nur haben wir sie da kompensieren können.



Warum wird die Qualität, von der Sie sprechen, nicht mehr abgerufen?

Es gibt nicht den einen Grund, es gibt viele: unsere Verletzten; die jungen Spieler, die ganz natürlich einen Substanzverlust erleben. Und das noch viel größere Problem ist: Unsere erfahrenen Spieler fabrizieren regelmäßig Fehler. In einer Phase, wie wir sie haben, braucht eine Mannschaft Säulen, die dagegenhalten. Die haben wir im Moment nicht.

Warum sind Führungssspieler - wie Torben Hoffmann und Gregg Berhalter in der Abwehr - so von der Rolle?


Man muss da über alle Führungsspieler reden. Vielleicht haben gerade diese Spieler zuletzt zu viel gewollt - und das hat sie überfordert. Wir sind von unserem konsequenten Weg der Vorrunde abgekommen, da haben wir uns immer nur mit dem nächsten Gegner beschäftigt. Ab der Winterpause hat das aufgehört. Zu viele haben angefangen zu träumen, es wurde nur noch über Ziele und Aufstiegsplätze geredet. Dann hast du im ersten Spiel ein Negativerlebnis gegen Augsburg (0:3) - und schon bricht einiges zusammen. Knackpunkte waren auch die Pokalspiele gegen Aachen und Bayern. Solche Highlights haben den zähen Liga-Alltag übertüncht.

Am Sonntag in Offenbach sprachen Sie von einem »peinlichen« Auftritt. Ist die Zeit des Schönredens vorbei?

Wir haben intern schon immer die Themen anders diskutiert als in der Öffentlichkeit und wir werden das auch weiterhin so halten. Und man muss inzwischen auch ganz klar sagen: Wenn du so über einen so langen Zeitraum keinen Erfolg hast wie wir, kannst du den Leuten nicht immer wieder erzählen: Das war Pech, wir waren gut! Das geht bei ein, zwei Spielen ohne Sieg, nicht bei neun.

Der Eindruck ist: 1860 spielt immer nett mit, macht aber hinten viele Fehler - und findet auf den letzten 30 Metern vor dem Tor keine Lösungen.

Dort fehlt die Durchschlagskraft, ganz klar, und es fehlt vorne auch die Ballsicherheit, damit der Rest der Mannschaft komplett nachrücken kann. Göktan und Di Salvo sind nach ihren langen Verletzungen bei weitem noch nicht in derselben körperlichen Verfassung wie im Sommer nach der Vorbereitung.

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